Türkische Polizei greift durch: Mit Wasserwerfern gegen Umweltschützer

Türkische Polizei greift durch: Mit Wasserwerfern gegen Umweltschützer

Einmal mehr muss sich die türkische Polizei Vorwürfen stellen, sie gehe mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Demonstranten vor. Diesmal trifft es Umweltschützer, die das Abholzen von Bäumen in einem Park in Istanbul verhindern wollen.

Mit Tränengas und Wasserwerfern hat die türkische Polizei am Freitagmorgen eine friedliche Protestaktion von Umweltschützern im Zentrum von Istanbul aufgelöst. Die Aktivisten wollten mit einem Sitzstreik im Gezi-Park am Taksim-Platz das Abholzen von Bäumen verhindern. Mindestens zwölf Demonstranten wurden verletzt, 13 wurden festgenommen.

Auch in der Hauptstadt Ankara gingen anschließend Hunderte Menschen aus Solidarität mit den Aktivisten in Istanbul auf die Straße und skandierten Parolen gegen die Regierung. Ein Gericht in Istanbul verfügte nach den Protesten einen vorläufigen Stopp der Bauarbeiten auf dem Taksim-Platz, der neu gestaltet werden soll.

Die Protestierenden hatten seit Tagen friedlich am Taksim-Platz ausgeharrt und verlangt, dass der Gezi-Park am Nordende des Platzes bei den Arbeiten geschützt werden müsse. Am vierten Tag des Protests löste die Polizei die Kundgebung schließlich gewaltsam auf und ging mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die aufgebrachte Menge vor.

Mehrere Menschen wurden verletzt, als sie auf der Flucht vor der Polizei auf eine Mauer kletterten und diese einstürzte. Ein prominenter Journalist wurde von einem Tränengaskanister am Kopf getroffen, zwei Oppositionsabgeordnete und mehrere weitere Demonstranten wurden in einem Krankenhaus behandelt, nachdem sie Tränengas eingeatmet hatten, wie die Nachrichtenagentur Dogan berichtete.

In Luxushotel geflüchtet

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Die Medienrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen teilte am Freitag mit, der verletzte Journalist, Ahmet Sik, und andere seien absichtlich von der Polizei angegriffen worden. Die Gruppe rief die türkischen Behörden dazu auf, die exzessive Anwendung von Gewalt zu unterlassen. Auch Amnesty International verurteilte die Polizeigewalt und forderte eine strafrechtliche Verfolgung einiger der Polizisten.

Innenminister Muammer Güler kündigte eine Untersuchung der Vorwürfe an. Gleichzeitig betonte er aber, die Polizei habe nur ihre Pflicht getan und eine illegale Besetzung des Parks beendet.

Menschenrechtsaktivisten haben der türkischen Polizei wiederholt vorgeworfen, unverhältnismäßige Gewalt gegen Proteste anzuwenden. Häufig werden Tränengas und Pfefferspray eingesetzt.

Einige der Demonstranten suchten nach dem Tränengaseinsatz Zuflucht in einem Luxushotel und wurden dort von Gästen versorgt. Andere warfen Steine auf die Autos der Polizisten, die Zelte und andere Habseligkeiten der Aktivisten entfernten und Absperrungen rund um den Park aufstellten.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan lehnte die Forderungen der Demonstranten ab. Die Arbeiten am Taksim-Platz würden fortgeführt, "egal, was sie tun". Der türkische Minister für Forstwirtschaft betonte, dass im Gezi-Park mehr neue Bäume gepflanzt, als nun abgeholzt werden würden.

(ap/csr)
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