Solingen: Frank Schmidt fährt in 5. Generation zur Kirmes

Frank Schmidt: Schausteller - ein echt faszinierender Beruf

Pünktlich zum Osterfest am Wochenende beginnt die Saison der Volksfeste. Dann sind die fahrenden Händler und Schausteller unterwegs.

Frank Schmidt ist in fünfter Generation Schausteller und zudem im Schaustellerverband Solingen registriert. Der 53-Jährige spricht im BM-Interview zum Saisonstart der Volksfeste über die heutigen Herausforderungen der Schausteller, warum ihn die Kirmes fasziniert - und ob er selbst noch privat auf Volksfeste geht.

Herr Schmidt, was macht für Sie den besonderen Reiz einer Kirmes aus?

Schmidt Eine Kirmes ist ein enorm abwechslungsreicher Ort. Es ist immer viel los, man kommt viel herum, trifft viele ganz unterschiedliche Menschen an ganz unterschiedlichen Orten. Und auch wenn man immer wieder in die gleichen Städte kommt, ist es doch jedes Mal ein bisschen anders.

Welche Kirmes haben Sie in Ihrer Kindheit besucht?

Schmidt Da ich in der fünften Generation Schausteller bin, war ich schon als kleiner Junge mit dabei und entsprechend viel unterwegs. Im Laufe der Jahre war ich auf allen Volksfesten, die auf unserer Tour lagen. Ich bin schon ganz früh sehr viel herumgekommen.

Was war daran das Schönste für Sie?

Schmidt Mich hat immer schon fasziniert, dass ich viel unterwegs gewesen bin, viele verschiedene Städte gesehen habe und auch immer viel erlebt habe.

Und bei welchem Fahrgeschäft schlägt heute ihr Herz besonders?

Schmidt Ich bin mit mittlerweile 53 Jahren in einem Alter, in dem ich ohnehin schon alles mitgemacht habe. Für große Herausforderungen und Abenteuer bei den Fahrgeschäften bin ich aber mittlerweile einfach auch schon zu alt.

Was sind heute die Herausforderungen eines Schaustellers?

Schmidt Heutzutage haben die Schausteller vor allem mit zwei Faktoren zu tun und zu kämpfen: Zum einen sind das die hohen Betriebskosten, die ja auch erst einmal wieder erwirtschaftet werden müssen. Denn schließlich sind da die nicht nur die Standgebühren zu bezahlen, sondern auch Transportkosten von und zur Kirmes, die Kosten für das Personal, für die Berufsgenossenschaft, Wasser und Strom. Und zum anderen sind die Sicherheitsbestimmungen enorm hoch geworden. Daher muss man damit klarkommen und sich entsprechend ausrichten.

Gibt es ewige Dauerbrenner bei den Fahrgeschäften? Welche sind das?

Schmidt Das sind die Fahrgeschäfte, die es schon früher gab und die auch heute noch auf praktisch jeder Kirmes zu finden sind. Das wären der Autoscooter, den wir ja auch betreiben - dazu haben wir noch ein Kinderkarussell. Außerdem gehören das Riesenrad und die Achterbahn dazu - auch wenn die sich immer wieder verändert und neu erfindet. Dann die Geisterbahn, die auch heute noch Jung und Alt einen wohligen Schrecken einjagt. Nicht zu vergessen ist auch das Kettenkarussell, das besonders bei den jüngeren Jugendlichen beliebt ist.

Stichwort Trends: Gibt es die auf der Kirmes auch? Oder ist es ein eher traditionsverwachsener Beruf?

Schmidt Eigentlich gibt es mittlerweile keine ständig wechselnden Trends mehr. Das Thema "höher, schneller, weiter", nach dem eine ganze Weile verfahren wurde, gibt es heute kaum noch. Das ist praktisch am Ende. Heute kann man sich als Schausteller nur darum kümmern, sein Geschäft vernünftig zu pflegen und auf dem neuesten Stand - bezogen auf Ausstattung und Technik - zu halten.

Wie sieht es denn momentan mit dem Schausteller-Nachwuchs aus? Gibt es den überhaupt?

Schmidt Ja, zum Glück haben wir da keine größeren Probleme: Nachwuchs gibt es zur Genüge. Allerdings darf man nicht vergessen, dass viele vor allem der kleineren Volksfeste leider aussterben und verschwinden. Daher bleibt zu hoffen, dass der Nachwuchs - der ja, wie gesagt, vorhanden und lebendig ist - auch in der Zukunft mit der Kirmes als Beruf überleben kann.

Warum ist Schausteller ein schöner und besonderer Beruf?

Schmidt Es ist ein enorm abwechslungsreicher und fordernder Beruf, das kann man ganz klar so sagen. Man ist in der Saison fast in jeder Woche in einer anderen, neuen Stadt. Alleine das ist schon eine Art Alleinstellungsmerkmal. Dazu ist man aber auch in der schönen Position, den Menschen vor Ort viel Abwechslung vom Alltag und damit auch Freude bringen kann. Das ist schon alles sehr schön und befriedigend.

In welchen Städten finden Sie es besonders schön?

Schmidt Ich habe ein paar Lieblingsstädte, in denen ich immer wieder gerne bin. Dazu gehören die Cranger Kirmes in Herne, die ja eine der größten ist. Sehr schön sind aber auch die Volksfeste in Schwelm, Wermelskirchen, Bocholt und Haan. Aber im Grunde ist doch jede Kirmes auf ihre Weise besonders und schön.

Was macht man als Schausteller eigentlich außerhalb der Kirmes-Saison?

Schmidt Viele Schausteller sind zunächst einmal noch vier bis fünf Wochen auf verschiedenen Weihnachtsmärkten unterwegs - wobei das natürlich nicht die Fahrgeschäfte betrifft. Die kirmesfreie Zeit wird aber selbstverständlich auch für die Instandhaltung und Pflege der Geschäfte genutzt, damit bei Saisonbeginn auch alles wieder in Ordnung ist und genutzt werden kann. Nicht zuletzt machen wir außerhalb der Saison auch einmal ein paar Wochen Urlaub, schließlich ist die Saison nicht zuletzt wegen der vielen Reiserei auch sehr anstrengend. Wir selbst sind im Winter immer mit unserem Stand mit gebrannten Mandeln im Allee-Center in Remscheid präsent. Aber letztlich bringt jeder Schausteller die kirmesfreie Saison auf seine ganz eigene Art und Weise rum.

Welche Kirmes werden Sie als nächstes privat besuchen?

Schmidt Ach, ich selbst gehe heute privat eigentlich gar nicht mehr viel auf Volksfeste. Wenn man jede Woche auf einer anderen Kirmes ist, dann ist der Bedarf naturgemäß durchaus gedeckt. Mir reichen unsere vielen Termine aus, da sehe und erlebe ich genug.

Und auf welcher finden wir Sie als Schausteller?

Schmidt Ja, jetzt geht es ja wieder los. Eine Woche nach Ostern steht das Stadtfest in Langenfeld an, da sind wir dann auch wieder auf jeden Fall mit dabei.

(wow)