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Borussia Mönchengladbach: Standard-Tore gehören nun zum Standard-Repertoire

Borussia Mönchengladbach : Standard-Tore gehören nun zum Standard-Repertoire

Lucien Favre und André Schubert legten keinen besonderen Wert auf Standardsituation. Unter dem neuen Trainer Dieter Hecking sieht das anders aus.

Der Standard ist sozusagen der Pokal des Spiels. Er hat erstens seine eigenen Gesetze und zweitens ist es, das hat Borussias Co-Trainer Dirk Bremser, ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet, zuletzt im Gespräch mit unserer Redaktion gesagt, der einfachste oder kürzeste Weg zum Tor.

Lange hat Borussia diesen Weg nicht sonderlich in Betracht gezogen, gewollt oder ungewollt. Lucien Favre war dieser Weg zum Tor zu profan, er bevorzugte das gepflegte Tiki-Taka-Tor aus dem Spiel heraus. Auch Favres Nachfolger André Schubert war eher kein großer Fan des Standard-Tores. Weswegen den Borussen zuweilen ein bisschen etwas Faktenschaffendes fehlte, wenn es spielerisch nicht lief. Dieter Hecking ist nun ein Trainer, der von sich sagt, er sei noch mehr vom alten Schlag, und als solcher weiß er, wie wertvoll der Standard sein kann. Nicht umsonst hat er den Experten Bremser an seiner Seite, der wieder und wieder Standards proben lässt. "Als Profi sollte man in der Lage sein, einen ruhenden Ball richtig zu platzieren. Wenn der Ball richtig kommt, dann ist er auch schwer zu verteidigen", weiß Bremser. Und sagt: "Du kannst bestimmte Abläufe trainieren, du musst aber auch den Gegner überraschen. Es ist viel Kleinarbeit. Letztlich ist es eine Entwicklung."

Die indes hat er offenbar extrem beschleunigt. Denn aus dem Team, das Standards nicht kann, ist eins geworden, das sie aus dem Effeff und sehr variantenreich beherrscht. Sieben der 14 Tore, die Borussia 2017 erzielt hat, resultieren direkt oder indirekt aus Standards (Ecken, Freistöße, Elfmeter). Damit lag das Spiel in Ingolstadt im Trend: Das 1:0 durch Lars Stindl fiel, wenn auch mit der Hand erzielt, nach einer Ecke von Oscar Wendt; das 2:0, mit dem André Hahn alles klarmachte, entsprang einem Konter. Aber: Der "Dosenöffner" war das sechste Standard-Tor in Folge: Das eine beim 1:2 gegen Leipzig, dazu die vier beim 4:2 in Florenz.

Das ist die neue Qualität der Borussen: Sie können nun auch anders, rustikal und humor- und schnörkellos. Abgeklärt könnte man in Summe und eingedenk der stindelschen Handarbeit sagen. Nur so viel dazu, schließlich ist dies keine Moral-, sondern eine Standard-Debatte. Wie immer im Fußball spielt auch bei dieser der Kopf eine wesentliche Rolle: "Das Vertrauen der Spieler wächst, wenn daraus Tore fallen", sagte Bremser. "Es ist schön, dass wir bei Ecken wieder wissen, dass etwas passieren kann", bestätigte Christoph Kramer in Ingolstadt den mentalen Vorteil des Lerneffekts der ersten Hecking-Wochen. Das führt dazu, dass Borussia den einfachsten Weg zum Ziel neu für sich entdeckt hat: Standard-Tore gehören nun zum Standard-Repertoire. Das kann auch Mittwoch im Pokal helfen.

(RP)