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Viersen: Ein „Sozial-Rathaus“ in Viersens alter Hauptpost?

Hauptausschuss : Idee: Ein „Sozial-Rathaus“ in Viersens alter Hauptpost

Die Verwaltung würde das leerstehende Gebäude gerne für 18 Jahre mieten. Doch in der Politik gibt es Widerstand.

Viersens Stadtverwaltung platzt aus allen Gebäuden: Mangels Umkleiden ziehen sich die Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes auf der Behindertentoilette um. In der Bauaufsicht im Technischen Rathaus an der Bahnhofstraße besteht nicht genügend Platz, Kartenmaterial auszubreiten. Auszubildende werden in Zweier-Büros untergebracht – auf einem dritten, dazu gestellten Stuhl. Und dass die Stadtverwaltung schwangeren Beschäftigten einen Ruheraum zur Verfügung stellt, wie es das Arbeitsschutzgesetz vorschreibt, ist in Viersen nur ein frommer Wunsch. „Entsprechende Kapazitäten bestehen in allen Verwaltungsgebäuden in zumutbarer Erreichbarkeit nicht“, teilte Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) in der vergangenen Sitzung des Hauptausschusses mit. Weshalb die Politiker beschlossen, zusätzliche Räume für rund 35 Beschäftigte zu mieten.

 Dazu ist es bisher nicht gekommen, „aus von der Verwaltung nicht zu vertretenden Gründen“, wie Anemüller in der Vorlage für den Hauptausschuss am Montag, 4. November, schreibt. Das eröffnet der Stadt die Möglichkeit für eine „große“ Lösung. Denn vor vier Wochen bekam die Verwaltung das Angebot, die derzeit leerstehende ehemalige Hauptpost an der Freiheitsstraße zu mieten. Der frühere Eigentümer wollte in dem Gebäude eigentlich Leiharbeiter unterbringen, der aktuelle Eigentümer hat andere Pläne.

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Die Hauptpost hat eine Fläche von rund 3500 Quadratmetern. Aktuell nutzt die Verwaltung Bürofläche von knapp 6600 Quadratmetern – aber an diversen Standorten im Stadtgebiet. Dass die Verwaltung auch künftig in Dülken und Süchteln präsent ist und dort zwei Beigeordnete ihren Sitz haben, soll nach derzeitigen Plänen durchaus so bleiben, erklärt Stadtsprecher Frank Schliffke. Allerdings böte die ehemalige Hauptpost den Vorteil, dass kleinere angemietete Einheiten an der Wilhelmstraße und an der Königsallee aufgegeben und weite Teile des personalstärksten Geschäftsbereichs „Schule, Jugend, Soziales, Kultur und Sport“ an einem Ort untergebracht werden könnten.

 Dessen Leiterin, witzelte der CDU-Fraktionsvorsitzende Stephan Sillikens in der vergangenen Sitzung des Hauptausschusses, bräuchte angesichts der Vielzahl an Verwaltungsstellen eigentlich einen Hubschrauber, um ihren Aufgaben nachzukommen: An sieben Standorten im Stadtgebiet sind die Mitarbeiter der Beigeordneten Çigdem Bern untergebracht.

 Der Vorschlag der Verwaltung: Die alte Post wird mittelfristig zum „Sozial-Rathaus“. Dort sollen ab dem Jahr 2023 die Fachbereiche „Soziales und Wohnen“ sowie „Kinder, Jugend und Familie“ zusammengezogen werden. Bis das Gebäude so weit hergerichtet ist, könnten dort vorübergehend das Gebäudemanagement und das Rechnungsprüfungsamt einziehen. „Entsprechende bezugsfertige Räume würden kurzfristig zur Verfügung stehen“, erklärte Anemüller. Und: „Damit wäre der aktuelle Raumbedarf der Verwaltung vorerst gedeckt.“ Sie sieht gleich mehrere Vorteile in der alten Hauptpost als Verwaltungsstandort: „Eine Nutzung durch die Verwaltung würde dazu beitragen, die Attraktivität des Stadtbilds in der Viersener Südstadt noch weiter zu steigern und das Stadtbild an dieser Stelle zu beleben.“ Zudem sei es gut mit allen Verkehrsmitteln erreichbar.

Für 18 Jahre könnte die Verwaltung den Gebäudekomplex mieten; bis zur vollständigen Herstellung im Jahr 2023 zu einer reduzierten Miete. Insgesamt summieren sich die Mietkosten nach Informationen unserer Redaktion auf mehr als sieben Million Euro.

Die SPD befürwortet den Plan. „Die Einrichtung eines Sozial-Rathauses mit kurzen Wegen für alle Hilfe- und Unterstützungsbedürftigen entspricht genau dem, was für die SPD-Fraktion ein Baustein einer bürgerfreundlichen Verwaltung ist“, sagt deren Fraktionsvorsitzender Manuel García Limia. Die CDU hingegen will nicht zustimmen. Der Fraktionsvorsitzende Sillekens spricht von einem „Schnellschuss“. „Klar ist: Bei der Unterbringung der Verwaltungsmitarbeiter muss was passieren“, sagt er. Allerdings mache die Verwaltung den zweiten Schritt vor dem ersten. „Wir müssen doch erst schauen: Welchen Bedarf haben wir, was haben wir an Bestand? Und dann müssen wir schauen: Wie können wir auffüllen?“. Die Idee, die alte Post zu mieten, sei „nicht auf jeden Fall falsch“, so Sillekens. Angesichts der Höhe der Miete müsse allerdings auch überlegt werden, ob ein Neubau für die Stadt nicht mehr Sinn habe, der auch direkt barrierearm und ökologisch geplant werden könne. Sillekens: „Da haben wir von der Stadtverwaltung einfach zu wenig an Informationen.“