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Borussia Mönchengladbach: Patrick Herrmann und Tony Jantschke sind Zöglinge des Internats

Fast 550 Pflichtspiele für Gladbach : Jantschke und Herrmann sind Zöglinge des Borussia-Internats

Der Flügelflitzer Patrick Herrmann und Verteidiger Tony Jantschke haben die Entwicklung Borussias seit mehr als zehn Jahren hautnah mitbekommen. Groß geworden sind sie im Internat der Borussia.

Manchmal, wenn er von der Kabine zum Auto geht, schaut sich Patrick Herrmann im Borussia-Park um und staunt. „Es ist Wahnsinn, was sich hier getan hat. Als ich 2008 zu Borussia kam, gab es nur das Stadion und die Trainingsplätze“, erinnert er sich. Er wechselte vom 1. FC Saarbrücken an den Niederrhein und zog ein in das Internat der Borussen. „Es war ein Privileg und sehr speziell, im Stadion hinter der Nordkurve zu wohnen“, gesteht er.

Dort war bis Ende des vergangenen Jahres das Internat untergebracht. Seit Anfang des Jahres jedoch leben die jugendlichen Talente des Klubs wie der Portugiese Famana Quizera im neuen Fohlenstall auf der anderen Seite des Trainingsgeländes. 24 statt zwölf Plätze gibt es jetzt, wie der ganze Klub ist auch das Internat gewachsen. Als ehemaliger Bewohner war Herrmann ein wenig eingebunden in die Planungen, er weiß schließlich, was junge Spieler brauchen. Was geblieben ist: die Internatseltern Birgitt und Wolfgang Lintjens. „Das ist extrem wichtig. Sie wissen genau, wie alles abläuft, es gibt keine Familie, die den Job besser machen kann“, sagt Herrmann. Als die ersten Zimmer fertig waren, hat er sie inspiziert. „Klasse“, findet er, was er gesehen hat.

Zwei Jahre vor Herrmann kam Tony Jantschke vom FV Dresden-Nord an den Niederrhein. Auch er lebte im Borussen-Internat. Beide sind daher quasi die Ur-Borussen im aktuellen Team, beide haben über 200 Bundesligaspiele für Gladbach gemacht. Und sie sind die letzten Verbliebenen der Generation Relegation, die dazu beigetragen hat, dass alles, was es nun gibt im Borussia-Universum, den sportlichen und wirtschaftlichen Fortschritt, möglich wurde.

Jantschke hat am 29. November 2008 sein erstes Bundesliga-Spiel gemacht, er kam nach der Pause für den Israeli Gal Alberman in ein Spiel, das 1:3 gegen Energie Cottbus verloren ging. Auch Herrmanns Bundesliga-Karriere begann mit einer Niederlage, die er als Joker nicht verhindern konnte.

Doch die Geschichte, die er am Rande dieses 1:2 gegen Bochum schrieb, ist legendär: Er kam für Kapitän Filip Daems ins Spiel und hatte, als er auf den Rasen rannte, die Kapitänsbinde in der Hand. Bevor er sie aber dem Adressaten Dante übergeben konnte, bekam er den Ball, flankte, und Fabian Becker, ebenfalls eingewechselt und ein Spross des Borussen-Internats, machte das Tor der Gladbacher.

Jantschke und Herrmann erlebten zu Beginn ihrer Karriere Existenzkampf und dann den explosionsartigen Aufstieg bis in die Champions League. „Es ist viel passiert in der Zeit. Die Relegation, zwei DFB-Pokal-Halbfinals, natürlich die Spiele in der Europa- und Champions-League“, sagt Herrmann. Er war 2012 ein Viertel des „magischen Quadrats“ von „Borussia Barcelona“, zusammen mit Marco Reus, Juan Arango und Mike Hanke. Herrmann und Jantschke bildeten ein Duo auf rechts, Jantschke gehörte zur zeitweise besten Abwehr Europas.

„Es ist toll, ein Teil der jüngeren Borussia-Geschichte zu sein“, sagt Herrmann. Er hat in der ewigen Bundesliga-Einsatzliste der Borussen Männer wie Günter Netzer und Rainer Bonhof überholt. „Es ist eine große Ehre für mich, mit solchen Vereinslegenden genannt zu werden. Ich hoffe, dass in dieser Saison noch der eine oder andere Einsatz dazukommt“, sagt Herrmann, der beim 2:0 auf Schalke sein 233. Bundesligaspiel für Gladbach machte. Der Nächste in der Liste ist Kult-Dribbler Peter Wynhoff mit 240 Spielen, danach kommt Ewald Lienen (244). „Mal sehen, was noch geht“, sagt Herrmann.

Jantschke, der beim 3:0 gegen Fortuna Düsseldorf sein 200. Spiel in der deutschen Eliteklasse machte (jetzt sind es 203), hat sich derweil den Ruf bei den Fans als „Fußballgott“ erarbeitet. Den Titel bekommen die, die ehrliche Arbeit auf dem Platz abliefern, die stets und spürbar mit dem Herzen dabei sind. Er und Herrmann haben zusammen fast 550 Pflichtspiele für Gladbach gemacht, sie sind fraglos Borussen und Anker für die Fans, sie haben die Entwicklung des Klubs seit mehr als zehn Jahren hautnah erlebt und sie auch beeinflusst. Beide sind Konstanten der jüngeren Vereinsgeschichte.

Jantschke, mit 16 gekommen und nun 28 Jahre alt, und Herrmann, der 17 war, als er Borusse wurde, und nun 27 ist, arbeiten nicht nur im Borussia-Park, sie haben auch dort gelebt. Herrmann und Jantschke haben sich wie dieser in der vergangenen Dekade weiterentwickelt. Und sie werden ihren Platz im neun Museum haben. „Ich freue mich auf die Fohlenwelt und bin gespannt, wie ich darin vorkomme“, sagt Herrmann.