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Schermbeck: „Der SVS ist Lebensqualität“

Schermbeck : „Der SVS ist Lebensqualität“

Johannes Brilo steht seit sechs Jahren an der Spitze des SV Schermbeck, der kurz vor seinem großen Jubiläum steht. Der Verein feiert von Samstag, 5. Mai, bis Sonntag, 13. Mai, mit einer Festwoche sein 100-jähriges Bestehen.

RP-Sportredakteur Joachim Schwenk sprach mit dem Vorsitzenden des gut 1700 Mitglieder zählenden Vereins.

Freuen Sie sich auf die Jubiläumsfeiern.

Johannes Brilo Natürlich. Ich glaube, dass wir ein attraktives Programm auf die Beine gestellt haben. Da hat der Festausschuss, der sich über Monate regelmäßig getroffen hat, ganze Arbeit geleistet.

Wie ist der SV Schermbeck im Jubiläumsjahr aufgestellt?

Brilo Sehr gut. Ich habe den Eindruck, dass das Jubiläum den Club mit seinen verschiedenen Sparten noch mehr zusammengeschweißt hat, da alle Abteilungen bei der Vorbereitung Aufgaben hatten. Es ist wichtig für einen Verein wie den SV Schermbeck, dass es keinen Neid unter den Abteilungen gibt und jeder dem anderen alles gönnt.

Was zeichnet den SVS aus?

Brilo Das, was Schermbeck auszeichnet. Der SVS ist Lebensqualität. Wir haben eine hohe Lebensqualität in der Gemeinde, die durch ein reges Vereinsleben geprägt wird. Dafür sorgt auch der SV Schermbeck, der viele junge Leute begeistert und neue Einwohner, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, integriert. Wir sind ein Verein, der sehr innovativ arbeitet. Das haben wir zuletzt bei der Lösung des Hallenbad-Problems bewiesen. Und wir sind sportlich erfolgreich, was heutzutage nicht einfach ist.

Warum?

Brilo Weil auch bei den Geldern für den Sport viel zusammengestrichen wird und den Vereinen immer mehr Aufgaben aufgebürdet werden. Zum Beispiel bei der Pflege des Sportplatzes. Brilo Die Gemeinde hat in den letzten zehn Jahren gut 300 000 Euro gespart, weil der SV Schermbeck den Sportplatz jetzt pflegt. Und nicht nur das. Der SVS hat gut 500 000 Euro in die Anlage investiert. Wir haben einen Kunstrasen gebaut und die Laufbahn, das Flutlicht, die Zäune, die Heizung sowie die sanitären Anlagen erneuert. Und das ist nicht für die erste Fußball-Mannschaft geschehen, wie immer wieder behauptet wird. Davon profitieren die Allgemeinheit und auch die Schulen. Dieses Engagement wird von einem Teil der Politik nicht ausreichend gewürdigt.

Was müsste geschehen?

Brilo Es reicht nicht aus, einzelnen Personen für ihren ehrenamtlichen Einsatz das Bundesverdienstkreuz ans Revers zu stecken, um den Vereinen zu helfen. Wenn wir bürgerliches Engagement ermöglichen wollen, muss der Staat dafür auch Geld in die Hand nehmen. Da muss es von der Politik ein klares Bekenntnis für den Sport geben.

Kann ein Verein unter diesen Bedingungen weitere 100 Jahre bestehen?

Brilo Ich hoffe, dass es in 100 Jahren so engagierte Funktionäre und Trainer gibt, wie der SVS sie derzeit hat. Dann wird der Verein auch sein 200-jähriges Bestehen feiern.

Es wird aber immer schwerer, Mitglieder für ein Ehrenamt zu finden.

Brilo Das liegt auch daran, dass die Verwaltung eines Vereins oder einer Abteilung immer schwieriger wird. Heute muss man sehr professionell und gewissenhaft arbeiten, weil es immer mehr Anforderungen, neue Gesetze oder ein immer komplizierter werdendes Steuerrecht gibt. Ein Verein wie der SV Schermbeck kann deshalb nicht mehr nur ehrenamtlich geführt werden. Wir haben eine Teilzeitkraft eingestellt und werden von einem Steuerberater unterstützt.

Dem Ehrenamt wird es also zu schwergemacht?

Brilo Die Bürokratie ist ein Päcken, das für das Ehrenamt schwer zu tragen ist. Aber wir Deutschen sind halt von der Mentalität so. Die vielen Formalien müssen ja nicht nur negativ sein. Sie sorgen auch dafür, dass es in den Sportvereinen eine gewisse Qualität gibt. Wenn ich mir aber für einen Volkslauf 1000 Genehmigungen für 100 Grundstücke, über die die Strecke führt, holen und dann noch aufpassen muss, dass bei der Veranstaltung ja keine Ameise kaputtgetreten wird, dann erschwert das die Arbeit enorm.