Tennis: STC ist ihm schon ans Herz gewachsen

Tennis : STC ist ihm schon ans Herz gewachsen

Ludovic Walter ist die Nummer Eins beim Solinger TC. Der Start in die 2. Bundesliga-Nord ist dem französischen Tennisspieler misslungen, doch mit einem knappen Sieg wendete sich das Blatt. Jetzt ist sein Selbstvertrauen enorm.

Fünf Jahre spielte Ludovic Walter professionell auf der Tennis-Tour. Er gewann drei Future-Turniere, spielte bei Challengern und auch in der Qualifikation zu Grand-Slams, doch der ganz große Erfolg wollte sich nicht einstellen. "Nach der Quali zu den Australian Open 2012 habe ich einen Schlussstrich gezogen", sagt der Franzose. "Ich war ungefähr auf Platz 270 in der Weltrangliste und habe es nicht geschafft, Tennis für mich finanziell lohnenswert zu gestalten. Außerdem werde ich auch nicht jünger." Die Konzentration galt fortan seiner beruflichen Zukunft als Investmentbanker. Der 31-Jährige ist gerade dabei, in Paris seinen Masterabschluss zu machen.

Tennis rückte also ein wenig in den Hintergrund. Inzwischen geht Ludovic Walter nur noch ein oder zwei Mal in der Woche auf den Platz. "Aber ich trainiere täglich im Fitnessstudio", erläutert er. "Und mein Tennisspiel ist stark abhängig von meiner Fitness. Deshalb kann ich trotzdem noch ganz ordentlich auf dem Platz aussehen." Walter ist nicht der Spieler, der über eine furiose Vor- oder Rückhand verfügt. Er ist eher mit einem Arbeiter zu vergleichen, der viel läuft, um die wichtigen Punkte zu machen.

Gero Kretschmer knüpfte den Kontakt zum Solinger TC. "Im Sommer habe ich immer etwas mehr Zeit und habe deshalb einen Club gesucht. So kam eins zum anderen", erläutert Walter. Der Start in die Zweite Liga hätte in Widdert für ihn nicht ernüchternder verlaufen können. Am ersten Spieltag kassierte er im Spitzenspiel eine klare Niederlage. "Ich war gar nicht mehr an den Wettkampf gewohnt und habe gerade bei den entscheidenden Punkten schlechte Entscheidungen getroffen, welchen Ball ich nun spielen solle", erklärt der Franzose. "Im zweiten Satz habe ich zum Beispiel vier Spiele verloren, nachdem ich bereits kurz davor gewesen war, sie zu gewinnen."

Nicht viel besser lief es zunächst im zweiten Match gegen Kamil Capkovic von Rot-Weiß Köln. Wieder ging der erste Satz klar verloren, obwohl Walter in fast jedem Spiel seine Chancen hatte. "Aber auf einmal habe ich zurück zu alter Stärke gefunden, habe ein paar gute Entscheidungen getroffen und die wichtigen Punkte gemacht", sagt die Nummer Eins des STC. "Während des Matches habe ich enormes Selbstvertrauen getankt. Der Höhepunkt war dann der Champions-Tiebreak." In dem ergriff Ludovic Walter beim Stand von 8:8 in den beiden folgenden Punkten die Initiative und startete jeweils einen Netzangriff. "Ich hatte beide Male Erfolg und gewann das Match. Das hat richtig gut getan." Nicht zuletzt auch, weil die Augen aller Zuschauer in diesem Moment auf ihm lagen. Walter ist damit beim STC angekommen. Zwei Tage später gewann er erneut - diesmal glatt in zwei Sätzen. Der Solinger TC ist ihm schon jetzt ans Herz gewachsen. "Der Team-Spirit ist in Solingen ein ganz besonderer", erklärt Walter. "Bei vielen Vereinen werden die Akteure nur für die einzelnen Spieltage herangeholt. Hier bleibt das Team nicht nur unter der Woche weitestgehend zusammen, sondern alle kennen sich bereits seit einigen Jahren." Das mache einen großen Unterschied aus. Umso glücklicher ist Ludovic Walter, dass er trotz anderslautender Ankündigung nun bei allen Matches dabei sein kann. Morgen ist die Anfahrt aus Paris nicht ganz so weit. Der STC spielt in Aachen.

(trd)