Borussia Mönchengladbach: Zum Arzt sind es nur noch ein paar Meter

Neue Nähe zu den Ärzten : Borussia hat dem Rest der Liga jetzt etwas voraus

Im neuen Klubgebäude von Borussia Mönchengladbach sind nun auch die Teamärzte mit neuen Praxen vertreten. Das spart vor allem Zeit und hilft bei der Kommunikation. Nur Bayer 04 Leverkusen hat einen ähnlichen Standard.

Die Fahrten zum Arzt können sich die Gladbacher zukünftig sparen, denn sie können direkt im Borussia-Park behandelt werden. Auf der ersten Etage des neuen Gebäudes auf dem Stadiongelände, „Borussia 8 Grad“, haben die drei Ärzte ärzte eine 600 Quadratmeter große Praxisgemeinschaft eingerichtet. Die Mannschaftsärzte, der Orthopäde Dr. Stefan Hertl und Internist Dr. Heribert Ditzel, sowie die Urologie Dr. med. Kay Peters und Kollegen sind für die Profis nun direkt vor Ort da. Für Untersuchungen müssen Thorgan Hazard und Co. also nicht mehr den Borussia-Park verlassen. Und das ist der größte Vorteil an dieser neuen Vorgehensweise der Gladbacher.

„Das ist fantastisch für den Verein, weil dadurch alle Wege deutlich verkürzt werden – räumlich, aber vor allem in der Kommunikation. Denn die ist in der Medizin äußerst wichtig. Und das persönliche Gespräch ist weitaus wirksamer als ein Telefonat“, sagt Mannschaftsarzt Dr. med. Ralf Doyscher, der gemeinsam mit Dr. Andreas Schlumberger, dem Leiter der medizinischen Abteilung der Borussia, die Konzeption für die Verschmelzung des Klubs mit seinen behandelnden Ärzten gestaltet hat. Durch die unmittelbare Nähe der Mediziner können diese sich zeitnah austauschen, die Spieler auch jederzeit Kontakt zu ihnen aufnehmen. Das macht es für beide Seiten deutlich unkomplizierter, spart zudem eine Menge Zeit. Und die ist im immer schnelllebiger werdenden Fußball kostbar. „Ich glaube, in dem Umfang gibt es das in der Bundesliga kein zweites Mal“, sagt Doyscher. Einzig Bayer 04 Leverkusen hat einen ähnlichen Standard wie den, den die Borussia-Profis nun genießen dürfen.

Über das Foyer des Borussia-Parks gelangt man zu den Praxisräumen, in denen neben den Borussen ausschließlich Privatpatienten versorgt werden. Weil die eigentlichen Räumlichkeiten der Ärzte in der Stadt auch weiterhin bestehen werden, haben sie zusätzliches Personal engagiert. Die Praxis besticht mit einem sehr modernen Design, alles ist auf dem neuesten Stand. Damit sich die Profis bei ihren Untersuchungen und den sehr kurzen Wartezeiten auch wohlfühlen.

Grundsätzlich steht der Profi für die Ärzte immer mehr im Fokus. Weil aufgrund der zunehmenden Anforderungen die Verletzungshäufigkeiten zunehmen. Deswegen müssen die Profis ihren Körper kennen und die Signale, die dieser ihnen sendet, deuten können. „Der Spieler muss auf dem Platz selbst entscheiden, wie er sich verhält, um Verletzungen zu verhindern. Daher müssen wir die Spieler mit ins Boot holen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten“, sagt Schlumberger. So sprechen die Ärzte mit den Profis nicht nur über die Behandlung, sondern schulen die Profis.

Und nicht nur die. Auch die Jugendteams werden umfassend versorgt, es gibt eine zusätzliche Sprechstunde für die Spieler aus dem Fohlenstall. Und die müssen sich in jungen Jahren mit ihrem Körper und seinen Tücken befassen. Denn dies ist bei der immer größer werdenden Belastung eine Grundvoraussetzung dafür, den Alltag als Profifußballer bewältigen zu können. „Wir müssen schon die Jugendlichen schulen. Denn viele Talente scheitern genau an diesen medizinischen Themen. Wir kommunizieren viel mit ihnen, zumindest versuchen wir das. Denn sie müssen auch dazu bereit sein, diese Hilfe anzunehmen“, sagt Doyscher. Doch gerade für Teenager ist der Gang zum Arzt oft ein unangenehmer, das weiß auch der Borussia-Doc: „Dort spricht man über seine Schwächen und Probleme, das fällt einem oft nicht leicht. Daher muss ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient bestehen.“

Bei Borussia sind die Grundlagen dafür spätestens jetzt mehr als gelegt. Von den Praxisräumen aus können die Mediziner auf den Trainings- und Fohlen-Platz blicken, man trifft sich auf den Gängen im Borussia-Park. Ärzte und Profis – das gehört bei den Gladbachern zusammen. Jetzt auch örtlich.

Mehr von RP ONLINE