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Freigrenze für Negativzinsen sinkt weiter

Verwahrentgelte der Banken : Freigrenze für Negativzinsen sinkt weiter

Banken und Sparkassen verlangen das Verwahrentgelt immer häufiger auch bei Guthaben deutlich unter der Marke von 100.000 Euro. Manche Institute räumen dem Kunden gar keine Freigrenzen mehr ein.

In der Corona-Krise haben die Deutschen gespart wie nie zuvor. Auf etwa 17 Prozent ist die Sparquote im vergangenen Jahr gestiegen. Mit anderen Worten: Die Bundesbürger haben mangels Gelegenheit zum Shoppen, Urlauben  oder Essen im Restaurant  jeden sechsten Euro auf die hohe Kante gelegt. Wobei die Kante immer niedriger wird, weil vom Ersparten immer mehr weggfressen wird. Das liegt nicht nur an der Inflation, sondern auch an den Negativzinsen, die immer mehr Banken und Sparkassen in Deutschland von ihren Kunden verlangen.

Nach Angaben des Verbraucherportals Verivox sind es bundesweit mittlerweile fast 300 Geldhäuser, die die gern als Verwahrentgelt deklarierten Strafzinsen von ihren Kunden verlangen. Allein in den ersten 100 Tagen des laufenden Jahres seien etwa 100 dazugekommen, heißt es. Verivox weist darauf hin, dass die Auflistung Banken enthalte, die Negativzinsen für Privatkunden in online zugänglichen Preisverzeichnissen oder Produktübersichten veröffentlicht hätten, und dass die Angaben für Einlagen auf dem Tagesgeldkonto gälten. Das Finanzportal Biallo hatte jüngst eine Statistik veröffentlicht, derzufolge allein im März knapp 50 Banken und Sparkassen Negativzinsen für Privatkunden eingeführt hatten. Das seien deutlich mehr als im Januar und Februar gewesen. In den ersten beiden Monaten des  laufenden Jahres seien jeweils gut 30 neue Geldhäuser dazugekommen, meldete Biallo jüngst.

Unabhängig davon, wie präzise all diese Zahlenangaben sind: Das mit den Negativzinsen ist kein neues Phänomen in der Corona-Krise, aber es wirkt bei steigenden Sparbeträgen in der Bevölkerung natürlich mehr denn je. Wenn dann noch die Verbraucherpreise steigen, ist der reale Vermögensverlust noch größer. Die Banken sehen vielfach keine Alternative und klagen darüber, dass sie für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) selbst Negativzinsen zahlen müssten. Je mehr neue Kundengelder sie aber annehmen, umso größer wird auch die Notwendigkeit, diese Kosten weiterzugeben. Wenngleich den Geschäftsbanken von der EZB auch ein Freibetrag eingeräumt wird.

Für den Kunden ist das ein schwacher Trost. Zumal die Freigrenzen, ab der die Kreditinstitute in Deutschland Geld dafür verlangen, dass sie das Geld der Sparer aufbewahren, immer weiter sinkt. Erst waren es nur die Großvermögen privater und institutioneller Kunden, dann waren 100.000 Euro lange Zeit die gängige Grenze auch bei den Privatkunden.  Doch  nach den neuesten Zahlen sind es immer öfter auch mittlere fünfstellige Beträge, auf die Kunden zahlen müssen. Dabei sind 50.000 Euro ein gängiger Betrag. Manche Institute (einige davon sind in der nebenstehenden Tabelle aufgeführt) räumen den Verbrauchern schon gar keine Freigrenzen mehr ein, sondern berechnen den Strafzins ab dem ersten Euro des Guthabens.

In der Regel gelten die angegebenen Grenzen für Neukunden und bei diesen für Tages- und Festgeldkonten sowie für Girokonten. Denn mit Bestandskunden müssen sich die Banken erst mal auf eine Neuregelung der Finanzbeziehungen einigen. Will der Sparer partout nicht zahlen, kann das Institut ihm kündigen. In größerem Stil ist das jüngst bei der Stadtsparkasse Düsseldorf passiert. Apropos Sparkassen: Auffällig ist, dass unter denen, die Negativzinsen auch bei Sparbüchern mit dreimonatiger Kündigungsfrist verlangen, viele öffentlich-rechtliche Institute sind. Auch die Verwahrentgelte für Guthaben auf Girokonten sind rechtlich umstritten, weil bei diesen Konten häufig ja bereits eine Kontoführungsgebühr erhoben wird.

Häufig sind die Angaben zu den Negativzinsen der Banken und Sparkassen nur im Kleingedruckten der Preis- und Leistungsverzeichnisse zu finden – also nicht immer einfach. Kunden, die das Geldhaus wechseln wollen, sollten also bei ihrer neuen Bank auf jeden Fall danach fragen.