Wermelskirchen: Flüchtlingskindern den Start erleichtern

Wermelskirchen: Flüchtlingskindern den Start erleichtern

Die Initiative "Willkommen in Wermelskirchen" hat eine Spielgruppe für Flüchtlingskinder gegründet.

Ava wird im September sechs. Über den langen Weg, den sie gemeinsam mit ihren Eltern vom Iran hinter sich gelegt hat, redet sie nicht. Aber wenn sich Ava in einen Schmetterling verwandelt, wenn sie tanzt und vorsichtig die noch ungewohnten deutschen Worte singt, dann strahlt das Mädchen. Nächstes Jahr kommt Ava in die Schule. Einen Kindergartenplatz gab es für sie in diesem Jahr aber genauso wenig wie für viele andere Kinder - mit Flüchtlingsgeschichte oder ohne.

"Viele Kinder im Vorschulalter, die als Geflüchtete nach Wermelskirchen gekommen sind, haben keinen Kindergartenplatz", sagt Annegret Hachenberg. Und das bedeute: Wenn die Jungen und Mädchen in die Schule kommen, sprechen sie kein Deutsch. Hinzu komme, dass auch ihre Mütter wegen der Betreuung ihrer Kinder keinen Deutschkursus besuchen können. Weil die Ehrenamtlichen der Initiative "Willkommen in Wermelskirchen" den Kindern und ihren Müttern diesen holprigen Start ersparen und ihnen Integration ermöglichen wollten, baten sie bei der Stadt um Unterstützung. "Aber es gibt einfach keine Kindergartenplätze", sagt Annegret Hachenberg. Stattdessen legte das Jugendamt der Initiative Fördermittel nahe, die das Land NRW für Brückenprojekte zur Integration zur Verfügung stelle.

  • Wermelskirchen : Eine Brückenspielgruppe für Flüchtlingskinder

Das griffen die Ehrenamtlichen auf, und schnell bildete sich ein starkes Bündnis, das die "Brückenspielgruppe" auf den Weg brachte. Die Christliche Versammlung in der Schillerstraße stellte Räume zur Verfügung. Zwei Erzieherinnen, die sich gerade in der Familienzeit befanden, erklärten sich bereit, für 14 Stunden in der Woche zurückzukehren. Das Land sagte Fördergelder zu. Weil die Stadt die Trägerschaft nicht übernehmen wollte, sprang das Presbyterium in Hilgen-Neuenhaus ein. Am 15. Januar öffnete die Brückengruppe zum ersten Mal ihre Türen. Seit dem besuchen 13 Kinder dienstags bis freitags von 8 bis 12.30 Uhr die Gruppe, elf stehen auf der Warteliste. Zwei ausgebildete Erzieherinnen und zwei Mitarbeiterinnen engagieren sich in der Gruppe. Eine von ihnen ist selbst geflüchtet, spricht Arabisch und löst so zuweilen das größte Problem: die Sprachbarriere.

"Die Arbeit ist nicht vergleichbar mit der in einer Kita", sagt Gruppenleiterin Heidi Lambeck. Einige der Kinder seien traumatisiert, keiner spreche Deutsch. "Meistens verständigen wir uns mit Händen und Füßen", sagt die Erzieherin. Das klappe in den meisten Fällen auch. "Wenn es ums Trösten oder um Streit geht, kommen wir an unsere Grenzen", ergänzt Kollegin Judith Lederle. Auch die Kommunikation mit den Eltern sei schwierig. "Aber wir wollen unseren Beitrag zur Integration leisten", betonen sie. "Hier kann ich tun, was ich am besten kann", sagt Heidi Lambeck. Und wenn die Kinder basteln, sich im Sitzkreis immer wohler fühlen, wenn sie sich fröhlich mit "Tschüss, meine Lieblich" verabschieden, dann werden sie belohnt für ihren Einsatz. Der endet am 31. Juli. "Wir sind nur eine Notlösung gewesen", sagt Heidi Lambeck, "danach ist dann die Stadt dran, zu übernehmen." Fördergelder seien bis Ende des Jahres genehmigt, Strukturen geschaffen. "Aber die Schaffung von Kindergartenplätzen ist eine Aufgabe der Stadt", sagt Annegret Hachenberg, "das können wir hier nicht übernehmen."

(RP)