1. Panorama
  2. Ausland

Noch Dutzende Migranten nach Bootsunglück in der Ägäis vermisst​

Boot gekentert : Noch Dutzende Migranten nach Bootsunglück in der Ägäis vermisst

Sowohl die türkische als auch die griechische Küstenwache sind im Einsatz, um noch Überlebende zu finden. Die Bemühungen des jeweils anderen Landes lassen sie in ihren Verlautbarungen jedoch unerwähnt.

In den rauen Gewässern vor der Insel Karpathos im Südosten Griechenlands haben Rettungskräfte nach dem Sinken eines Boots mit Migranten den zweiten Tag in Folge nach Überlebenden gesucht. Ein Schiff der griechischen Marine sowie drei nahe gelegene Handelsschiffe beteiligten sich am Donnerstag daran. Die Zahl der Vermissten wurde auf 25 bis 45 geschätzt, zunächst waren die griechischen Behörden von 30 bis 50 ausgegangen, jedoch verringerte sich diese Zahl durch einen türkischen Rettungseinsatz.

Das Boot war auf dem Weg von der türkischen Küste bei Antalya nach Italien am Mittwochmorgen etwa 60 Kilometer südöstlich der Insel Karpathos und etwa 70 Kilometer südlich der Insel Rhodos gesunken. Kurz danach waren nach Angaben der griechischen Küstenwache 29 Männer aus Afghanistan, dem Iran und dem Irak gerettet worden. Die Überlebenden gaben an, auf dem Boot hätten sich zwischen 60 und 80 Menschen befunden.

Zwei der Überlebenden waren von einem Hubschrauber aus dem Meer gerettet und nach Karpathos geflogen worden, die 27 übrigen wurden von einem Handelsschiff aufgenommen. Auf Videoaufnahmen, die die griechische Küstenwache veröffentlichte, war zu sehen, wie die Männer von dem Handelsschiff auf ein Boot der Küstenwache umstiegen, das sie zur Insel Kos brachte, wo sie am Mittwochnachmittag eintrafen.

Davon unabhängig meldete die türkische Küstenwache am Mittwoch, sie habe fünf Menschen gerettet, nachdem ein Boot südlich von Rhodos gesunken sei. Sie erklärte, die türkischen Behörden hätten ein Handelsschiff in das Gebiet geschickt, das 27 Überlebende aufgenommen habe. Die griechische und die türkische Küstenwache erwähnten die Rettungsbemühungen des jeweils anderen Landes nicht und die türkische Küstenwache führte nicht aus, wohin die 27 Menschen gebracht wurden, es handelte sich jedoch wahrscheinlich um dieselben 27 Menschen, die laut der griechischen Küstenwache an Bord eines Handelsschiffes nach Kos gebracht wurden.

Die griechischen Behörden erklärten, das Boot sei in internationalen Gewässern gesunken, jedoch innerhalb der griechischen Verantwortlichkeit für Such- und Rettungseinsätze. Die türkische Küstenwache gab an, ihrerseits im eigenen Gebiet für Such- und Rettungseinsätze nach Überlebenden zu suchen.

Es war zunächst unklar, warum das Boot unterging. Die Wetterbedingungen zum Zeitpunkt des Unglücks waren jedoch rau, mit starken Winden und unruhiger See. Karpathos liegt in der Ägäis zwischen Rhodos und Kreta. Die meisten Asylsuchenden aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika nutzen die Route von der Türkei zu den griechischen Inseln. Seit die griechischen Behörden ihre Patrouillen verstärkt haben, versuchen viele jedoch, direkt nach Italien zu gelangen.

(dpa)