Hochsprungmeeting der LG Viersen ist ein Eckpfeiler der Leichtathletik-Saison

Viersener Meeting feiert Jubiläum : Hochsprung ohne große Sprünge

Das Internationale Hochsprung-Meeting geht in Viersen am Sonntag bereits zum 25. Mal über die Bühne. Ein Jubiläum, das ein Schlaglicht darauf wirft, wie sehr Leichtathletik-Veranstaltungen ums Überleben kämpfen.

Dass das Internationale Hochsprung-Meeting am Sonntag bereits zum 25. Mal in Viersen über die Bühne geht, ist eigentlich ein triftiger Grund zum Feiern. Doch auf der Sportanlage an der Löh sind mit Blick auf das Jubiläum keine Besonderheiten vorgesehen. „Darauf haben wir ganz bewusst verzichtet. Wir wollten unser Budget nur in die Qualität der Athleten stecken“, sagt Meeting-Direktor Detlev Vieth.

Die Aussage des Mannes, der die Traditionsveranstaltung 1995 bei der LG Viersen zunächst als kleines Nachwuchspringen auf den Weg brachte, macht deutlich, dass das Geld nach wie vor nicht gerade locker sitzt. Trotz des exzellenten Rufs und eines 1999 gegründeten Fördervereins sind auch anlässlich des Jubiläums keine Extravaganzen drin. Ganz im Gegenteil: Jahr für Jahr wird darum gekämpft, das Hochsprung-Meeting mit dem seit 2003 ergänzten Frauenwettbewerb zumindest in gleicher Qualität wie im Vorjahr auf die Beine zu stellen. Vieth will zwar keine Zahlen nennen, doch ein mittlerer fünfstelliger Betrag werde benötigt, so viel lässt er sich entlocken. „Wir haben zwar einige sehr treue Sponsoren, aber bei anderen ist Klinkenputzen angesagt“, betont Vieth.

Eine Mühe, die sich auszahlt, denn Viersen ist zusammen mit der Veranstaltung in Bühl unter den Spezial-Meetings im Freien in der deutschen Leichtathletikszene zu einem Stabilitätsfaktor geworden. Während andere Hochsprung-Veranstaltungen kommen und gehen, ist auf die Viersener Verlass. So verabschiedete sich zum Beispiel im Vorjahr aus wirtschaftlichen Gründen nach der 40. Auflage das Meeting in Eberstadt, das sich dank eines riesigen Budgets und entsprechender Topspringer sogar Weltruhm erarbeitetet hatte. Das Meeting in Sinn hatte zwischenzeitlich pausiert, fand im Juni 2019 aber auch zum 25. Mal statt. Die Veranstaltung in Langen bei Bremerhaven ist schon lange Geschichte, und auch das Meeting an der Kölner Sporthochschule, das seinen Ursprung in der Halle hat, wurde zumindest als Freiluft-Version voriges Jahr eingestellt.

„Ich kann nur den Hut davor ziehen, was ein positiv Verrückter wie Detlef Vieth auf die Beine stellt. Vor dem Hintergrund von Sicherheitskonzepten und Dopingkontrollen wird es immer aufwendiger, solche Veranstaltungen zu organisieren. Und die Dominanz des Fußballs macht es auch nicht einfacher, an Sponsoren zu kommen“, sagt Hochschullehrer Wolfgang Ritzdorf, der hinter dem Meeting in Köln steckt und Hochspringer aus aller Welt an der Sporthochschule trainiert. So ist es auch kein Wunder, dass er zu den Dauergästen in Viersen gehört. „Wir brauchen diese Meetings. Gerade für Athleten an der Schwelle sind sie eine gute Möglichkeit, sich auf internationalem Niveau zu messen“, betont Ritzdorf. So verzichten die von ihm betreuten Springer auch schon mal auf höhere Gagen bei internationalen Stadion-Meetings, um auf kleineren Veranstaltungen zu springen. Am Sonntag kommt er mit dem Mexikaner Edgar Rivera, der 2017 in Viersen schon mal mit 2,28 Metern gewann und im selben Jahr WM-Vierter wurde (2,29).

Die Athleten wissen eben, was sie an Viersen haben. „Die Springer machen untereinander Werbung für unser Meeting“, weiß Detlef Vieth. Schließlich bekommen sie dort auch ihre zugesagten Prämien, wenn sie wegen einer Verletzung mal die Konkurrenz abbrechen müssen. Wie zum Beispiel Deutschlands aktuell bester Springer Mateusz Przybylko, der dafür im vergangenen Jahr eine finanziell lukrativere Startmöglichkeit sausen ließ, nach Viersen kam, dort mit 2,30 Metern siegte und anschließend in Berlin mit 2,35 Metern Europameister wurde.

In diesem Jahr stehen die Weltmeisterschaften im katarischen Doha an. Während Przybylko die Norm von 2,28 Metern mit seiner Saisonbestleistung von 2,30 Metern schon in der Tasche hat, hätte der Hannoveraner Eike Onnen sicher nichts dagegen, wenn er in Viersen sein WM-Ticket lösen könnte. Er ist Dauergast in Viersen und hat auch gute Erinnerungen ans vergangene Jahr, als er sich für die EM qualifizierte. Wenn der 36-Jährige das für die WM wiederholen könnte, würde auf der Sportanlage an der Löh ganz bestimmt wieder Partystimmung herrschen – auch ganz ohne besondere Aktionen zur Jubiläumsauflage.

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