Stadt Willich: GBW will wilde Sammler abschrecken

Stadt Willich : GBW will wilde Sammler abschrecken

Wenn die Bürger ihr Sperrgut auf die Straße bringen, ruft das wilde Sammler auf den Plan. Die abgestellten Sachen werden durchwühlt und Wertvolles direkt abtransportiert. Die Gemeinschaftsbetriebe sprechen dabei von Diebstahl.

Kaum hat man das Sperrgut wie den alten Wohnzimmerschrank oder das verrostete Eisengitter an die Straße gestellt, kommen auch die ersten Fahrzeuge mit den Fahrern, die sich bedienen. Eine Tatsache, die seit langem auch für viele Anwohner ein großes Ärgernis darstellt. So wird, wie vorgekommen, das Sperrgut von den Transporteuren zwischengelagert, sortiert und Unverwertbares an bestimmten Sammelstellen, so am Schützenplatz oder Schwimmbad in Alt-Willich, einfach liegen gelassen. Die Stadt versucht, dieses Programm in den Griff zu bekommen.

Es geht um den Sperrmüll, den die Bürger ordnungsgemäß beim Entsorger Gerke zum Abholen angemeldet haben und der oft schon am Tag vor der Abfuhr herausgestellt wird. "Zu dem Zeitpunkt, an dem das Sperrgut an die Straße gestellt wird, geht es in das Eigentum der Stadt Willich über. Also liegt ein Straftatbestand vor, wenn sich Nicht-Autorisierte daran bereichern", sagt Bernd Kuhlen.

Der Leiter der Willicher Gemeinschaftsbetriebe nennt aber noch einen weiteren Aspekt: "Teilweise bekommen wir für die Wertstoffe, die dabei eingesammelt werden, Erlöse. Durch diese Erlöse, die in der Gebührenabrechnung berücksichtigt werden, verringert sich die Müllabfuhrgebühr, die jeder Eigentümer zu zahlen hat. Also wird dem Willicher Bürger dadurch Geld entzogen."

Der Chef des GBW-Eigenbetriebs hat zum Beispiel in Willich-Wekeln selbst beobachtet, wie die Sammler, darunter sogar welche aus Spanien und den Niederlanden, Berge des Eingesammelten nach bestimmten Wertstoffen sortieren und sich dann auf den Weg zu Zwischenhändlern, Flohmärkten oder nach Hause machten. Kuhlen berichtet weiter von Gefährdungen für Anwohner und Kinder, weil die Sperrgutsammler kreuz und quer parken, um schnell aussortieren zu können.

Er beobachtete aber auch Sammler, die sich vor den Abfuhren tagelang an Friedhöfen aufhielten, weil es dort Toiletten oder Wasser gäbe. Teilweise würden die Sammler auch in ihren Autos übernachten und gerade in den Wintermonaten die Motoren auch in der Nähe von Wohngebieten lange laufen lassen.

Die GBW versucht seit etwa zwei Jahren, es für die Sammler unattraktiv zu machen. So seien ihnen die Einsammlungen verboten worden oder sie mussten ihre Ladungen auf dem Baubetriebshof selbst wieder vom Hänger nehmen. Kuhlen erwähnte aber auch, dass es gar nicht so einfach ist, den Beweis zu führen, dass es sich um das Sperrgut handelt, dass gerade irgendwo in Willich abgefahren worden sei. Möglich seien rechtliche Schritte nur, wenn man sie auf "frischer Tat" erwische; Kuhlen: Dann kann man bei der ganzen Ladung quasi von einem Sperrmüll-Diebstahl ausgehen, da ein Eigentumsnachweis nicht geführt werden kann.

Vor Monaten habe man sogar in Willich einen Sperrgut-Einsammler festgestellt, obgleich es keine Abfuhr in Willich gegeben habe, wohl aber in Tönisvorst. Kuhlen: "Das scheint alles bis ins Kleinste organisiert zu sein." In wenigen Fällen sei es zu einer Ordnungswidrigkeitsanzeige gekommen. Aber oft kämen dem Anschein nach die osteuropäischen Sammler aus den ärmlichsten Verhältnissen, dann sei es nicht so einfach, die Forderungen auch durchzusetzen. Häufig kämen diese aus Rumänien, Polen, Bulgarien oder Tschechien. Angetroffen wurden aber auch vor allem Eisen- und Schrottsammler aus den Niederlanden und Spanien.

Bernd Kuhlen will das Problem jetzt in den Griff bekommen. So berichtet er von Gesprächen mit der Polizei und dem Ordnungsamt. Geplant ist folgendes: Die GBW fährt an den Abenden vor oder am Morgen der genehmigten Sperrgutabfuhr mit ihrem eigenen Container-Fahrzeug in die jeweiligen Sammelbezirke und will die fremden Einsammler auf frischer Tat erwischen. Das von ihnen eingesammelte Sperrgut wird dann direkt in das eigene Container-Fahrzeug umgeladen und von den Sammlern und von ihnen wird dann die anteilige Kostenübernahme verlangt. Kuhlen ist davon überzeugt: "Dies könnte viele abschrecken."

(wsc)