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So gut war der "Tatort: Die goldene Zeit" mit Wotan Wilke Möhring

„Tatort“ im Schnellcheck : St.-Pauli-Land ist abgebrannt

Der „Tatort: Die goldene Zeit“ mit Falke und Grosz ist eine Entzauberung der Hamburger Kiez-Romantik. Schnörkellos, aber gut – bis auf eine Volte zum Schluss.

Worum ging es? Für schlappe 2000 Euro erklärt sich der rumänische Schüler Matei - 13, 14 Jahre alt - bereit, einen der letzten deutschen Bordellbesitzer von St.Pauli zu erstechen. Doch weil er während der Tat unter Drogen steht, vergisst er seine Jacke samt Handy am Tatort. Schlecht für ihn, weil damit auch sein elektronisches Ticket für den Fernbus zurück futsch ist. Gut für alle, die ihn sich schnappen wollen.

Worum ging es wirklich? Um die Dreistigkeit der Menschenhändler und Zuhälter alten und neuen Schlags. Deutsche wie ausländische Gangstergruppen treten offiziell nur als Vermieter von Zimmern auf, in denen sich blutjunge Frauen aus aller Herren Länder unter extremem Preisdruck angeblich selbstständig, freiwillig und mit Freude prostituieren. (Das kommt zwar vor, aber eher in anderen Preislagen.) Die Charaktereigenschaften dieser Drahtzieher und Manager - von Arroganz und Brutalität über Gier und Schleimigkeit bis hin zu Zynismus - werden im Film sehr deutlich. Jegliche Rotlicht-Romantik möge in Frieden ruhen.

Was war besonders gut? Zwei Herzen, schlagen, ach, in der Brust der Ermittler: Die auf Rotlicht allergische Grosz (Franziska Weisz) bremst Kiez-Nostalgiker Falke (Wotan Wilke Möhring) immer wieder gekonnt aus. Ohnehin haben sich die beiden in ihrem siebten gemeinsamen Fall glaubwürdig zusammengerauft.

Toll auch, wie das Fossil „Eisen-Lübke“ (Michael Thomas) um so ziemlich alles ringt. Um seine Selbstachtung, wenn er von den neuen Kiez-Königen mit Essensresten beworfen wird. Aber vor allem um seine Haltung zu Matei (Bogdan Iancu), den er mal erschießen und mal adoptieren will. Das ist zwar wenig überraschend, aber von beiden stark gespielt.

Was war unglaubwürdig? Als Auftraggeberin des Mordes entpuppte sich Carolin Sehling (Deborah Kaufmann), Schwester des Opfers. Ihr Trauma über die Herkunft des Familienvermögens verarbeitet sie mit einer Wohltätigkeitsorganisation. Ihr Vater hatte die Stiftung großzügig finanziert, ihr Bruder dachte nicht daran. Deshalb ließ sie ihn töten. So weit, so naja. Die Affäre mit Puff-Manager Roman Kainz (Roland Bonjour) allerdings war nun wirklich zu viel des Guten.