Stadt Willich: Als Segelrebellin gegen den Krebs

Stadt Willich : Als Segelrebellin gegen den Krebs

Andrea Voß hat sich durch zwei Krebs-Erkrankungen gekämpft. Jetzt wartet eine neue Herausforderung auf sie.

Andrea Voß aus Willich freut sich schon auf den 18. März: Dann steigt sie ins Flugzeug nach Marseille - und wird dort in das erste Team der "Segelrebellen" von Marc Naumann aufgenommen. "Es ist meine erste Auslandsreise - abgesehen von Holland", sagt sie und ist schon ein bisschen aufgeregt.

Richtig los geht es aber erst in Frankreich: Im Hafen von Marseille wartet eine Jacht darauf, dass die "Segelrebellen" sie an ihren Zielhafen überführen. Diese Schiffscrew ist eine Gruppe mit einem besonderen Hintergrund: Die Mitsegler neben Andrea haben ebenfalls alle eine Krebserkrankung überstanden. In Andreas Fall handelte es sich um zwei Erkrankungen an Lymphdrüsen-Krebs in den Jahren 2009 und 2012.

Skipper Marc hat selbst seine Krebs-Erkrankung besiegt, hat danach ein Jura-Studium absolviert und dann dieses gemeinnützige Projekt gestartet. Er bietet damit anderen Krebs-Betroffenen eine Perspektive: "Wer sich durch eine solche Erkrankung und Therapie gekämpft hat, braucht danach oft neue Perspektiven für die Zukunft. Die Reisen gewähren einen neuen Blick auf das eigene Leben", meint er. "Die Segelrebellen kämpfen gegen das Meer und das Wetter, um an ein Ziel zu kommen. Das ist so, als ob man sich durch eine Krankheit kämpfe."

Die Crew aus Segelrebellen und Segelprofis bringt eine Bavaria 49 (Länge 15,40 Meter, Breite 4,46 Meter) von Marseille aus über Montpellier und Barcelona bis nach Mallorca. Dort wird die Firma Kaya Lodge sie dann für Törns mit Insel-Touristen verwenden.

Die "Segelrebellen" arbeiten nach einem in Deutschland noch nicht so weit verbreiteten Konzept: Naumann hat ein "Crowdfunding-Modell" gewählt: Er sucht Menschen, die eigenes Geld in das Projekt investieren - als Gegenleistung können sie zwischen verschiedenen Gegenleistungen auf der Web-Seite www.segelrebellen.com wählen.

Für Andrea hat die Reise noch eine besondere Bedeutung: Sie hätte sie sich nicht leisten können, denn ihre zweimalige Krebs-Erkrankung hat es ihr unmöglich gemacht, weiter in ihrem Beruf im Verkauf zu arbeiten, schildert sie. Sie ist gerade dabei, einen neuen Berufsweg zu starten und studiert in Bochum Logopädie, kämpft aber seit zwei Jahren mit der Deutschen Rentenversicherung, damit diese die Unterstützung für die berufliche Rehabilitation genehmigt.

Daher hatte Naumann ihr vorgeschlagen, für sie ein Segelstipendium einzurichten: einen Spendenaufruf über die Web-Seite und Facebook. Die 34-Jährige hatte ihre Situation ganz offen dargestellt und um Hilfe gebeten. "Das war nicht leicht, so offen um Geld zu bitten", meint sie. Aber das Ergebnis war überwältigend: Innerhalb weniger Stunden hatten Freunde, aber auch wildfremde Menschen, Geld für sie gespendet und ihr so die finanzielle Basis für die Teilnahme gesichert: "Das war unglaublich - die Resonanz war so positiv, und alle haben gesagt, dass sie gern etwas geben, vor allem für jemanden nach so einer Krankheit", berichtet sie. "Dafür bekommt jeder eine Karte, wenn ich angekommen bin!"

Auf ihre Reise blickt Andrea mit Vorfreude, aber auch mit Spannung: Sie ist noch nie gesegelt, aber "beim Segeln werden wir aus der Komfortzone gehen", erwartet sie - schon deswegen, weil das Wetter auch am Mittelmeer um diese Jahreszeit rau sein kann. Außerdem sei sie gespannt, "Leute zu treffen, denen es ging wie mir."

(djm)
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