Dresdner und Commerzbank: Vollfusion nicht ausgeschlossen

Dresdner und Commerzbank : Vollfusion nicht ausgeschlossen

Frankfurt/Main (AP). Die Commerzbank und die Dresdner Bank wollen im hart umkämpften Bankenmarkt enger zusammenrücken. Die beiden Kreditinstitute bestätigten am Montag Gespräche über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit. Bankkreise schlossen aber auch eine Vollfusion durch einen Aktientausch nicht aus.

Dabei entstünde Deutschlands zweitgrößtes Bankhaus. Nach Informationen aus Bankkreisen trafen sich Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen und der Chef der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, zu Gesprächen am Wochenende.

Laut Mitteilung der beiden Banken befinden sich die Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit in einem frühen Stadium. Angesichts der Größe beider Häuser und der Tragweite des Themas werde sich erst nach sorgfältiger Prüfung zeigen, ob ein tragfähiges Konzept entwickelt werden könne. Dabei seien die Interessen aller zu berücksichtigen. Commerzbank und Dresdner Bank würden sich über den weiteren Verlauf ihres "Gedankenaustauschs" zunächst nicht wieder öffentlich äußern.

Nach Einschätzung von Experten könnte eine Fusion durchaus Sinn machen. Commerzbank und Dresdner Bank weisen nach Einschätzung der WGZ-Bank wenig miteinander konkurrierende Überschneidungen auf. Die Dresdner Bank ist vor allem dank ihrer Tochter Kleinwort Benson, an der die Fusion mit der Deutschen Bank gescheitert war, stark im Investmentbanking. Die Commerzbank ist mit ihrer Tochter comdirect bank sehr gut im Onlinebanking aufgestellt.

Nach Einschätzung von Bankenkreisen hätte eine Fusion zudem den Charme, dass dadurch der Anteil der Cobra Beteiligungsgesellschaft sinken würde. Die Tochter der niederländischen Finanzholding Rebon hatte überraschend 17 Prozent an der Commerzbank übernommen und war damit zum größten Aktionär aufgestiegen. Bei der Hauptversammlung der Commerzbank waren Differenzen zwischen Kohlhaussen und Cobra-Geschäftsführer Hansgeorg Hofmann deutlich geworden.

Hofmann äußerte sich in der "Financial Times Deutschland" skeptisch zu einer möglichen Fusion. Nur wenn sich das Vermögen der Aktionäre mehre, werde Cobra eine Fusion zur zweitgrößten deutschen Bank unterstützen. Sollte der Kurs fallen, müsse Cobra andere Optionen erwägen. Hofmann kritisierte, dass der Großaktionär bisher nicht in die Gespräche einbezogen sei. Zugleich warnte er davor, Cobra könne jede Vereinbarung auf der Hauptversammlung blockieren.

DAG befürchtet massiven Stellenabbau

Zu befürchten steht bei einer Fusion nach Einschätzung des DAG-Vorstandsmitgliedes Gerhard Renner allerdings ein massiver Arbeitsplatzabbau. Da die beiden Banken derzeit im Ausland nicht so stark positioniert seien, wären Kosteneinsparungen nur im Inland möglich. Einen Personalabbau von bis zu 30 Prozent schloss Renner nicht aus, betroffen könnten davon unter anderem die Auftragsabwicklung sowie auch die Mitarbeiter in Filialen sein. Die Masse der Beschäftigten sei immer noch in Filialen beschäftigt. Laut Renner erwägt die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft, die Einberufung von Aufsichtsratsitzungen zu beantragen.

Uwe Foullong von der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen hielt eine Zusammenarbeit bei der Auftragsabwicklung für möglich. Zu befürchten sei in diesem Zusammenhang aber, dass die Banken die Abwicklung auslagerten.

(RPO Archiv)
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