Wermelskirchen: Moderner Jugendkreuzweg rückt Jesus in den Alltag

Wermelskirchen: Moderner Jugendkreuzweg rückt Jesus in den Alltag

Der letzte Satz des Matthäus-Evangeliums ist eines der eindringlichsten und aussagekräftigsten Jesus-Zitate überhaupt: "Ich bin bei euch bis ans Ende der Welt." Auf diese moderne Version des Satzes richtete der Ökumenische Jugendkreuzweg, zu dem der Junge Chor MiCaDo in die Katholische Kirche St. Michael einlud, den Fokus. 65 Besucher beschäftigten sich in den eineinhalb Stunden mit der Frage: Was haben die Stationen des Kreuzwegs Jesu und ihre Symbolik mit meinem alltäglichen Leben zu tun?

"Die Veranstaltung ist schwerpunktmäßig von und für Jugendliche organisiert", sagte Patrick Kiesecker. Dennoch freute sich der federführende Organisator über etwa ein Drittel der Besucher, die sichtlich keine Jugendlichen mehr sind. Kiesecker bezog sich mit seinen Worten ebenso auf die Überschrift des diesjährigen Jugendkreuzwegs "#bei mir": "Das Hashtag-Symbol ist auch ein Doppelkreuz. Hashtags spielen eine bedeutende Rolle in der Kommunikation junger Menschen in sozialen Netzwerken. Die Hashtags verteilen Schlagworte, bündeln Links und sagen, worum es jemandem gerade persönlich geht."

Die moderne, zeitgemäße Konzeption des Jugendkreuzweges spiegelten ebenso die Bilder wider, die zu sieben Kreuzwegstationen auf Leinwand erschienen. Schwarz-weiße, kontraststark bearbeitete Fotos zeigten eine farbige Jesus-Figur mit Jeans, T-Shirt und Purpurumhang eingebettet in zeitgenössische Alltagssituationen wie an einer U-Bahn-Station oder am Rande des Geschehens vor einer Sporthalle.

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Lektoren aus der Mitte des Publikums lasen dazugehörige Texte. Ein Beispiel: Jemand steht im Sommer in einer Warteschlange am Eiscafé. Dort steht auch ein "arabisch aussehender" Mann mit dicker, schwarzer Weste. Der Ich-Erzähler fragt sich; "Der wird doch jetzt nicht?" Letztlich stellt der Erzähler aber fest: "Wegen meiner Angst verurteile ich diesen Mann, ohne Genaueres über ihn zu wissen. Er wird genau wie Jesus zu Unrecht verurteilt. Ich will kein Sch....-Kopfkino."

Mit einem Rundgang durch die Kirche vorbei an Ausdrucken der gezeigten Motive weckten die Organisatoren schließlich die Kreativität der Besucher. Patrick Kiesecker: "Wir haben an jeder Station etwas von anderen Menschen und ihren Erfahrungen gehört." Die eigene Auseinandersetzung mit den Situationen konnten die Teilnehmer niederschreiben und mittels einer Kerze und Schale verbrennen - mutig die eigenen Ängste, Nöte und Vorurteile symbolisch vernichten.

(sng)
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