Xanten: Beinamputierter Stehpaddler Matthias Wagner aus Wesel will den Weltrekord

24 Stunden über die Xantener Nord- und Südsee: Beinamputierter Stehpaddler aus Wesel will den Weltrekord

24 Stunden Stand-up-Paddeln in Xanten - trotz Beinprothese zum Weltrekord

Der beinamputierte Matthias Wagner aus Wesel will am Wochenende 24 Stunden lang über die Xantener Nord- und Südsee paddeln - stehend. Damit peilt er nicht nur einen Weltrekord an, sondern will auch Spenden für den guten Zweck sammeln.

Lässig steht Matthias Wagner auf seinem Brett, prüft seinen Stand, wackelt ein wenig hin und her. Schließlich folgen einige kräftige Paddelschläge und der 36-Jährige entfernt sich rasch vom Ufer der Surfschule Beachline an der Xantener Südsee. Was so spielend aussieht, war für den Stand-up-Paddler - also Stehpaddler - allerdings nicht ganz einfach zu lernen. Denn der Weseler ist oberschenkelamputiert.

Das hält ihn aber nicht davon ab, am kommenden Wochenende an seine Grenzen zu gehen. Denn von Samstag auf Sonntag möchte er als erster amputierter Mensch 24 Stunden lang Stehpaddeln - und damit einen Weltrekord aufstellen. "Ich habe meinen Versuch bei Guinness World Records angemeldet. Selbst dort ist man sich nicht sicher, ob es überhaupt schon einen Menschen mit zwei echten Beinen gab, der das gemacht hat." Am Samstag um 13 Uhr steigt er an der Surfschule Beachline, die ihn bei seinem Vorhaben unterstützt, auf sein Brett und wird danach einen Tag lang über die Xantener Nord- und Südsee fahren.

Matthias Wagner (l.) zeigt RP-Redakteur Markus Plüm die Grundtechniken des Stand-up-Paddelns. Am kommenden Wochenende will der beinamputierte 36-Jährige einen Weltrekord aufstellen. Foto: arfi

Meniskusriss führte schließlich zur Amputation

Seit nunmehr zweieinhalb Jahren ist Matthias Wagner auf eine Prothese angewiesen. "Ich hatte mir im Alter von 18 Jahren beim Sport den Meniskus abgerissen und bin in den Jahren darauf förmlich kaputt operiert worden." Nahezu 30 Operationen musste er über sich ergehen lassen. Durch die vielen Eingriffe entwickelte sich eine seltene Krankheit, bei der unkontrolliert Narbengewebe wächst. Sämtliche Therapieversuche schlugen fehl, vier Jahre lang war er zu Hause an die Couch gefesselt, konnte sich kaum noch bewegen. "Und weil ich auch die Dosis der Schmerzmittel immer weiter erhöhen musste, habe ich mich dann zur Amputation entschieden."

Tiefenentspannt: Matthias Wagner. Foto: Armin Fischer

Schnell ging es danach bergauf, Wagner konnte wieder am normalen Leben teilhaben. Der gelernte Schweißwerkmeister ist selbstständig tätig und kann sich seine Zeit flexibel einteilen. "Wenn man so krank war, dann weiß man erst das Leben zu schätzen. Ich arbeiten ein bisschen weniger, genieße dafür das Leben und fahre ein langes Wochenende mit Familie und Wohnwagen in den Urlaub."

Stehpaddeln als Herausforderung

Zum Stehpaddeln kam der 36-jährige vor eineinhalb Jahren durch einen Zufall. "Im Urlaub an der Ostsee sagte ein Surflehrer zu mir, dass ich das eh nicht könne. Und wenn jemand das zu mir sagt, dann mach ich's erst recht. Also habe ich mir ein Bord geliehen, bin da drauf und das hat super funktioniert. Letztlich ist es eine Mischung aus Wille, ein bisschen Physik und Mut."

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Seit Ende März nutzt er nun jede freie Minute, um sich auf seinen Rekordversuch vorzubereiten. "Das ist keine allzu lange Vorbereitung, aber ich habe eine ordentliche Grundfitness." 24 Stunden am Stück hat er bislang allerdings noch nicht auf dem Brett gestanden. "Ich habe sehr viel Technik und schließlich Kraft und Kondition trainiert. Außerdem habe ich meine Ernährung umgestellt, um so viele Reserven zu sammeln, dass ich diese 24 Stunden ohne große Probleme schaffe."

Regelmäßige Arztbesuche sind unerlässlich

Auf dem Wasser wird er ständig von zwei Booten des Technischen Hilfswerks begleitet werden, muss außerdem regelmäßig seinen Stumpf von einem Arzt kontrollieren lassen. "Die Zeit, die ich dadurch verliere, hänge ich natürlich hinten dran."

Doch Wagner möchte die 24 Stunden auf dem Brett auch anderweitig nutzen. Denn in den Häfen Xanten, Vynen und Wardt wird gleichzeitig Spenden sammeln. "Es gibt ein Sommercamp für Kinder mit Fehlbildungen oder Amputationen. Das wird vom Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation veranstaltet. Doch das Camp ist sehr kostspielig. Das möchte ich gerne unterstützen und dafür Geld sammeln." 100 Prozent der Erlöse, die am kommenden Wochenende zusammenkommen, sind für den guten Zweck gedacht, verspricht Wagner. "Zudem macht das jeder, der sich hier in irgendeiner Form für den Rekord engagiert, unentgeltlich."

Wagner will kämpfen. Für den Rekord, für sich - aber auch für andere.

(p-m)