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Wermelskirchen: Bekommt Radtourismus eine Chance?

Wermelskirchen : Bekommt Radtourismus eine Chance?

Die Telegrafenstraße ist für den gegenläufigen Radverkehr geeignet. Das ist der Beschluss des Petitionsausschusses. Wie und wann dies umgesetzt wird, ist offen. Denn ein Verkehrskonzept könnte bis zu zwei Jahre dauern.

Die Wermelskirchener Politiker werden erst einmal in die Weihnachtsferien gehen, ehe sie sich mit der neuen Entwicklung rund um den gegenläufigen Radverkehr beschäftigen werden. Das ergab gestern eine Kurzumfrage in einigen Fraktionen.

Der ADFC hatte sich 2013 nach der Ratsentscheidung, den gegenläufigen Radverkehr auf der Telegrafenstraße zu beenden, an den Petitionsausschuss gewandt. Dieser war sich nach einer Ortsbesichtigung in Wermelskirchen in Abstimmung mit dem Landesverkehrsministerium einig, dass sich die Telegrafenstraße für den gegenläufigen Radverkehr eigne, die Kölner Straße und der Brückenweg aber zu gefährlich sind. Die Ratsmehrheit hingegen war 2013 der Ansicht, dass die abschüssige Kölner Straße, wo vor allem Kinder durch die parkenden Autos von ihren Eltern getrennt werden, und der Brückenweg, der eigentlich als innerstädtische Umgehung konzipiert ist, die unkomplizierte Strecke für Radfahrer sei.

"Wir werden das Schreiben des Bürgermeisters im neuen Jahr mit in die erste Fraktionssitzung nehmen", erklärte gestern Christian Klicki (CDU). Er sehe den gegenläufigen Radverkehr als Teil des Verkehrsentwicklungsplans. "Wir haben ein Gesamtkonzept gefordert. Da muss auch die städtebauliche Entwicklung in der Innenstadt berücksichtigt werden." Dies werde in seiner Fraktion und dann mit den Partnern in der bürgerlichen Verbindung diskutiert. Sein Eindruck ist: Die Menschen hätten sich an den derzeitigen Zustand gewöhnt. "Es scheint ruhig zu sein. Bis auf den ADFC. Wir werden auch die Meinung der Bürger einholen. Für die SPD ist die Sachlage klar: "Wir haben uns immer für den gegenläufigen Radverkehr eingesetzt", sagte Jochen Bilstein. Ob es nun Sinn mache, einzelne Maßnahmen umzusetzen, müsse überlegt werden. "Wir brauchen ein Verkehrskonzept. Vielleicht müssen die Radfahrer zwei Jahre warten, aber wenn es aus einem Guss kommt, könnte die Akzeptanz größer sein."

Wohlwollend zur Kenntnis nimmt die WNKUWG den Beschluss des Petitionsausschusses. "Für uns ist der Satz wichtig: Den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer muss Rechnung getragen werden", sagte gestern Henning Rehse. Seine Fraktion wolle keine Um- und Rückbauten. "Wir haben eine Tempo-20-Zone, an die sich alle halten müssen. Da brauchen wir keine Umbauten oder Schutzstreifen."

Man solle jetzt nicht in Hektik ausbrechen, meinte gestern Oliver Platt (Bürgerforum). Er werde in der ersten Fraktionssitzung das Thema diskutieren, dort werde dann eine Bewertung vorgenommen. "Ich sehe das Thema eines gegenläufigen Radverkehrs als Teil eines Verkehrsentwicklungskonzeptes." Der Bürgermeister könne Vorschläge machen, aber hier dürfe nicht vergessen werden, dass nicht nur für die Radfahrer entschieden werden, sondern für Wermelskirchener. "Es gibt eben verschiedenste Interessen. Wir haben einen gut angenommenen Einzelhandel. Entschieden werden muss, ob wir Radtourismus haben wollen und den Einzelhandel außen vor lassen oder eine Lösung für alle Verkehrsteilnehmer finden." Aktuell sehe er in der Winterzeit keinen Druck - der Radtourismus finde in den zwei bis drei Sommermonaten statt. "Bis dahin haben wir noch Zeit", meinte Platt. "Die Entscheidung entspricht im Wesentlichen der FDP-Position", sagte Jürgen Manderla: "Ich hoffe, dass nun die Ablehnungsfront bröckelt." Bei der damaligen Ratsentscheidung hatten sich immerhin Grüne, SPD und FDP für die Beibehaltung des gegenläufigen Radverkehrs ausgesprochen. "Die Karten sind im heutigen Stadtrat neu gemischt. Wir werden sehen, was sich daraus jetzt entwickelt", meinte der Liberale Manderla und spielte auf die bürgerliche Verbindung von CDU, Bürgerforum und Grünen an, zu der sich auch die SPD - obwohl nicht offiziell als Partner in der Verbindung - zugehörig fühlt.

(RP)