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Solingen: Die Genossenschaft hat keine Absicht, die Mieten zu erhöhen

Wohnungsbau in Solingen : Spar- und Bauverein: Mieten bleiben stabil

Seit Jahren hat die größte Wohnungsbaugenossenschaft im Rheinland die allgemeinen Mieten nicht erhöht.

In Großstädten gehen erzürnte Mieter angesichts hoher Mieten, aber auch Wohnungsnot auf die Straße. Von Enteignung großer Wohnungsgesellschaften zurück zu kommunalen Gesellschaften ist die Rede beziehungsweise eine Forderung. In Berlin startete dazu ein entsprechendes Volksbegehren.

Vergangenen Donnerstag hat der Solinger Stadtrat das Handlungskonzept Wohnen verabschiedet. Auch hier wurden Stimmen laut, eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft zu installieren. Was es nach Ansicht von Ulrich Bimberg aber nicht braucht: „Wir, aber auch andere Wohnungsgenossenschaften, wirken preisdämpfend“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Spar- und Bauvereins Solingen (SBV) mit Blick auf den Wohnungsmarkt.

Die größte Wohnungsbaugenossenschaft im Rheinland hat seit Jahren keine allgemeine Mieterhöhung mehr durchgeführt. „Es besteht derzeit auch keine Absicht, Mieten zu erhöhen“, sagt Bimberg. Im Zusammenhang mit Modernisierungen seien Mieten gleichwohl angehoben worden. „Allerdings nicht in dem Umfang, was gesetzlich möglich wäre. Wir gehen mit unseren Mietern beziehungsweise Mitgliedern sehr behutsam um“, ergänzt der SBV-Vorstandsvorsitzende.

Bimberg und Vorstandsreferentin Mirja Dorny führen beispielhaft die Siedlung Weyersberg-West auf. Dort war zunächst überlegt worden, Balkone nachträglich anzubauen. Was zu Mieterhöhungen geführt hätte. Weil die Genossenschaft aber wusste, dass sich die Erhöhung einige Mieter nicht hätten leisten können, „haben wir auf die Balkone verzichtet, damit bisherige Mieter in ihren Wohnungen bleiben konnten“.

Die durchschnittliche Grundmiete beim SBV beträgt 5,73 Euro. Die Angebotsmiete bei Wiedervermietung liegt bei 6,26 Euro, rechnet Mirja Dorny vor und ergänzt: „Wir liegen damit deutlich unter dem NRW-weiten Schnitt. Für Neubaumieten musste man 2016 in NRW rund 9,52 Euro je Quadratmeter zahlen, die mittlere Angebotsmiete lag Ende 2016 bei 6,70 Euro.“

Gleichwohl: Um neue Wohnungen und Häuser zu bauen, wird es auch für Genossenschaften immer schwieriger, günstige Mieten vorzuhalten. Bauunternehmen sind ebenso teurer geworden wie Handwerker. Grundsteueranhebungen und Gebührenerhöhungen wie beispielsweise für Müll schlagen sich für die Mieter in den Nebenkosten nieder. Steigende Energiepreise ebenfalls. „Die Förderbedingungen für den Wohnungsbau sind in Nordrhein-Westfalen aber gut“, sagt Ulrich Bimberg.

Von daher hat sich die Genossenschaft entschlossen, am Argonner Weg / Wittekindstraße in der Siedlung Böckerhof ein weiteres Bauprojekt zu realisieren. Ein Mix von öffentlich gefördertem Wohnraum (Kaltmiete von 5,35 Euro je Quadratmeter) und frei finanzierten Wohnungen (zirka zehn Euro je Quadratmeter) wird dort in den nächsten Jahren entstehen.

Alte Häuser werden jetzt zunächst an der Wittekindstraße abgerissen. Hier soll dann „GenerationenWohnen Böckerhof“ bis Ende des nächsten Jahres realisiert werden mit etwa 33 barrierefreien Wohneinheiten. Das werden Wohnungen für Ein- und Zweipersonenhaushalte sein, es gibt einen Bewohnertreff und auch eine Tiefgarage. Kosten für dieses Teilprojekt: rund 5,8 Millionen Euro.

Darüber hinaus sind drei Häuser für Generationen übergreifendes Wohnen mit 27 Wohneinheiten mit unterschiedlichen Wohnformen entlang des Argonner Weges vorgesehen. Baubeginn für diese Teilprojekt mit 39 oberirdischen Stellflächen für Autos mit Kosten von etwa 5,2 Millionen Euro ist voraussichtlich Anfang 2021. Im Frühjahr 2021, so heutige Planungen, wird dort noch eine Kindertagesstätte errichtet (2,2 Millionen Euro).

Insgesamt 13,2 Millionen Euro investiert der Spar- und Bauverein im Böckerhof. Leisten kann er sich das allemal. Bimberg: „Das Geschäftsjahr 2018 war erneut erfreulich.“