Deutsche Darts-Geschichte Clemens erreicht WM-Viertelfinale

London · Mit einem souveränen Erfolg über den Schotten Alan Soutar zieht die deutsche Nummer ins Viertelfinale der Darts-WM ein. Nun wartet im „Ally Pally“ die schwierigste aller Prüfungen.

Gabriel Clemens jubelt.

Gabriel Clemens jubelt.

Foto: dpa/Steven Paston

Gabriel Clemens hat mit einem dominanten Auftritt deutsche Darts-Geschichte geschrieben. Der 39-Jährige erreichte am Freitag in London mit einem 4:1-Sieg über Alan Soutar als erster Deutscher das WM-Viertelfinale und darf nun gegen den walisischen Weltranglistenersten Gerwyn Price antreten. Der „German Giant“, wie Clemens genannt wird, war dem schwachen Schotten ab dem ersten Satz überlegen und bestimmte das Spiel gegen den Außenseiter, der zuvor in Daryl Gurney und Danny Noppert zwei gesetzte Profis aus der WM geworfen hatte.

Der Saarländer Clemens war vor zwei Jahren der erste Deutsche, der bei der WM das Achtelfinale erreicht - und ist nun der erste, der beim mit 2,5 Millionen Pfund (rund 2,82 Millionen Euro) dotierten Turnier im Alexandra Palace in der Runde der letzten Acht steht. Das Duell mit dem bislang makellosen Muskelprotz Price, der zu den großen Favoriten zählt, wartet nun an Neujahr. Für Darts-Deutschland wird es das größte Match der bisherigen Geschichte.

Lautstark angefeuert von mehr als 500 deutschen Fans startete Clemens stark. Direkt die erste Aufnahme brachte die Maximalpunktzahl von 180 Zählern - und erfreute die wie immer bunt verkleideten Anhänger, die „Oh wie ist das schön“ anstimmten. Den ersten Satz holte sich Clemens daraufhin ohne große Probleme.

Die Partie war von vielen Fehlern geprägt und bei weitem nicht so unterhaltsam und hochklassig wie das Drittrundenduell mit Williams, doch Clemens hatte auch diesmal wieder seine starken Momente. Als er beim Stand von 1:1 im dritten Satz über Bullseye ein Finish meisterte, jubelte er ausgelassen in Richtung seiner Box um Freundin Lisa. Der vierte Satz wurde zu einem Krimi, den Clemens nervenstark für sich entschied. Danach war die Partie schnell entschieden.

„Ich habe nie gedacht, dass ich verlieren könnte“, sagte Clemens bei Sport1 und blickte selbstbewusst voraus: „Ich gucke auf mich. Wenn ich wieder die Leistung bringen kann und in den richtigen Momenten da bin, denke ich schon, dass ich Gerwyn Price gefährlich werden kann. Ich hab nichts dagegen, nochmal wiederzukommen.“

Nach drei emotionalen WM-Einzelerfolgen, die sportlich aber in die Kategorie „Pflichtsieg“ fielen, wartet nun die ultimative Prüfung für Clemens. Der frühere Rugby-Profi Price ist in Form und muss die 500 000 Pfund (rund 566 000 Euro) für den Titel holen, um auch am Tag nach dem WM-Endspiel am 3. Januar (21.00 Uhr/Sport1 und DAZN) der Primus der Darts-Welt zu bleiben. Nach seinem 4:1-Sieg über José de Sousa aus Portugal hatte Price gesagt, er wisse gar nicht, wer sein Gegner im Viertelfinale sei. Zuvor hatte der ehemalige Rugby-Spieler Ex-Weltmeister Raymond van Barneveld deutlich mit 4:0 besiegt.

Ebenfalls im Viertelfinale steht Chris Dobey, der bereits den zweiten ehemaligen Weltmeister nach Hause schicken konnte. Nachdem in der dritten Runde der „Flying Scotsman“ Gary Andersen gegen Dobey die Segel streichen musste, bezwang der an Position 22 gesetzte Engländer am Abend seinen Landsmann und 2018er-Champion Rob Cross in einem äußerst hochklassigen Match mit 4:2.

In einem weiteren rein englischen Duell hatte sich zuvor Vizeweltmeister Michael Smith souverän mit 4:1 gegen Joe Cullen durchgesetzt.

Der niederländische Topfavorit Michael van Gerwen nimmt ebenfalls weiter Kurs auf den Titel. „Mighty Mike“ besiegte Landsmann Dirk van Duijvenbode am Freitagabend im Achtelfinale souverän mit 4:1 und kommt damit auch in seinem dritten Spiel weiter ungefährdet durch das wichtigste Turnier der Welt. Im Viertelfinale an Neujahr bekommt es van Gerwen mit dem Engländer Chris Dobey zu tun, der zuvor Ex-Weltmeister Rob Cross überraschend mit 4:2 besiegt hatte.

Van Duijvenbode, der in Anlehnung an seinen Job „Auberginen-König“ genannt wird, war dem starken Scoring von van Gerwen nur selten gewachsen und hatte im Alexandra Palace kaum eine Chance. Der Sieger der Partie van Gerwen gegen Dobey wird es im Halbfinale mit Jonny Clayton (Wales) oder Dimitri van den Bergh aus Belgien zu tun bekommen.

(stja/sid/dpa)
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