Wermelskirchen: Studie stellt fest: Es muss gebaut werden

Wermelskirchen: Studie stellt fest: Es muss gebaut werden

Besonders durch den Zuzug von Familien aus Köln wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt weiter. Die aktuelle Wohnraumbedarfsanalyse der Sparkassen sieht Chancen für die Kommunen und gibt auch Handlungsempfehlungen.

Verkürzt formuliert lautet das Fazit der Regionalen Wohnraumbedarfsanalyse für den Rheinisch-Bergischen Kreis: Es muss gebaut werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Untersuchung des Instituts "empirica", die die Kreissparkasse Köln und die Stadtsparkasse Wermelskirchen in Auftrag gegeben haben.

Thomas Abraham von "empirica" und sein Team nahmen die Entwicklung von 2001 bis heute unter die Lupe, um eine wissenschaftlich fundierte Prognose bis 2031 zu entwickeln. Um dem Druck auf den Wohnungsmarkt durch die Boomstadt Köln gerecht zu werden, müssten kreisweit 500 Wohneinheiten pro Jahr geschaffen werden - je zur Hälfte aufgeteilt auf Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Wohnhäuser mit Mietwohnungen. "Ausreichendes Bauen ist die Antwort auf den Preisanstieg", sagte Abraham.

Die Studie unterteilt den Kreis in die Teilräume Nord mit Burscheid, Leichlingen, Wermelskirchen, Kürten und Odenthal, Zentrum mit der Kreishauptstadt Bergisch Gladbach sowie Süd mit Rösrath und Overath. "Uns ist bewusst, dass Nord mit 120.000 Einwohnern ein sehr heterogener Raum ist. In Teilräumen suchen Menschen nach Immobilien ungeachtet der kommunalen Grenzen", sagte Abraham. Der Teilraum Nord sei vom Zuzug von Menschen aus Köln am wenigsten stark betroffen, weil die Entfernung zur Domstadt am größten ist. Nichtsdestotrotz sieht Thorsten Thomas, ab 1. Juni stellvertretendes Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Wermelskirchen, große Chancen für den Nordkreis: "Der Markt wird zunehmend enger, davon können wir profitieren." Dazu müsste zügig gehandelt werden. "Dafür bietet die Bedarfsanalyse eine Grundlage. Sie kann sehr gut für das in Erarbeitung befindliche interkommunale Handlungskonzept von Burscheid und Wermelskirchen genutzt werden."

Dass Wohnraumpolitik eine kommunale Aufgabe ist, betonte Landrat Stephan Santelmann. "Die Städte und Gemeinden wissen jetzt, wo sie mit ihren wohnungspolitischen Entscheidungen ansetzen können." Neben dem Zuzug von vor allem Familie aus Köln stellt die Studie ein weitere entscheidende Entwicklung heraus: Die geburtenstarken Jahrgänge der "Babyboomer" (geboren in den 1960er-Jahren) werden älter. "Um den Wohnungsmarkt zu entlasten, muss es attraktiv für diese Menschen sein, ihr Haus zu verlassen. Diese Häuser stehen dann Familien zur Verfügung, seniorengerechte Wohnungen müssen für die Babyboomer im Angebot sein", sagte Abraham.

Als Prognose skizziert "empirica" drei Szenarien: "Unteres Ende" (schrumpfende Einwohnerzahlen), Trend (Zuzug in den Kreis entspricht dem Wanderungssaldo der amtlichen NRW-Prognose bis 2031) sowie "Oberes Ende" (dauerhaft hohe und zunehmende Zahl der Einwohner). Für den Teilraum Nord errechnet die Analyse einen Baulandbedarf bis 2021 von 3,3 Hektar ("Unteres Ende"), 4,3 Hektar ("Trend") und 5,9 Hektar ("Oberes Ende"). Ausgehend vom "Trend"-Szenario sind das 88 Wohneinheiten (demografisch) sowie 66 Wohneinheiten qualitätsbedingt (für Menschen, die ihr Zuhause wechseln wollen, um ihre persönliche Wohnsituation zu verbessern).

www.stadtsparkasse- wermelskirchen.de

(sng)