Kreis: Dem Rettungsdienst droht Personalnot

Kreis: Dem Rettungsdienst droht Personalnot

Im Kreis Wesel braucht es dringend Notfallsanitäter. Weil die Planung beim Kreis verzögert ist, bildet kaum einer aus.

Wesel Auch wenn aktuell noch alles weitgehend rund läuft: Das Rettungsdienstwesen im Kreis Wesel droht aufgrund verzögerter Planungen zunehmend in Gefahr zu geraten. Darauf macht der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aufmerksam. Denn wegen ungesicherter Finanzierung würden viele Träger derzeit keine Notfallsanitäter ausbilden.

"Der Kreis muss dringend den Rettungsdienstbedarfsplan anpassen", sagt Jan Höpfner, neuer Vorsitzender des DRK. Erst dann könnten Verbände wie das DRK mit Personalplanung reagieren. "Es gibt keine Ausbildungsplätze, so lange die Finanzierung nicht gesichert ist." Notfallsanitäter würden aber schnell gebraucht. "Es gibt eine massive Dringlichkeit, damit es mittelfristig nicht zu personellen Engpässen kommt."

Höpfner stellt aber klar, dass ihn die Sorge antreibe, und es nicht darum gehe, Versäumnisse anzumahnen oder den Prozess zur Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplans zu kritisieren. Auch das DRK, so Höpfner weiter, erfülle zur Zeit seine Aufgaben zu 100 Prozent.

Zum Hintergrund: Der Rettungsdienstbedarfsplan regelt, wie viele Rettungswagen an welcher Stelle vorgehalten werden müssen und wie viel Personal nötig ist. Es gibt feste Dienstpläne, wann wer und wo im Kreisgebiet zuständig ist. Der Kreis Wesel ist Träger des Rettungsdienstes. Der letzte verabschiedete Plan im Kreis Wesel datiert aus dem Jahr 2010. Eigentlich soll er alle fünf Jahre angepasst werden. Ein neuer grundsätzlicher Plan liegt nun beim Gutachter. Viele andere umliegende Kreise haben ihren Plan bereits aktualisiert. Im Nachbarkreis Kleve sei auf dieser Basis festgestellt worden, dass 45 weitere Notfallsanitäter gebraucht werden, so das DRK.

Seit dem letzten Rettungsdienstbedarfsplan habe sich das Anrufaufkommen auch im Kreis Wesel vervielfacht, sagt Norbert Pötters, Geschäftsführer des DRK. Viele Bürger würden im Notfall schneller den Rettungsdienst rufen, statt den Arzt aufzusuchen. Dies gelte weniger für ältere Bewohner als vielmehr für die mittlere Generation. Oft werde sogar gesagt, dass man schneller behandelt wird, wenn man per Rettungsdienst in ein Klinikum gebracht wird. "Heute wird viel schneller die 112 gewählt, anstatt beim kassenärztlichen Notdienst zu warten." Das führt zu vermehrtem Einsatzaufkommen und mehr Rettungsfahrten - auch die Kliniken sind deshalb schneller ausgelastet, was sich wiederum auf die Rettungsfahrten auswirkt.

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"Vor wenigen Tagen mussten wir eine Person aus Kamp-Lintfort ins Krankenhaus bringen. Die ersten Adressen waren belegt, auch in Wesel war kein Platz frei. Wir mussten dann bis Duisburg-Hamborn fahren", sagt Jan Höpfner - eine Konsequenz sei gewesen, dass dieser Rettungswagen lange Zeit für keine weitere Fahrt zur Verfügung gestanden habe. "Wir hängen bei der Infrastruktur in der Luft", sagt auch Norbert Pötters. Das DRK Niederrhein selbst hat 90 Mitarbeiter im Rettungsdienst, acht Rettungswagen und zehn Krankenwagen.

Beim Kreis Wesel ist man sich der Problematik bewusst, verweist auf laufende Planungen.

Zu den Einheiten, die zu Rettungsdiensten alarmiert werden, gehören neben der Feuerwehr unter anderem das DRK, die Johanniter und die Malteser. An verschiedenen Standorten im Kreisgebiet halten sie Rettungswagen vor.

Das Deutsche Rote Kreuz hat auf die Mangelsituation reagiert. Es bildet ab 1. Mai auf eigene Faust, mit eigener Finanzierung, fünf neue Notfallsanitäter aus. "Uns liegt die Ausbildung von Notfallsanitätern am Herzen", erläutert Christian Vorstius, stellvertretender DRK-Vorsitzender. "Damit wir in einigen Jahren mit der notwendigen Anzahl von Notfallsanitätern zum Einsatz kommen können, müssen wir bereits jetzt mit der Ausbildung und Weiterqualifizierung beginnen."

Sechs Rettungswachen sind im Kreis derzeit eingerichtet: Dinslaken, Kamp-Lintfort, Moers, Rheinberg, Wesel und Xanten.

(RP)
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