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Tatort „Mann, der lügt“ aus Stuttgart im Check - Möchtegern-Mörder tot, Täter unbekannt

„Tatort“ am Sonntagabend : Möchtegern-Mörder tot, Täter unbekannt

Wie fühlt es sich an, in einem Mordfall verdächtigt zu werden? Im Stuttgart-"Tatort" vom Sonntagabend sollte der Zuschauer genau das erleben. Einiges war gelungen, auch wenn die Aufklärung des Falls verweigert wurde.

Worum ging es? Um den „Mann, der lügt“ – der viel Haargel verbraucht und oft schwindelt.

Worum ging es wirklich? Um einen Familienvater, der befürchtet, dass ein Bekanntwerden seiner Homosexualität seine Existenz zerstört. Um das Ausmaß an Empathie, das der Zuschauer diesem bis dahin unsympathischen Jakob Gregorowicz (Manuel Rubey) entgegenbringt, als das klar wird. Und darum, wie sicher man sich ist, dass Jakobs Frau Katharina hinter dem Mord an Jakobs Liebhaber und dessen Vater steckt.


Was war gelungen? Die Szene, die man zunächst für die Schlusspointe hält: Gregorowicz wollte, dass man ihn für den Täter hält. Das hat er sich offenbar auferlegt als krude Sühne für seine Lebenslüge. Das mag nach psychologischer Hilfe schreien, aber es erklärt elegant sein gesamtes, maximal uncleveres Verhalten, insbesondere den Verzicht auf einen Anwalt.

Was war frech? Just ist man versöhnt mit diesem Film, da hauen die Macher mit Chuzpe Zweierlei per Texttafel raus: Sowohl Jakob als auch seine Frau seien unschuldig – und Gregorowicz nehme sich das Leben. Aus Angst vor dem mysteriösen Drahtzieher des Doppelmords? Und wer zur Hölle soll das sein? Die Aufklärung des Falls wird genüsslich verweigert.