Stadt Willich: Baumaschinen auch im Kleinen ganz groß

Stadt Willich : Baumaschinen auch im Kleinen ganz groß

Im Nutzfahrzeugmuseum im Stahlwerk Becker lockte am Wochenende die zehnte Modell- und Literaturbörse viele Besucher an. Mancher kam von weiter her.

In der Halle 31 im ehemaligen Stahlwerk Becker, in dem einst die britischen Soldaten die Panzer instand setzten, ist eine Menge los. Zum zehnten Mal hat Klaus Rabe in sein Nutzfahrzeugmuseum zur Modell- und Literaturbörse eingeladen. Neben der dazugehörigen Literatur und den Bauanleitungen interessieren alte Lieferwagen, Laster, Straßenschlepper oder Traktoren. Ersatzteile oder Zubehör werden gekauft, vom Miniatur-Kartoffelroder bis zu den Heuballen für den Nachbau winziger Bauernhöfe.

Auch in einem 45 mal 15 Meter großen Zelt-Anbau geben sich die Sammler und Fans der historischen Fahrzeuge die Klinke in die Hand. Viele kennen sich von früheren Ausstellungen. Auch bei Theos Modellbauteam aus Gangelt bekommt der Sammler alles, um die Landmaschinen authentisch in Szene zu setzen, vom Stroh in loser Form bis hin zu gehäckseltem Heu.

Traktoren, Laster und Bauwagen in allen Größen wurden an den Ständen im Nutzfahrzeugmuseum feilgeboten. Foto: Hüskes, Achim (achu)

Georg Schumacher aus Anrath grüßt ihn, obwohl Theo 160 Kilometer entfernt im Westerwald lebt: "Ich bin in der Oldtimerszene bekannt", erklärt auch Hermann Heinz, der rund ein Dutzend Oldtimer-Lkw besitzt. Nun kauft er sich für 60 Euro ein Büssing-Modell. Dafür gibt es zwei Gründe: "Erstens bin ich den früher gefahren, und zweitens ist das ein Auslaufmodell." Die Fahrt nach Willich hat sich also gelohnt - eine Erkenntnis, zu der fast alle der zahlreichen Besucher gekommen sein dürften.

Ein Ehepaar aus Bergisch-Gladbach ist angereist, um seine Traktoren-Sammlung zu vervollständigen. Sie entscheiden sich für einen roten "Profi Gigant" mit Zwillingsbereifung und können den Trecker gleich mitnehmen. Er ist nämlich im Maßstab 1:32. Direkt an einem alten Faun-LKW hat man etwa einen Kubikmeter Sand abgeladen - so können die kleineren oder größeren Besucher auch gleich ferngesteuerte Bagger oder andere Baumaschinen ausprobieren.

Viele Familien sind mit ihren Kindern gekommen. Sie bekommen leuchtende Augen. Auch als sie den großen Stand des Landshuters Josef Brunner entdecken. Er ist mit Recht stolz auf seine überarbeiteten Landmaschinen.

Ernst Bender aus Freudenberg bei Siegen hat sie gleich dutzendweise mitgebracht, die Nutzfahrzeug-Modelle des bekannten Plüschtier-Herstellers Steiff: "Das sind Raritäten aus Holz oder Kunststoff, die ich aufgearbeitet habe", erklärt Bender, der noch keine Börse in Willich ausgelassen hat. Tina Gorschlüter von der Lebenshilfe Gießen ist hingegen zum ersten Mal in den Hallen von Klaus Rabe, auch sie ist begeistert von den Oldtimern. "Ich habe es mal wieder nicht lassen können", sagt Ulrike Verhalen aus Neersen und lacht. Sie hat fünf angemeldete Traktoren in ihrer Garage stehen und trennt sich jetzt unter anderem von Bauernzeitungen aus den 1950er-Jahren.

Ein Industrieller hat einen roten Porsche-Traktor gestiftet. Dieser wird jetzt ein Jahr lang verlost. Wer mindestens fünf Euro für die Lebenshilfe spendet, hat die Chance, diesen im nächsten Jahr zu gewinnen. Im vergangenen Jahr war ein grüner Deutz-Traktor verlost worden: "Er hat rund 58 000 Euro eingespielt, der neue Eigentümer kommt heute aus Bayern und wird ihn sich hier abholen", erklärt Tina Gorschlüter.

Sogar Interessierte aus den Niederlanden und Belgien kamen ins Stahlwerk Becker in Willich, führten wie viele andere auch bei kalten Getränken oder heißer Erbensuppe die obligatorischen "Benzingespräche", nahmen unter anderem jede Menge Literatur oder Montageanleitungen mit nach Hause. Nachgefragt wurde vor allem die "Schlepper Post", die unter anderem Klaus Rabe in seinem Verlag herausgibt - oder Bedienungsanleitungen, so für einen Universal-Schlepper von Deutz aus dem Jahr 1951.

(wsc)
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