Wesel/Xanten: Wagner schafft den Paddel-Weltrekord

Wesel/Xanten: Wagner schafft den Paddel-Weltrekord

Der beinamputierte 36-jährige Extremsportler Matthias Wagner aus Wesel fuhr stehend und knieend - ohne Schlaf - 24 Stunden auf der Xantener Nord- und Südsee.

Gestern hat er es geschafft: Matthias Wagner hat einen Weltrekord im Stand-up-Paddling (SUP) aufgestellt. Der 36-jährige Extremsportler aus Wesel, der sich vor zweieinhalb Jahren nach unzähligen Operationen und ständigen Schmerzen dazu entschlossen hatte, sich das linke Bein bis oberhalb der Kniescheibe amputieren zu lassen, ist 24 Stunden auf der Xantener Süd- und Nordsee gepaddelt. An einem Stück, abwechselnd stehend und knieend, ohne Schlaf.

Sichtlich erschöpft, aber glücklich und erleichtert, wieder festen Boden unter sich zu spüren, kletterte er gestern Mittag um 13.55 Uhr an der Surfschule Beachline in Wardt von seinem Board - und nahm als erstes seine Frau Julia lange in den Arm, die von Anfang an keinen Zweifel hatte: "Er schafft das, definitiv. Weil er sehr willensstark ist", war sie felsenfest überzeugt, als ihr Mann am Samstag um 13 Uhr an der Surfstation von Georg Verfürth lospaddelte.

Auch für Sebastian Steeger aus Marienbaum bedeutete die Aktion einen Weltrekord: Der 37-Jährige, der wochenlang mit Matthias Wagner für dessen Aktion trainiert hat, ist Diabetiker und hat Matthias Wagner auch jetzt 24 Stunden begleitet. "Jetzt erstmal ein Bier, das erste seit zwölf Wochen": Beide, Wagner und Steeger, sind ein ums andere Mal an ihre Grenzen gekommen.

"Hätte ich nicht so gut trainiert, hätte ich das nicht durchgehalten", gibt Wagner zu, als er an Land ist und von allen Seiten zu seinem Rekord beglückwünscht wird. 24 Stunden hatten ihn Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes mit ihrem Boot begleitet; Freunde aus der SUP-Szene fuhren immer mal wieder ein Stück mit auf der Nord- und Südsee.

  • Xanten : Wagner schafft den Paddel-Weltrekord

Gegen 3 Uhr gestern Morgen wurde es nicht nur frisch draußen auf dem Wasser: Da hatte Wagner auch einen kleinen Hänger. "Da bekam er immer wieder Krämpfe, musste sich bis nach Sonnenaufgang auf sein Board setzen", sagt Lutz Berger. Der 58-Jährige ist Surflehrer, ist die ganze Nacht mitgepaddelt, hat den Weltrekordler 24 Stunden begleitet. "Matthias hat sehr viel Biss, er ist ein Kämpfer", zollt er dem Weseler Respekt. Die letzten beiden Stunden sei sein Masseur mitgefahren, "weil die Muskeln im Bein durch zu langes Stehen verhärten und das zu Krämpfen führen kann". Sebastian Steeger bestätigt das aus eigener Erfahrung. "Gegen 7 Uhr haben wir beide Krämpfe gehabt und Kreislaufprobleme. Das war ein ganz haariger Moment für uns, da sind wir an unsere körperlichen Grenzen gekommen".

Aufgeben wäre aber für beide keine Option gewesen. War es auch nicht, als Wagner Samstagabend kurz an Land paddeln musste, um die Beinprothese zu wechseln, weil er Druckstellen am Stumpf hatte. In den ganz kurzen Pausen, die aus medizinischer Sicht notwendig waren, wurde die Zeituhr sofort angehalten; die Zeit musste Wagner dann dranhängen.

"Weil ich es kann. Und weil ich Geld sammeln möchte", so hatte der 36-Jährige seinen erfolgreichen Rekordversuch begründet, von dem ihn "außer Schnee und Hagel nichts abgehalten" hätte. Auf seinem Fastboard hatte er neben Essen und Getränken eine Sammeldose, die er in den drei Häfen schüttelte. Das Geld ist für den Bundesverband für Menschen mit Arm- und Beinamputationen bestimmt, der jeden Sommer ein Camp für Kinder durchführt, die seit ihrer Geburt keine Gliedmaßen haben oder diese durch Krankheiten oder Unfälle verloren haben.

Fürs kommende Jahr hat Matthias Wagner neue Rekorde in Planung: Er will mit Sebastian Steeger den Yukon-River in Nordamerika runterfahren. Und mit einem Fallschirm den Preikestolen in Norwegen runtersegeln. In 14 Tagen kommt Wagner wieder nach Xanten: Dann sind auf der Südsee die Deutschen Meisterschaften im Stand-up-Paddling. Ausrichter ist die Surfabteilung der Ruder- und Tennisgesellschaft Wesel (RTGW).

(RP)
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