Stadt Willich: Grippewelle hat die Region fest im Griff

Stadt Willich : Grippewelle hat die Region fest im Griff

In Willich und Tönisvorst ist es derzeit wie im ganzen Kreis Viersen: Viele Menschen leiden unter Erkältung oder sogar Grippe. Auch die Arbeitgeber bekommen das zu spüren. Der Krankenstand ist hoch.

"Am vergangenen Montag war hier Land unter, da hatte ich etwa dreimal so viel Patienten wie sonst", sagt Harald Hüsgen, der seit mehr als 20 Jahren praktizierender Arzt in Schiefbahn ist. Und der Obmann der niedergelassenen Willicher Ärzte fügt schmunzelnd hinzu: "Es wäre schön, wenn ich auch mal wieder einen normalen Fußpilz behandeln könnte." Infolge der grassierenden Grippewelle haben die Ärzte auch in den benachbarten Gemeinden und Städten derzeit jede Menge zu tun. Die RP hat sich mal umgehört.

Egal, ob in Schulen, Betrieben oder Verwaltungen, so in Tönisvorst oder Kempen: Nahezu überall ist der Krankheitsstand höher als sonst. "Ich mache das schon seit 23 Jahren, aber so viele Krankmeldungen habe ich noch nie erlebt", sagt Sigrid Kolodziej, die bei der Willicher Stadtverwaltung in der Personalwirtschaft arbeitet. "Es dürften bis zu gefühlten 40 Prozent sein, die krank sind, vor allem in den erzieherischen Berufen", ergänzt die Mitarbeiterin.

Ähnlich besorgniserregend sieht dies bei der Stadt Tönisvorst aus. Pressesprecherin Catharina Perchthaler teilt mit, dass in der Woche vor Karneval etwa 15,6 Prozent der Mitarbeiter krank gewesen seien, in der Woche danach waren es bereits 21,25 Prozent. Und ihr Kommentar am Freitag vergangener Woche: "Allein gestern sind 22 Krankschreibungen abgegeben worden."

Obgleich Harald Hüsgen davon spricht, dass die Mehrzahl seiner erkrankten Patienten eine Viruserkrankung habe, kann nicht immer unterschieden werden, ob es ein Grippevirus oder ein Infekt, also eine Erkältung, ist. "Ein Symptom für eine Virusgrippe ist es, wenn gleich zu Beginn Beschwerden mit Fieber bis zu 40 Grad auftreten", sagt die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Martina Kruß. Die Amtsärztin spricht derzeit bei der Virus-Grippe von einem höheren, aber noch nicht dramatischen Niveau im Kreis Viersen. Insgesamt seien dem Amt im Januar und Februar 48 Virus-Erkrankungen von den Arztpraxen gemeldet worden, im Vorjahr seien es sehr wenige gewesen, aber zu Beginn des Jahres 2013 sogar 97. Martina Kruß relativierte aber, dass es auch eine nicht unerhebliche Dunkelziffer gebe.

Hingegen hat Georg Mergler, Allgemeinmediziner aus St. Hubert, derzeit deutlich mehr Patienten mit einer Erkältungs-Grippe vor sich. Sein Tipp, wie man Husten und Schnupfen am schnellsten bekämpfen kann: Viel trinken und ein paar Tage das Bett hüten.

Die Ansteckungsgefahr besteht etwa eine Woche lang. In den ersten Tagen ist diese am höchsten. "Ansteckungsherde" sind natürlich auch die in diesen Tagen übervollen Wartezimmern der Ärzte. Zumal die Luft einer der Übertragungsträger ist, beispielsweise beim Sprechen sowie durch Husten oder Niesen. Der Erreger könnte auch durch Türklinken oder durch die bei vielen Ärzten ausliegenden Zeitschriften übertragen werden. "Obwohl die meisten meiner Patienten auf Bestellung zu bestimmten Zeiten kommen, lässt sich so etwas bei neuen frisch erkrankten Patienten nicht regeln", meint dazu Harald Hüsgen.

Es gibt aber Ausnahmen: "Uns hat die Grippewelle nicht so erreicht", sagt die Personalchefin der Stadtwerke Kempen, Claudia Seidenstricker. Und auch der Vertriebsleiter der Stadtwerke Willich, Mario Sagner, stellt für seinen Bereich (Marketing & Vertrieb) noch keinen besonderen Anstieg der Erkrankungen fest.

Hier geht es zur Infostrecke: Grippe oder Erkältung - das ist der Unterschied

(wsc)
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