Eon-Chef Johannes Teyssen ist offen für eine Atom-Stiftung

Energiegipfel bei der Rheinischen Post : Eon-Chef Teyssen ist offen für eine Atom-Stiftung

Beim Energiegipfel unserer Redaktion diskutierte Eon-Chef Johannes Teyssen mit NRW-Umweltminister Johannes Remmel und Energieexpertin Claudia Kemfert über Energiewende und Atomausstieg. Kemfert äußerte die Sorge, dass sich die Stromkonzerne aus der Verantwortung stehlen. Doch das wollte Teyssen so nicht stehen lassen.

Auf einmal wurde Johannes Teyssens Gedächtnis ganz schlecht: "Daran kann ich mich nicht erinnern", antwortete der Eon-Chef auf die Frage, ob er mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel schon über eine mögliche Atomstiftung gesprochen habe. Doch zugleich betonte er: "Wenn es Gespräche geben sollte für sinnvolle Lösungen, werden wir uns nicht verschließen."

Gemeinsam mit NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) und der Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, diskutierte Teyssen beim Energiegipfel der Rheinischen Post über die Möglichkeit, die Ewigkeitslasten ähnlich wie bei der Steinkohle in eine Stiftung zu überführen, über die Energiewende und über die angekündigte Aufspaltung des eigenen Unternehmens in Eon und Uniper.

Remmel: Atom-Kosten nicht Allgemeinheit aufbürden

Für NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) ist klar, dass die Kosten für die Entsorgung der Atomkraft nicht der Allgemeinheit aufgebürdet werden dürfen. Vielmehr müssten die Energiekonzerne, so wie sie es bereits tun, Vorsorge treffen, um die hohen Kosten dauerhaft tragen zu können. Allein die Entsorgung der Brennelementkugeln aus dem Forschungsreaktor in Jülich koste eine Milliarde Euro, so Remmel, der Sorge hat, dass viele die Kosten unterschätzen, und daher für eine Stiftung plädiert: "Ein Modell wie bei der Steinkohlestiftung RAG bedeutet, dass die Unternehmen auch werthaltige Teile in diese Stiftung geben, die anschließend helfen, die laufenden Kosten zu finanzieren."

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DIW-Expertin Claudia Kemfert würde die Kosten für die Abwicklung der Atomkraft lieber in einem öffentlich-rechtlichen Fonds gebündelt sehen. "Mir wäre es lieber, die Konzerne würden die Abwicklung übernehmen", so Kemfert: "Aber die Gefahr ist groß, dass viele der Konzerne die Kosten nicht tragen können oder wollen." Zuletzt hatte RWE-Chef Peter Terium öffentlich erklärt, dass die Atom-Rückstellungen durch ein Aus der Braunkohle gefährdet seien. Teyssen betonte dagegen, seine Rückstellungen seien sicher und ausreichend. Im Gegenteil: "Jahrelang wurde uns vielfach vorgehalten, die Rückstellungen seien so hoch, dass es schon fast nach Steuerhinterziehung aussieht."

Reichen die Atom-Rückstellungen der Energiekonzerne nicht aus?

Die Kosten für die Entsorgung und Lagerung der radioaktiven Materialien aus den Atomkraftwerken waren nicht das einzige Thema, bei dem die Experten auf dem Podium kontrovers - aber teilweise auch mit ganz ähnlichen Ansichten - diskutierten. Der Energiewende wollte sich natürlich keiner verschließen, der Eon-Chef verriet sogar, dass er im eigenen Haus auf Smart-Home-Lösungen setze. Damit werden zum Beispiel intelligente Stromzähler, Rollläden, die sich an der Sonne ausrichten und vernetzte Geräte wie Waschmaschinen, die per App gestartet werden können, bezeichnet. "Meine Frau nutzt sehr viel davon", sagte Teyssen.

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Mit Spannung blickt Eon auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs am 4. Juni, der über die Rechtmäßigkeit der Brennelementsteuer entscheidet. "Ich halte die Weiterverfolgung dieser Brennelementesteuer einfach für politisch im höchsten Maße unseriös", sagte Teyssen. Die Steuer sei 2011 eingeführt worden mit der Begründung, einen Teil der Zusatzgewinne aus der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke abzuschöpfen. Nach der Katastrophe von Fukushima ein paar Monate später sei die Laufzeit sogar verkürzt, die Steuer jedoch nicht abgeschafft worden. "Das ist politisch einfach nicht anständig."

Kemfert: Häuser der Zukunft werden Kraftwerk und Energiespeicher sein

Claudia Kemfert rechnet fest damit, dass die Häuser der Zukunft auch immer mehr zu eigenen kleinen Kraftwerken werden - mit eigenem Energiespeicher. Dabei könnten deutsche Unternehmen eine führende Rolle einnehmen. Sie müssten allerdings lernen, gute Ideen in ein Produkt umzusetzen und anschließend auch breit zu vermarkten. "Wir Deutschen sind noch zu schlecht in der Umsetzung wirtschaftlicher Chancen", kritisierte Kemfert: "Es ist schade, dass uns ein Kalifornier zeigen muss, wie man eine Batterie für den Haushalt verkauft, obwohl es bei uns ähnliche technische Produkte gibt." Kemfert spielte damit auf die Ankündigung von Tesla-Gründer Elon Musk an, nach dem Elektroauto auch eine -batterie als Energiespeicher für den Haushalt auf den Markt zu bringen.

Auch Eon-Chef Teyssen warb für mehr Mut zu Innovationen. "Es kommt nicht immer darauf an, dass alles wirtschaftlich ist", so Teyssen: "Manchmal geht es auch nur um den Mut zu experimentieren, den Mut zur Veränderung." So wie vor 30 Jahren noch keiner erahnen konnte, welche Rolle Smartphones und das Internet für die Welt spielen, könne auch heute niemand wissen, wie die Welt in den kommenden Jahrzehnten aussehen werde.

(frin)
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