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Wermelskirchen Sinfonieorchester vor dem Neuanfang

Konzert in Wermelskirchen : Sinfonieorchester vor dem Neuanfang

Alfred Karnowka, David Hecker und Sylvia Wimmershoff dirigieren am Sonntag in St. Michael. Die Besucher des Sommerkonzertes hören das musikalische Ergebnis einer Übergangszeit – nach den Sommerferien beginnt der neue Dirigent.

Arbeitsreiche Wochen und Monate liegen hinter den Musikern des Sinfonieorchesters der Musikgemeinde. Im vergangenen Herbst strich Reinhold Feldhaus plötzlich als Dirigent die Segel – es blieb David Hecker als zweiter Dirigent. Über Gründe für die Trennung spricht der Vorstand nicht öffentlich. „Wir mussten uns damals schnell eine Lösung überlegen“, sagt Alfred Karnowka. Und weil dem Sinfonieorchester daran gelegen war, eine stabile und langfristige Lösung zu finden und die Stelle des Dirigenten ordentlich auszuschreiben, musste eine Zwischenlösung her. Damals sprangen Alfred Karnowka, der selbst 20 Jahre das Orchester geleitet hatte, und Sylvia Wimmershoff ein. „Eine ungewöhnliche Situation“, sagt Karnowka.

Hatte sich das Modell der zwei Dirigenten über Jahre und Jahrzehnte bewährt, für Abwechslung, Entlastung und Dynamik gesorgt, war die Situation mit drei musikalischen Leitern an der Spitze neu. „Wir mussten uns ganz genau abstimmen“, sagt Karnowka. Und weil sich immer zwei Dirigenten eine Probe teilten, musste der dritte auf die nächste Woche warten. Beim Weihnachtskonzert – nach wenigen Wochen Probe – zeigten die Musiker aber den ersten Erfolg des Übergangsmodells. „Vieles war mir im Dirigat noch vertraut und hat mir Spaß gemacht“, sagt Karnowka, „aber ich bin nun auch froh, den Stab wieder weitergeben zu können.“

Denn inzwischen hat das Sinfonieorchester das Bewerbungsverfahren abgeschlossen und mit Hamed Garschi einen neuen Dirigenten gefunden. „Das war eine einstimmige Entscheidung des Vorstandes“, sagt Karnowka. Auch die Orchestermitglieder hatten nach den Proben mit den Bewerbern Bewertungsbögen ausgefüllt und so ein Stimmungsbild abgegeben. Garschi steigt nach den Sommerferien nun in die Proben ein – und teilt sich die Aufgabe wie gehabt mit David Hecker. Mit dem Neuanfang kehren Alfred Karnowka und Sylvia Wimmershoff in die Reihen der Orchestermusiker zurück.

Zuvor allerdings sind sie am kommenden Sonntag noch mal auf dem Dirigentenpult im Einsatz: Mit dem Sommerkonzert endet die Übergangszeit für das Sinfonieorchester. Alfred Karnowka erfüllt sich am Sonntag in St. Michael noch einen musikalischen Traum: Er dirigiert das Orchester durch Bachs Chaconne aus der Partita Nr. 2. Dieses Stück, das eigentlich für eine Violine komponiert wurde, begleite ihn schon lange, sagt der Musiker. Nun habe er eine Orchesterfassung gefunden: „Es ist eine große Herausforderungen, so ein Stück zum Klingen zu bringen“, sagt Karnowka.

Aber die Musiker zogen mit und erkannten etwas in dem Stück, das auch der Dirigent gespürt hatte: „Bach hat die Chaconne komponiert in dem Jahr, als seine erste Frau gestorben ist. Die Melodie ist sehr berührend.“ Wer genau hinhört, entdeckt Choräle, Anklänge eines Requiems. Bevor zum Finale des Sommerkonzerts also Bach erklingt, setzt Sylvia Wimmershoff auf eine Ouvertüre von Louis Spohr. David Hecker dirigiert das Klavierkonzert Nr. 2, B-Dur, op. 19 – mit Solistin Yadviga Grom. Dazu gesellt sich der besondere Hall des Kirchenraums von St. Michael und eine große Vorfreude auf den Neuanfang – nach den Sommerferien.