20-Jähriger soll Daten gestohlen haben

Internetkriminalität : 20-Jähriger steckt hinter Datendiebstahl

Schüler handelte aus Ärger über Politiker und Prominente. Seehofer kündigt „neues Frühwarnsystem“ an. 

Im Fall des für Politiker und Prominente folgenreichen Datendiebstahls ist ein 20-Jähriger als Tatverdächtiger ermittelt, mangels Flucht- und Verdunklungsgefahr aber nicht in Untersuchungshaft genommen worden. Sämtliche Zugänge seien dem Mann „aus schulischen Verhältnissen“ entzogen worden, sodass keine weitere Gefahr von ihm persönlich ausgehe, teilte der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, am Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Innenminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin mit. Der Beschuldigte habe gestanden und Reue gezeigt. Hinweise auf weitere Täter oder staatliche Unterstützung - oft wird Russland verdächtigt - gebe es nicht. Allerdings kann nach Seehofers Worten nicht verhindert werden, dass die geklauten und seit Dezember im Internet verbreiteten Informationen, darunter vertrauliche Telefonnummern, Fotos und Namen von Familienmitgliedern, Rechnungen, Ausweise und Chatverläufe, weiter im Umlauf bleiben.

Gegen den 20-Jährigen, der nach dpa-Informationen aus Homberg (Ohm) in Hessen stammt, wird wegen des Verdachts auf Ausspähung von Daten und Hehlerei mit Daten ermittelt. Dies kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Für Heranwachsende gelten mildere Strafen. Als Grund für den massiven Datenmissbrauch gab der Beschuldigte, der noch bei seinen Eltern lebt, „Verärgerung über öffentliche Äußerungen der betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens“ an. Rund 1000 Menschen sind betroffen, 50 von ihnen schwerwiegend.

Seehofer wollte sich nicht zu möglichen politischen Motiven des Mannes äußern, der nur AfD-Politiker von seinen Online-Angriffen verschonte. Münch erklärte, der Verdächtige werde nicht der rechtsextremen Szene zugeordnet, sei aber bereits vor zwei Jahren mit Ausspähen von Daten „aufgefallen“. Der Parteichef der Linken, Bernd Riexinger, sagte unserer Redaktion: „Es muss nachdenklich stimmen, wenn der Mann eine allgemeine Wut auf Politiker hat, aber nicht auf die AfD. Das darf nicht als unpolitische Tat verharmlost werden.“ Seehofer kündigte einen Ausbau des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) an. Es sei ihm zu wenig, dass diese Behörde nur die Regierungsnetze schütze. Er wolle einen „Schutz der Gesellschaft“. Es müsse ein Frühwarnsystem aufgebaut und zugleich die Bevölkerung für Internetsicherheit sensibilisiert werden. Deutschland müsse sich darauf einstellen, dass im Netz auch Einfluss auf die bevorstehende Europawahl und die Landtagswahlen in Bremen und in drei ostdeutschen Bundesländern genommen werden könnte. Seehofer appellierte an die Bürger, sich auch selber bessere Passwörter im Internet zu schützen: „'I love you' ist nicht besonders einfallsreich.“ 

(kd)