Wahl in Russland 2018: Wladimir Putin holt 76,7 Prozent der Stimmen

Wahlen in Russland: Putin feiert deutlichen Sieg

Putin gewinnt Präsidentschaftswahl in Russland - Opposition beklagt Unregelmäßigkeiten

Der russische Staatschef Wladimir Putin hat die Präsidentenwahl mit rund 76,7 Prozent der Wählerstimmen gewonnen. Das teilte die Wahlkommission am Montagmorgen nach der Auszählung von 99 Prozent der Stimmzettel mit.

Damit bleibt der 65-Jährige wie erwartet für sechs weitere Jahre im Amt. Den zweiten Platz erreichte der Kommunist Pawel Grudinin mit 11,8 Prozent, dahinter der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski mit 5,7 Prozent. Für die liberale TV-Journalistin Xenia Sobtschak stimmten 1,7 Prozent, vier weitere Kandidaten erhielten noch weniger. Die Wahlbeteiligung bei der Abstimmung am Sonntag lag bei rund 67 Prozent.

Putin dankte seinen Wählern für seinen deutlichen Sieg. "Ihr seid unsere Mannschaft. Ich bin Mitglied eures Teams und alle, die gewählt haben, sind Teil unseres gemeinsamen Teams", sagte Putin am Sonntagabend bei einem Auftritt in der Nähe des Kremls in Moskau. Das gute Wahlergebnis wertete er als Anerkennung für seine bisherige Politik. "Ich sehe darin Vertrauen und Hoffnung", sagte Putin. "Uns erwartet Erfolg." Nach etwa drei Minuten stimmte er "Russland"-Rufe an und verließ die Bühne.

Sieben Kandidaten neben Putin

In dem Riesenreich mit elf Zeitzonen waren rund 109 Millionen Menschen zur Wahl ihres Staatschefs aufgerufen. Sie konnten neben dem Amtsinhaber Wladimir Putin für sieben weitere Kandidaten stimmen. Nun darf Putin bis 2024 in Moskau weiterregieren. Erstmals durften auch die Bewohner der 2014 annektierten ukrainischen Halbinsel Krim den russischen Präsidenten wählen.

Die Wiederwahl Putins mit einem hohen Ergebnis war erwartet worden, die anderen sieben Kandidaten hatten keine Aussicht auf Erfolg. "Ich bin überzeugt von der Richtigkeit des Programms, das ich dem Land vorschlage", sagte Putin bei seiner Stimmabgabe.

Die Wahl erfolgte unter dem Eindruck des heftigen Konfliktes mit dem Westen nach dem Giftanschlag auf einen russisch-britischen Ex-Agenten in Großbritannien. London wirft Moskau vor, in den Fall verwickelt zu sein. Russland dementiert. In dem Streit haben beide Seiten gegenseitig Diplomaten ausgewiesen. Der Zwist ist der jüngste Tiefpunkt in der schwersten Krise zwischen Russland und dem Westen seit dem Ende des Kalten Krieges; die Beziehungen sind seit der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim stark belastet.

Die Wahl wurde auf den vierten Jahrestag der Annexion am 18. März 2014 gelegt. Der Westen verurteilt die Einverleibung der Schwarzmeerhalbinsel als Bruch des Völkerrechts. Putin zählt sie aber zu seinen größten Erfolgen. Die Annexion hat seine Beliebtheit dauerhaft hoch gehalten und den Nationalstolz vieler Russen beflügelt. Die EU will das Ergebnis auf der Krim nicht anerkennen. Auch die Ukraine protestierte gegen die Abstimmung dort.

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Unter den ersten Putin-Gratulanten aus Deutschland waren die beiden Parteivorsitzenden der AfD. "Wir wünschen ihm viel Erfolg und politische Umsicht für seine nächste Amtsperiode", erklärten Jörg Meuthen und Alexander Gauland am Sonntagabend. Die AfD werde alles daran setzen, dass die Beziehungen zu Moskau sich normalisierten und die Sanktionen gegen Russland abgebaut würden.

Beobachter sprechen von tausenden Manipulationen

Oppositionsnahe Wahlbeobachter berichteten von mehr als 3000 Manipulationsversuchen. Mit Spannung wird die Bewertung der Wahl durch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Montagnachmittag erwartet. Die OSZE hatte rund 600 Beobachter im Einsatz.

Ein riesiger Monitor auf einem Platz mitten in Moskau zeigt erste Ergebnisse der Präsidentenwahl. Foto: afp

Im Internet kursierten Videos von Wählern, die mehrere Stimmzettel gleichzeitig abgeben wollten. Auch wurden Fälle bekannt, in denen Wahlzettel bündelweise in die Urnen gestopft wurden. Zudem seien die Namen einiger Wähler auf mehreren Listen aufgetaucht, hieß es.

Mit Spannung hatten Experten auf die Wahlbeteiligung als Indiz für die Stimmung im Land geblickt. Eine hohe Beteiligung soll die Legitimation von Putins Sieg stärken, so das Kalkül. Der Oppositionelle Alexej Nawalny, der wegen einer umstrittenen Bewährungsstrafe nicht antreten durfte, hatte zu einem Wahlboykott aufgerufen.

Der frühere Geheimdienstler Putin führt Russland seit 18 Jahren. Weil die Verfassung nur zwei Amtszeiten in Folge erlaubt, hatte er sich 2008 nicht zur Wahl gestellt. Bis 2012 war er Regierungschef, während sein Vertrauter Dmitri Medwedew die Geschäfte im Kreml leitete. 2012 tauschte Putin mit Medwedew in einer umstrittenen "Rochade" das Amt und kehrte mit 63,6 Prozent der Stimmen in den Kreml zurück.

Putins Wahl 2012 war von Massenprotesten begleitet worden. Dieses Mal zeichneten sich zunächst keine Demonstrationen ab.

(gaa)