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Kulturreihe „Götterspeise“ in der evangelischen Kirche St. Tönis liegt seit März auf Eis

Kulturreihe in Tönisvorst : Götterspeise hofft auf „Gute Geister“

Die Kulturreihe „Götterspeise“ in der evangelischen Kirche St. Tönis liegt seit März auf Eis. Nun muss auch das Weihnachtskonzert mit Joscho Stephan abgesagt werden. Für die Kulturschaffenden ist das ein herber Schlag.

Ganz so kurzfristig wie am 13. März, als die Kulturagentur Schneider-Watzlawik, der Stadtkulturbund Tönisvorst und die evangelische Kirche St. Tönis gemeinsam beschlossen, das für diesen Abend geplante Konzert „Samba, Jazz and Love“ aufgrund der Corona-Pandemie abzusagen, ist es diesmal nicht. Aber es ist schon wieder eine Absage, und das schmerzt.

„Wir haben lange gehofft, dass wir am 4. Dezember mit dem Weihnachtskonzert von Joscho Stephan und Band in das neue Programm starten können“, sagt Pfarrerin Daniela Büscher-Bruch, „aber durch die Verlängerung des Lockdowns ist das leider nicht möglich.“ Das sei besonders tragisch, weil der Künstler aus Mönchengladbach sich bereit erklärt habe, auch vor nur 30 Zuhörern zu spielen. „Er hat gesagt, ihm ist es egal, wenn keine 170 Menschen kommen können“, erzählt Ursula Schneider-Watzlawik, deren Kulturagentur die „Götterspeise“ in der evangelischen Kirche St. Tönis vor drei Jahren ins Leben gerufen hat.

Die Reihe mit je vier Abendveranstaltungen pro Spielzeit war von Anfang an ein Erfolg. Die kleine evangelische Kirche in St. Tönis entpuppte sich als perfekter Ort für Lesungen, Konzerte, kleine Schauspiele. Die Kulturagentur aus Krefeld traf mit ihrer Programmauswahl den Geschmack der Besucher. Dem ersten Corona-Lockdown im März fiel die letzte Veranstaltung der Spielzeit 2019/2020 zum Opfer, dem neuerlichen Lockdown die erste Veranstaltung der neuen Spielzeit.

„Sonst startete das Programm im Oktober“, sagt Schneider-Watzlawik. Wegen der Pandemie habe sie auf diese Veranstaltung verzichtet und die Spielzeit 2020/2021 erst im Dezember mit einer Veranstaltung weniger starten lassen wollen. Als klar war, dass Corona auch im Dezember noch ein Thema ist, haben die Kirche und die Kulturagentur ein Hygienekonzept erarbeitet. 30 Menschen hätten demnach zum Konzert „Gypsy meets Christmas“ mit Joscho Stephan kommen können – wenn der Lockdown nicht verlängert worden wäre. „Wir hatten auch schon 30 Karten verkauft“, sagt Schneider-Watzlawik, „die können jetzt beim Stadtkulturbund zurückgegeben werden. Das Geld wird erstattet.“

Für die Kulturagentin ist die Corona-Pandemie verheerend. Die Kosten für die Plakate, für den Druck der Eintrittskarten und die gesamte organisatorische Arbeit hat die Kulturagentur übernommen, Einnahmen hat sie jetzt keine. „Vielen ist vielleicht gar nicht bewusst, dass der Künstler auf der Bühne nicht das gesamte Geld aus dem Verkauf der Eintrittskarten bekommt“, sagt die Krefelderin. Agenturen, Drucker, Techniker, Caterer, Weinhändler und Hotels, in denen Künstler von außerhalb übernachten, würden ebenfalls davon bezahlt.

Auf das nächste Jahr blickt Ursula Schneider-Watzlawik mit Sorgen. „Ich weiß schon von zwei kleinen Bühnen, zu denen wir immer Künstler vermittelt haben, dass es die 2021 nicht mehr geben wird“, erzählt sie. An anderen Spielstätten würden sich die Termine durch die Verschiebungen der Veranstaltungen so knubbeln, dass es keine freien Termine mehr gebe.

Die Kulturagentin geht davon aus, dass Besucher künftig deutlich mehr für ein Theaterticket zahlen werden. „Eventuell müssen auch wir die Karten in der nächsten Spielzeit teurer verkaufen“, kündigt Pfarrerin Büscher-Bruch an, „wir verstehen das aber als eine Spende an die Künstler und die Menschen, die von Kulturveranstaltungen partizipieren.“

Die Pfarrerin bedauert es sehr, dass auch Kulturveranstaltungen vom Lockdown betroffen sind: „Die ‚Götterspeise‘ ist zum festen Bestandteil des Gemeindelebens geworden. Die Reihe wird hier sehr vermisst. Und gerade jetzt wäre es so wichtig, dass die Menschen mal auf andere Gedanken kommen. Kultur ist ein Genusserlebnis, eine Bereicherung für die Seele“, sagt sie.

Um nicht noch mal viel Arbeit, Zeit und Geld in eine Veranstaltung zu stecken, die dann abgesagt werden muss, ist die für den 22. Januar in der evangelischen Kirche geplante Lesung „Was ist Glück?“ mit Nina Petri bereits in die nächste Spielzeit verschoben.

Der Auftritt von Ulla Meinecke und Band am 26. März soll aber stattfinden. „Wir werden ausnahmsweise ins Corneliusforum ausweichen. Dort dürfen nach aktuellem Hygienekonzept 110 Besucher rein“, informiert Daniela Büscher-Bruch. Der Titel des Programms lautet „Gute Geister“ – wenn das mal kein gutes Omen ist.