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Wermelskirchen: 270 000 Euro für den "Rohbau"

Wermelskirchen : 270 000 Euro für den "Rohbau"

Das 2008 und 2009 in die Schlagzeilen gekommene Mehrfamilienhaus an der Königstraße hat neue Eigentümer. Es wurde am Dienstag am Amtsgericht Bergisch Gladbach versteigert. Die neuen Besitzer werden ein Jahr sanieren müssen.

Die Häuser Königsstraße 36a/b haben einen neuen Besitzer: Die Müller/Blasberg GbR aus Wermelskirchen hat gestern beim zweiten Zwangsversteigerungstermin am Amtsgericht in Bergisch Gladbach den Zuschlag bei 270 000 Euro erhalten. Der Verkehrswert wurde im Wertgutachten mit 379 000 Euro taxiert. Ulrich Müller und Wolfgang Blasberg erklärten als neue Besitzer des Gebäudes nach dem Termin, wenigstens noch einmal den Kaufpreis, eher deutlich mehr, ins Objekt stecken zu müssen. "Die Substanz ist deutlich schlechter als ein Rohbau-Zustand", so Müller. Er rechnet mit gut einem Jahr Sanierungszeit, ehe die ersten Mieter in eine der 16 Wohnungen einziehen können.

Das Wohngebäude war erstmals im April 2008 in die Schlagzeilen geraten, weil die BEW damals drohte, den 15 Mietern das Wasser und das Gas abzudrehen — der Vorwurf: Sie hätten die Nebenkosten nicht bezahlt. In den darauffolgenden zwei Monaten stellte sich heraus, dass der Eigentümer den Wohnblock an eine Consulting-Firma verkauft hatte. Die hatte zwar einen korrekten Vertrag mit der BEW abgeschlossen, aber nie Zahlungen abgeführt. In zehn Monaten waren Forderungen in Höhe von 10 000 Euro aufgelaufen. Der vorherige Eigentümer Horst Schumacher meinte damals, er sei auf "unseriöse Geschäftspartner" reingefallen. Er leistete eine Teilzahlung auf die Rückstände. Nachdem die Mieter dann Geld auf ein Sonderkonto überwiesen, schien der Spuk vorüber.

Häuser immer baufälliger

Doch 15 Monate später ging's von Neuem los: Nur wenige Mieter waren in den immer baufälliger werdenden Häusern geblieben. Gas war ihnen noch im Mai 2009 abgestellt worden, später auch das Wasser. Dann zogen die letzten Mieter aus. Zwischenzeitlich hausten Obdachlose widerrechtlich in den Wohnungen.

Schließlich strengten die NRW-Bank und die Stadtverwaltung die Zwangsvollstreckung im Januar 2011 an. Der NRW-Bank ging's immerhin um rund 94 000 Euro öffentliche Gelder, bei der Stadt Wermelskirchen waren Grundbesitzerabgaben von rund 7700 Euro aufgelaufen.

Die Grundschuld dieses Gebäudekomplexes war aber viel höher: Sie lag bei rund 950 000 Euro — da hatte sich jemand Geld besorgt bei der Bank of Greece (rund 755 000 Euro) sowie einer Gesellschaft auf Palma de Mallorca.

Beim ersten Versteigerungstermin im November 2011 gab es nur eine Bieterin mit 20 000 Euro. Die Wertmindestgrenze lag aber bei 265 300 beziehungsweise 189 500 Euro. Beim gestrigen Termin waren Wertmindestgrenzen gefallen. Entsprechend groß war das öffentliche Interesse — acht Bieter stiegen mit ein. Das Mindestgebot lag bei 6300 Euro. Drei Immobiliengesellschaften und fünf Privatpersonen — darunter Müller/Blasberg sowie ein Ehepaar aus Wermelskirchen — boten mit. Bei 265 000 Euro hörte der letzte Mitbieter auf, so dass die Wermelskirchener bei 270 000 Euro den Zuschlag erhielten. Der Vertreter der Bank gab sich mit dem Ergebnis zufrieden: "Die öffentlichen Mittel sind gerettet."

Müller/Blasberg werden sich jetzt ans Entrümpeln begeben müssen. Nichts Neues für die Geschäftsleute. Sie gehen häufiger solche Projekte an. Die Sozialbindung bleibt bis zum 31. Dezember 2015 bestehen — bis dahin dürfen nur Mieter mit Wohnberechtigungsschein auf Vermittlung der Stadt einziehen. Danach sollen die Wohnungen der "normalen Nutzung" zugeführt werden.

www.rp-online.de/wermelskirchen

(RP)