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Atomrückstellungen von Eon reichen aus

RP-Energiegipfel : "Eons Atomrückstellungen reichen aus"

RP-Energiegipfel: Das sagt Eon-Chef Teyssen

Eon-Chef Teyssen diskutierte mit NRW-Umweltminister Johannes Remmel und Energieexpertin Claudia Kemfert über die Energiewende.

Als Eon-Chef muss Johannes Teyssen viele Probleme lösen: Energiewende, Atomrückstellungen, Klimaabgabe - das Thema ist komplex. Das zeigte auch der Energiegipfel der Rheinischen Post, bei dem der Chef des Energiekonzerns mit Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und NRW-Umweltminister Johannes Remmel diskutierte. Die Zukunft der Branche, so Teyssen, findet in den Häusern der Bürger statt - auch in seinem.

Wenn über dezentrale Energieversorgung gesprochen wird, fällt oft der Begriff "Smart Home". Dabei werden zum Beispiel intelligente Stromzähler installiert. Nutzen Sie die Technik auch?

Teyssen Bei uns nutzt vor allem meine Frau die Technologie. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Energiewende von den Bürgern getragen wird. Es wird drei große Treiber der Energiewende geben: Die Bürger, die Städte und Innovationen der Forscher. Städte der Zukunft werden die Energiewende viel praktischer gestalten, als es jede Kohleabgabe je könnte.

Remmel (lacht) Mir fehlt für das Thema Smart Home noch die technische Kompetenz. Eine App, mit der ich überprüfen könnte, ob ich überall das Licht ausgeschaltet habe, wäre aber praktisch. Ich komme gerade aus dem französischen Rennes, wo junge Gründer technologische Möglichkeiten vorgestellt haben. Das war schon sehr beeindruckend. Aber natürlich muss man auch gucken, wo die Daten, die dabei entstehen, gespeichert werden -und wer darauf Zugriff hat.

Frau Kemfert, wie werden denn die Energiespeicher der Zukunft aussehen? Werden wir alle ein kleines Kraftwerk im Keller haben?

Kemfert Ich glaube, es wird einen Mix aus Speichern geben: Neben großen Pumpspeicherkraftwerken werden Batterien eine wichtige Rolle spielen. Zuletzt wurde vom Elektroautobauer Tesla in Kalifornien ein Batteriespeicher für den Haushalt vorgestellt. Das finde ich interessant, weil es den Markt belebt.

Teyssen Letztlich kommt es auch nicht immer darauf an, ob alles wirtschaftlich ist. Manchmal geht es einfach nur darum zu experimentieren, um den Mut zur Veränderung.

Die Gewerkschaft IG BCE will diese Veränderung durch eine Abwrackprämie für alte Heizungen beschleunigen. So will sie auch die drohende Klimaabgabe auf alte Kraftwerke abwenden. Was halten Sie davon?

Teyssen Natürlich muss man sich fragen, wie effizient so ein Instrument ist und welches Ergebnis es bringt. Ich finde es aber gut, dass mehrere Ideen diskutiert werden.

Aktuell diskutiert die Bundesregierung eine Atomstiftung, die den Rückbau der Meiler übernimmt. Herr Remmel, die Landesumweltminister fordern dies. Warum?

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Remmel Uns beunruhigt, dass es Hinweise aus der Energiebranche gibt, dass man die Ewigkeitslasten der Atomenergie möglicherweise nicht finanzieren kann. Darum haben wir die Bundesregierung aufgefordert, sich das Problem anzuschauen. Wir müssen aufpassen, dass nicht die Allgemeinheit die Kosten der Atommüllentsorgung tragen muss.

Wie soll die Stiftung funktionieren?

Remmel Ein Modell wie bei der Steinkohlestiftung RAG bedeutet, dass die Unternehmen werthaltige Teile in die Stiftung geben, die danach helfen, die Kosten zu finanzieren. Das wäre ein sinnvolles Modell, weil wir aktuell nur schwer nachvollziehen können, wo sich die Rückstellungen tatsächlich befinden.

Teyssen Den Vorwurf mangelnder Transparenz bei den Rückstellungen weise ich zurück. Wir werden bei der Anfangsbilanz von unserer Abspaltung Uniper zeigen, wie hoch die Rückstellungen sind, was wir damit finanzieren, und dass das Unternehmen solide finanziert ist.

Reichen die Rückstellungen aus?

Teyssen Ja. Jahrelang wurde uns sogar vorgehalten, die Rückstellungen seien so hoch, dass es schon fast nach Steuerhinterziehung aussieht. Jetzt heißt es, wir hätten nicht genügend zurückgelegt. Fakt ist, dass alle Gutachten bestätigen, dass unsere Rückstellungen ausreichen, um nach dem Stand der Technik unseren Aufgaben nachzukommen. Wenn die Bundesregierung nun prüfen lässt, ob dies auch für Krisensituationen gilt, dann beteiligen wir uns und warten das Ergebnis ab.

