Stadt Willich: Offener Ganztag wird immer beliebter

Stadt Willich : Offener Ganztag wird immer beliebter

Immer mehr Willicher Eltern möchten ihr Kind für eine Offen Ganztagsgrundschule anmelden. Deswegen erhöhen Politik und Verwaltung die Gruppenzahl zum Schuljahresbeginn 2015. Auch die Albert-Schweitzer-Schule wird OGS.

Die Stadt Willich erhöht die Zahl der Gruppen in der Offenen Ganztagsgrundschule (OGS) auf 30,5. Diesem Verwaltungsvorschlag stimmten die Mitglieder des Schulausschusses einstimmig zu.

Ab Sommer will die Albert-Schweitzer-Schule - als letzte Willicher Grundschule - eine OGS werden. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Schule verzeichnet mit ihrem derzeitigen Betreuungssystem einen Rückgang der Anmeldezahlen, andererseits verstärkt Nachfragen von Eltern nach längeren Betreuungszeiten. Dazu wird die Anrather Schule als "Ort des gemeinsamen Lernens" vermehrt Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen, und es gibt immer mehr Kinder von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Daher hält die Schule eine Erweiterung der bisherigen Betreuungszeiten für pädagogisch sinnvoll.

Außerdem gibt es einen Anmelde-Überhang für die OGS Willicher Heide - hier soll eine halbe Gruppe ergänzt werden. Als Drittes wird wegen der realen Anmeldezahlen in Schiefbahn eine halbe OGS-Gruppe rechnerisch von der Astrid-Lindgren-Schule an die Hubertusschule verschoben. Bisher galt in Willich die Höchstgrenze von 30 OGS-Gruppen. Für die neue Gruppe gibt es nicht mehr Geld - die Beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger ergänzte die Stellungnahme des Kämmerers um den Hinweis, dass die Mehrkosten im entsprechenden Produkt des Haushaltes zu erwirtschaften seien.

Eine weitere einstimmige Entscheidung der Politik: Die Schulverwaltung soll weitere Kooperationspartner und Angebote für die OGS gewinnen. Dieses Thema sorgte für eine längere Diskussion über Arbeitszeitmodelle und die Frage der Qualifikation der OGS-Mitarbeiter zwischen Vertretern der Verwaltung: Die Gleichstellungsbeauftragte Claudia Philipzen bemängelte, dass die OGS-Mitarbeiterinnen zum Teil in Mini-Jobs arbeiten werden und daher keine Versicherungsbeiträge zahlen. Das bringe Frauen in Altersarmut, sie wolle daher "existenzsichernde Arbeitsverhältnisse".

Susanne Leuchtenberg vom Personalrat forderte, dass die Vielfalt in den OGS "von Fachpersonal begleitet werden muss". Schwerdtfeger sagte, die Stadt betrachte auch die Mitarbeiter als Fachkräfte, die eine 600 Stunden umfassende Fortbildung beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) gemacht haben.

Das unterstrich der Geschäftsbereichsleiter Bernd Hitschler: "Der LVR als Träger der Jugendhilfe macht ein Fortbildungsangebot, das den eigenen Ansprüchen ausreicht. Das können wir abrufen." Außerdem bewerten er und seine Mitarbeiterin Lucia Borghs die Mini-Jobs positiv: Beide hätten in ihrer früheren Position als Leiter des Beschäftigungs- und Leistungszentrum (BLZ) die Erfahrung gemacht, dass ein Mini-Job ein guter Weg für Berufsrückkehrerinnen sei: "Es ist leichter, sich aus der Arbeit für eine neue Arbeit zu bewerben", so Hitschler.

In der OGS gebe es wegen der Arbeitssituation kaum Möglichkeiten für eine Vollbeschäftigung. Philipzen insistierte: Sie nannte die Mini-Jobs eine "Falle" und wollte die 600- Stunden-Qualifizierung nicht als ausreichendes Gegengewicht zur Erzieherinnen-Ausbildung akzeptieren. Schwerdtfeger betonte: "Deswegen streben wir eine Mischung an."

In der Einwohner-Fragestunde wollte Maike Porada (OGS Wekeln) wissen, wie das Verhältnis 50:50 von Erzieherinnen und 600-Stunden-Qualifizierten entstanden sei. Das sei die Mindestanforderung, die im Obleute-Gespräch des Ausschusses formuliert worden sei, so Hitschler. Außerdem solle die OGS-Leiterin in aller Regel eine Erzieherin sein.

Eine gute Nachricht: Die Verwaltung teilte mit, dass das NRW-Schulministerium die Fördersätze für die OGS in diesem Jahr in zwei Schritten anhebt.

(djm)
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