Stadt Willich: Schüler forschten sich in nächste Runde

Stadt Willich : Schüler forschten sich in nächste Runde

Im Jubiläumsjahr von "Jugend forscht" gingen beim Regionalwettbewerb im Krefelder Seidenweberhaus 405 Teilnehmer an den Start. Die Jury musste 207 Forschungsarbeiten in sieben Fachbereichen bewerten. 74 kamen aus dem Kreis Viersen.

Am Stand von Lena Sophie Reiners, Britta Möllmann und Celine Böttcher blubbert es. Im Erlenmeyerkolben rotiert ein Gemisch aus Speisestärke, Glycerin und destilliertem Wasser. "Wenn man dieses Gemisch trocknet, entsteht ein einigermaßen reißfester und nicht klebender Kunststoff", informiert Britta die Jury des Regionalwettbewerbs "Jugend forscht/Schüler experimentieren", die gerade am Stand der drei Schülerinnen des St. Töniser Michael-Ende-Gymnasiums angekommen ist und neugierig den Versuchaufbau betrachtet.

Wie dieser Bio-Kunststoff aussieht, kann die Zwölfjährige anhand einer Petrischale demonstrieren. In ihr befindet sich nämlich besagte Masse in getrockneter Form. Die drei Gymnasiastinnen haben auch mit zusätzlichen Säuren und Laugen versucht, das Grundgemisch zu optimieren, mussten aber feststellen, dass die Grundmischung die beste ist. "Biokunststoff ist auf der ganzen Linie von Vorteil, da er komplett verrottet", sagt Britta.

Am Nebenstand haben Tom Arit, Kamuran Akbulut und Julian Sadzik, ebenfalls vom St. Töniser Gymnasium, die trendigen Loombänder unter die Lupe genommen. "Wir wollten wissen, ob billige Bänder genauso gut sind wie die teueren Varianten", berichtet Tom. Festgestellt haben die Jungforscher, dass die günstigeren Loombänder Stoffe ausdünsten, wenn sie mit Wärme oder Wasser konfrontiert werden. Sie setzten beide Bänderarten je 80 Grad Wärme aus und ließen sie längere Zeit im Wasser liegen. Ein Anschlussversuch zeigte noch Erstaunlicheres: "Die im Wasser vorhandenen Stoffe lassen Kresse schneller wachsen. Wir haben Kresse unter gleichen Bedingungen mit Leitungswasser und dem Loomwasser gegossen und kamen dann zu dem Ergebnis", informiert Kamuran.

Sie sind nicht die Einzigen, die Interessantes erforscht haben. Das gesamte Krefelder Seidenweberhaus mit dem angrenzenden Theater hat sich in eine große Forscherabteilung verwandelt. 405 Teilnehmer stellen in sieben Kategorien insgesamt 207 Forschungsarbeiten vor. Der seit nunmehr 50 Jahren existierende Wettbewerb erfreut sich größter Beliebtheit, wobei der Regionalwettbewerb in diesem Jahr zum 20. Mal von der Unternehmerschaft Niederrhein ausgerichtet wird. Was die Jury dabei zu sehen bekommt, ist phänomenal, und das gilt für die Altersklasse bis 14 Jahre im Bereich "Schüler experimentieren" als auch für den eigentlichen Bereich "Jugend forscht" der 15 bis 21 Jahre alten Teilnehmer.

Nick Hummel und Yannic Pixberg vom Kempener Luise-von-Duesberg-Gymnasium haben zum Thema effizienter, umweltfreundlicher und nachwachsender Treibstoff geforscht. Sven Trienes vom Thomaeum in Kempen hat sich hingegen mit dem Einfluss von Eisenoxid auf die Brennbarkeit eines Stoffes beschäftigt, und das Team Marvin Weber und Joshua Schälich von der Robert-Schuman-Europaschule in Willich hat den Feinstaub mit seinen einhergehenden Umweltbelastungen unter die Lupe genommen.

Richtig kompliziert wird es bei Paul Benedikt Krämer und Robin Arne Backer. Die Schüler vom Anrather Lise-Meitner-Gymnasium sind tief in die Mathematik und Informatik eingestiegen. "Wir haben ein Programm zur Umwandlung lateinischer Prosatexte in das Hexameter-Versmaß entwickelt", erklärt Robin Arne und lässt die Finger über die Computertastatur fliegen, um das Programm bei der praktischen Arbeit vorzustellen. Eine umfangreiche Arbeit, wobei der Programmierungstext allein 57 Seiten umfasst.

Mehr dem praktischen Leben hat sich Alissa Hekel zugewandt. Die Elfjährige vom Lise-Meitner-Gymnasium hat sich das moderne Melken auf einem Bauernhof angeschaut und untersucht, ob ein Melkroboter effizienter ist als die konventionelle Melkmethode. "Wir haben Bekannte im Sauerland, die mit einem Melkroboter arbeiten, und so bin ich auf die Idee gekommen", verrät die Elfjährige.

Sie hat dabei Erstaunliches festgestellt: Dass der Melkroboter die Arbeitsstunden eines Landwirtes pro Kuh reduziert, war zu erwarten. Aber dass mithilfe moderner Technik pro Kuh und Jahr 1000 Liter mehr Milch gemolken werden können, überraschte Alissa schon. "Ich hoffe, die Jury ist auch begeistert, wenn ich gleich erkläre, wie das Prinzip Melkroboter funktioniert und was ich herausbekommen habe", meint Alissa, der die Aufregung schon anzumerken ist - auch wenn es nicht ihr erster Auftritt bei "Schüler experimentieren" ist.

(tref)
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