Mehrkampf-Meeting Ratingen 2019: Veranstalter müssen fast ohne Stars auskommen

Wie passt das denn zusammen? : Wegen Fernsehen wenig Stars in Ratingen

Normalerweise zieht es die Top-Athleten aus dem Zehn- und Siebenkampf ins Ratinger Stadion. An diesem Wochenende ist jedoch kein Weltstar am Start. Ein Grund dafür ist ausgerechnet das Fernsehen.

Die Liste ist prominent: Arthur Abele, Rico Freimuth, Carolin Schäfer – sie alle werden fehlen, wenn am Samstag und Sonntag in Ratingen das 23. Mehrkampf-Meeting der Sieben- und Zehnkämpfer ausgetragen wird. Vor allem der verletzungsbedingte Ausfall von „König Arthur“, der im vergangenen Jahr bei der Europameisterschaft in Berlin Gold holte, wiegt schwer, war er doch immer einer der Publikumslieblinge in Ratingen – und ein Garant für gute Leistungen.

So wird das vom heimischen TV Ratingen organisierte Meeting in der erwarteten Gluthitze am Wochenende ohne seine beiden Titelverteidiger eröffnet. In einer Zeit, in der eine der größeren Leichtathletik-Veranstaltungen in Deutschland ohnehin um ihre Bedeutung ringt, ist das Starterfeld bei den Männern und Frauen arg dezimiert. Bei den Männern zählt einzig Kai Kazmirek zur Weltspitze, bei den Siebenkämpferinnen ist nicht eine deutsche Athletin dabei, der zugetraut wird, die WM-Norm von 6300 Punkten zu übertreffen.

„Wir haben großes Pech in diesem Jahr“, sagt Marco Buxmann, Direktor für Veranstaltungen im Deutschen Leichtathletik-Verband. „Arthur Abele hat in Ratingen immer super abgeliefert, lässt die Saison aufgrund einer Verletzung aber komplett ausfallen. Auch Caro Schäfer ist angeschlagen. Und Rico Freimuth kommt nach einem Jahr Pause nicht in den Tritt, auch das ist unerwartet.“

Üblicherweise schaffen es die Organisatoren des Meetings, prominente internationale Mehrkämpfer nach Ratingen zu locken. Im Vorjahr war es Weltmeister Kevin Mayer aus Frankreich, 2016 war Jessica Ennis-Hill aus Großbritannien am Start, die Gold und Silber bei Olympia holte. In diesem Jahr kommt jedoch kein Weltstar nach Ratingen.

Ein Grund dafür ist ausgerechnet das Fernsehen. Ursprünglich war das Meeting für Mitte Juli terminiert – in Hinblick auf die Weltmeisterschaften, die Ende September in Doha beginnen, ein guter Zeitpunkt im Trainings- und Wettkampfkalender der Athleten. Doch dann bot die ARD, nach Jahren der Abstinenz, eine 90-minütige Fernsehzeit für Ende Juni an. Im Juli, so hieß es, seien keine Zeiten frei. „Fernsehzeiten sind ein zu wertvolles Gut für uns“, sagt Buxmann. „Schließlich leben unsere Veranstaltungen von den Sponsoren.“ Also griff der DLV zu und verschob seine Veranstaltung um zwei Wochen nach vorne.

Der Preis dafür ist allerdings hoch. Denn die Pläne der Athleten auf dem Weg nach Doha waren längst erstellt – und so zogen die meisten starken Athleten das ohnehin schon größere Meeting im österreichischen Götzis Ende Mai vor. Dauergast Damian Warner erreichte dort 8711 Punkte – Werte, von denen deutsche Mehrkämpfer aktuell nur träumen. Von den zehn beste Startern in Götzis gehen in Ratingen in Kai Kazmirek und Manuel Eitel gerade einmal zwei an den Start, bei den Frauen ist die siebtplatzierte Nadine Broersen aus den Niederlanden die einzige Athletin, die auch Ratingen im Kalender eingetragen hat.

Dabei ist das Meeting in Ratingen sportlich durchaus bedeutungsvoll. Es gilt nämlich, die Normen für die WM-Qualifikation zu knacken. 8200 Punkte sind es bei den Männern, 6300 sind es bei den Frauen. Bei den Männern gibt es neben den wohl qualifizierten Kai Kazmirek und Niklas Kaul weitere Athleten, die diese Norm knacken können. Bei den Frauen wird es hinter Schäfer eng – es müsste schon ein Wunder geschehen, damit die drei Leverkusenerinnen Mareike Arndt, Anna Maiwald oder Carolin Klein in die Nähe der 6300 Punkte kommen. Seit den Rücktritten von Claudia Rath, Jennifer Oeser und Lili Schwarzkopf zählt einzig Schäfer noch zur Weltklasse.

Zehnkämpfer Arthur Abele mit Felix Hepperle (l.) und Nils Kruse. Foto: dpa/Bernd Thissen

Dennoch macht man sich beim DLV keine Sorgen um die Zukunft des Meetings. „Wir sind gut aufgestellt, werden auch künftig gute Athleten vor Ort haben“, betont Buxmann. „Es kommt halt immer auf den Termin an.“ Über eine kurzfristige Verschiebung aufgrund einer möglichen TV-Präsenz müssen sich die Organisatoren in 2020 immerhin keine Gedanken machen. In dem Jahr ist schließlich Fußball-Europameisterschaft – und da sind alle anderen Sportarten bei den Öffentlich-Rechtlichen ohnehin chancenlos.

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