Xanten: Du spinnst doch!

Xanten: Du spinnst doch!

Spinnenforscher Stephan Loksa war gestern Morgen an der Viktor-Grundschule zu Gast und erklärte dort den 90 Kindern des Offenen Ganztages die Welt der Spinnen.

Manchmal ist es gut, auch im fortgeschrittenen Alter noch mal die Grundschulbank zu drücken. So wie gestern, als mit Stephan Loksa ein Spinnenforscher in der Viktor-Grundschule war und 90 Kindern des Offenen Ganztages anschaulich erklärte, warum es keinen Grund gibt, Spinnen eklig zu finden oder gar Angst vor den Tieren mit acht Beinen und zwei Körpern zu haben. Und seit gestern wissen auch die Zuhörerinnen älteren Semesters, dass die klitzekleine Babyspinne, die am weißen Faden hängt und damit im Herbst vom Wind weggeblasen wird, schuld ist, dass der Altweibersommer so heißt, wie er heißt. Der Faden sieht aus wie das Haar einer alten Dame.

Absolut spannend erklärte Loksa, Arachnologe und freier Mitarbeiter des Düsseldorfer Aquazoos, den Mädchen und Jungen des Offenen Ganztages in kleineren Gruppen die Welt der Spinnen. Und er hat Anschauungsobjekte mitgebracht: Die Zitterspinne, die in ihrem Netz sitzt und wartet, dass sich eine Mücke drin verheddert; die Spinne, die Eier in einen Beutel legt, aus der Babys schlüpfen; die Kreuzspinne, die ein Seil macht, an dem sie hängen kann; die Hausfrauen-Schreckspinne, die er an der Wand hochklettern lässt und mit einem Glas wieder einfängt, das er langsam drüber stülpt, bevor er sie mit einem Stück Papier ins Glas schiebt; die Wolfsspinne, die am Boden lebt, aus Südeuropa kommt, auch Tarantel genannt wird, einen gelb-schwarzen Rücken hat, unglaublich schnell ist - und clever: "Wenn Gefahr durch andere Tiere droht, dreht sie sich einfach auf den Rücken und sieht aus wie eine Biene. Und die Feinde fallen drauf rein und lassen sie in Ruhe."

Seit 20 Jahren ist der gebürtige Ungar in Schulen und Kindergärten unterwegs, bringt in einer Box in Kunstharz gegossene Exemplare dieser Gattung, aber auch lebendige Krabbler mit. Wie viele Beine eine Spinne denn wohl habe, will er wissen. "Acht. Und zwei Körper", kommt es wie aus der Pistole geschossen von einem Jungen. Die Beine sitzen alle am Vorderkörper, der hart ist wie ein Panzer, und schützen die Spinne vor Feinden am Boden. Denn die erwischen beim Angriff nur das Bein - und das wächst bei der nächsten Häutung nach.

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Spinnen fressen hauptsächlich Insekten, die Frau ist bei der Gattung deutlich größer als der Mann, dafür hat er die längeren Beine. Die Springspinne zum Beispiel, "die ist einen Zentimeter lang und kann 20 Zentimeter weit springen", sagt Dr. Loksa, holt ein Exemplar davon aus einem Glas - und Jared bringt seine Beine in Sicherheit, zieht sie auf die Sitzfläche hoch. "Wenn ich eine Springspinne wäre, könnte ich 40 Meter weit springen bis über den Schulhof" - das mag sich Jared nun aber gar nicht mehr anhören, springt hinter seinen Stuhl und verlässt das Klassenzimmer.

Und dann holt Loksa Klara, die Rotknie-Vogelspinne, acht Jahre alt. Vogelspinnen, so erzählt er, kommen aus Mexiko und können 20 Jahre alt werden. "Aber nur die Weibchen. Die Männchen erreichen höchstens sechs Jahre und haben in ihrem Spinnen-Leben nur eine Aufgabe, wenn sie erwachsen sind: sich paaren und fortpflanzen." Wer sie denn mal in die Hand nehmen möchte, fragt der Spinnenforscher. Dennis (8) will, lässt sie sich auch auf den Kopf setzen, die anderen Kinder machen es ihm nach. Logan zum Beispiel. Und wahrscheinlich hat das ein oder andere Kind von der großen Vogelspinne noch nachts geträumt.

Heute fahren OGS-Leiterin Maria Egging und die anderen erzieherischen Fachkräfte des Offenen Ganztages mit 95 Kindern in zwei Bussen zum Pippolino in Duisburg, ein Indoor-Spielplatz in zwei großen Hallen.

(RP)
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