Kemfert Bei den Rückstellungen scheint Eon tatsächlich besser dazustehen als RWE und Vattenfall. Aber es gibt Studien, die sagen, dass der Rückbau der Atomkraftwerke teurer wird als geplant. Die Gefahr ist groß, dass viele der Konzerne die Kosten nicht tragen können oder wollen.

Remmel Mich macht es nachdenklich, wenn es bereits fast eine Milliarde Euro kostet, um die Brennelementekugeln aus dem Forschungsreaktor aus Jülich zu entsorgen.

Herr Teyssen, haben Sie schon mit Wirtschaftsminister Gabriel über die Atomstiftung gesprochen?

Teyssen (lächelt) Daran kann ich mich nicht erinnern. Aber wenn es Gespräche geben sollte für sinnvolle Lösungen, würden wir uns dem nicht leichtfertig entziehen.

Sie haben Uniper bereits angesprochen. Nach der Aufspaltung von Eon sollen hier Kohle- und Atomkraftwerke, sowie das Russland- und das Brasiliengeschäft gebündelt werden. Wie soll Uniper Geld verdienen?

Teyssen Wenn Uniper nicht dauerhaft gebraucht wird, dann hat Deutschland ein Problem. Denn Uniper wird mit seinen modernen Gas- und Kohlekraftwerken noch lange Zeit konventionellen Strom liefern, den wir für einen stabilen Netzbetrieb brauchen.

Könnte Uniper im Dax der wertvollsten Unternehmen landen?

Teyssen Sicher. Anfangs ist das zwar unwahrscheinlich, weil Eon zunächst noch fast die Mehrheit halten wird. Aber wenn der Streubesitz steigt und das neue Unternehmen sich unter der Führung von Klaus Schäfer gut schlägt, wäre eine solche Entwicklung möglich. Davon würde auch Eon als Aktionär profitieren.

Frau Kemfert, was halten Sie von der Aufspaltung?

Kemfert Das ist ein mutiger Schritt und sollte Schule machen. Es ist konsequent, sich mit einem konventionellen Teil und einem neuen Unternehmen für regenerative Energien aufzustellen, damit sich die Bereiche nicht weiter im Unternehmen kannibalisieren. Bei RWE ist so ein Schritt unwahrscheinlich. Das müssten die Kommunen mitmachen, die aber bei RWE als Gesamtkonzern mitreden wollen.

Welche Fehler hat die Energiebranche gemacht?

Remmel Sie hat zu spät erkannt, dass die Energiewende wirklich kommt. Denn wir bewältigen ja nicht erst seit Fukushima den per Gesetz entschiedenen Atomaustieg, sondern hatten bereits 2002 den ersten Ausstiegskonsens unter der damaligen rot-grünen Bundesregierung. Seitdem hätte viel mehr passieren müssen.

Teyssen Es ist richtig, dass auch wir Fehler gemacht haben. Aber wir haben daraus Konsequenzgen gezogen. Jetzt ist für uns entscheidend, nach vorne zu schauen.

In der kommenden Woche wird der Europäische Gerichtshof darüber entscheiden, ob die Brennelementesteuer rechtmäßig erhoben wird, danach entscheidet das Bundesverfassungsgericht zu dem Streit. Haben Sie noch Hoffnung, die gezahlten 2,3 Milliarden Euro wiederzusehen?

Teyssen Ja. Ich halte die Weiterverfolgung der Brennelementesteuer für politisch in höchstem Maße unseriös. Sie wurde anfangs mit der Begründung eingeführt, dass die Kernkraftwerke länger als festgelegt betrieben werden dürfen und dass man einen Teil dieses Zusatzgewinnes abschöpfen müsse. Nun wurde aber bekanntermaßen die Laufzeit der Anlagen deutlich verkürzt.

Wie bewerten Sie die von Wirtschaftsminister Gabriel geplante Klimaschutzabgabe, die ja besonders die Braunkohle treffen wird?

Teyssen So lange ich einen Restglauben an die Marktwirtschaft habe, werde ich meine Hand für so ein Staatsinstrument nicht reichen.Wir müssen darauf vertrauen, dass die Reform des europäischen CO2-Zertifikatehandels bald greift. Dann gibt es einen großen Schub für den Klimaschutz in Europa.

Remmel Wir wollen als Landesregierung keinen Strukturbruch im Braunkohlerevier, aber es ist schon fragwürdig, dass ausgerechnet einige der schmutzigsten Kraftwerke auf Volllast fahren. Ob die Klimaschutzabgabe nun das richtige Instrument ist, um mehr Klimaschutz zu erreichen, weiß ich nicht. Ich könnte mir auch vorstellen, mit dem Ordnungsrecht höhere Wirkungsgrade der Kraftwerke vorzuschreiben.

REINHARD KOWALEWSKY UND FLORIAN RINKE FASSTEN DIE DEBATTE ZUSAMMEN.

(RP)