Solingen: restposten.de bringt Anbieter und Käufer zusammen

Restposten-Händler aus Solingen : Beste Reste

Marktführer GKS bringt auf seinem Portal restposten.de gut 80.000 Anbieter und Käufer von Konsumgütern zusammen. Programmiert wird in Vietnam. Kontakt wird über Videokonferenzen gehalten.

Die Lösung für Überproduktion? Science-Fiction-Autoren haben sie schon vor Jahrzehnten gefunden: Was Maschinen produzieren, können andere konsumieren. Humanoide Roboter, so eine satirische Kurzgeschichte, tragen dann menschliche Kleidung und dreschen Golfbälle durch die Gegend. Es geht aber auch nachhaltiger, bei Überbeständen ebenso wie bei Retouren und wieder aufgearbeiteten Artikeln: Konsumgüter im Wert von 2,5 Milliarden Euro wurden im Januar auf dem B2B-Portal restposten.de angeboten.

„Wir sind zwar ein Nischenmarktplatz“, sagt Stefan Grimm, Geschäftsführer Strategie und Vertrieb beim restposten.de-Betreiber GKS. „Die meisten Menschen haben aber keine Vorstellung, wie groß das Geschäft ist.“ Retour-Paletten machten dabei mit 5,4 Prozent den kleinsten Teil des Angebots aus. Das Gros komme aus „dem klassischen Überhang“. Grimm: „Wenn die Vertriebserwartungen nicht mit der Wirklichkeit zusammengetroffen sind.“

Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Wirklichkeit hat die im Oktober 1997 eröffnete Großhandelsplattform rasch wachsen lassen und GKS nach eigenen Angaben zum Marktführer im deutschsprachigen Raum gemacht. Grimm: „Der größte der übrigen Anbieter hat zehn Prozent unserer Reichweite.“ Bei restposten.de zahlen gut 80.000 gewerbliche Nutzer Pauschalen zwischen 29,80 Euro monatlich (für Verkäufer) und 99 Euro jährlich (für Einkäufer), um miteinander in Kontakt zu treten – wobei auf einen Verkäufer etwa neun Einkäufer kommen. Stefan Grimm: „Ein Einkäufer kann auch verkaufen, aber nicht im großen Stil.“

Angeboten werden Polo-Shirts und weiße Ware, Computerspiele und Vollwaschmittel, Kettensägen und Sofas, (Haustier-)Spielzeug und Fernseher – um nur einen winzigen Ausschnitt zu nennen. Nicht alle Angebote sind 1a-Ware. Bei restposten.de wird nach elf Qualitäten unterschieden. Retouren, beispielsweise von Discountern, werden mit „C“ gekennzeichnet. „Auch extrem namhafte Firmen kommen verstärkt zu uns“, erläutert Stefan Grimm. „Im letzten halben Jahr hat sich viel getan. E-Commerce ist sehr viel akzeptierter geworden.“

1997, als GKS das „Informationsforum deutscher Restpostenhandel“ startete, gab es 4,1 Millionen Internet-Nutzer in Deutschland. Im vergangenen Jahr waren es 63,3 Millionen. Und die Kontakte von GKS gehen weit über Deutschland hinaus. Grimm: „Drei Viertel unserer Kunden kommen zwar aus dem deutschsprachigen Raum, insgesamt sind aber Händler aus 97 Nationen vertreten.“ Neben Aufkäufern aus Afrika und dem Nahen Osten gibt es auch Interessenten in Nord- und Südamerika sowie in Asien.

Asien hat in letzter Zeit noch eine ganz andere Bedeutung für GKS bekommen. Denn gute IT-Experten zum Firmensitz an die Lindenbaumstraße zu holen, wurde immer schwieriger. „Je knapper der Markt ist, desto eher konzentriert er sich auf die Hotspots“, erklärt Geschäftsführer Christoph Krebs. „Und in Osteuropa ist es auch nicht günstiger als bei uns.“ Der Web-Entwickler und Diplom-Kaufmann greift deshalb seit rund einem Jahr auf ein eigenes Team in Ho Chi Minh City zurück. Beim Dienstleister NFQ Asia arbeiten rund 170 Programmierer, unter anderem für das Beteiligungsunternehmen Rocket Internet.

Der Kontakt wird über Videokonferenzen gehalten. Mindestens vier Mal im Jahr reisen die GKS-Geschäftsführer außerdem für zwei bis drei Wochen nach Vietnam. „Die Mitarbeiter dort haben einen tollen Ehrgeiz“, freut sich Krebs. „Man merkt den Drive im Land“, lobt Stefan Grimm. „Deutsche werden zwar als zuverlässig und beständig wahrgenommen. Die Beständigkeit hemmt aber die Aufgeschlossenheit für Neues. Wie risikobereit sind wir als Volk?“

Heute und morgen sprechen Grimm und Krebs in Hamburg über ihre Erfahrungen in Vietnam. Beim „Digital Commerce Day“ leiten sie einen Masterclass Workshop. Grimm: „Unser Hauptthema ist die externe Entwicklungsabteilung für kleine Unternehmen.“ Mit der E-Commerce Arena hat GKS außerdem sein eigenes Format auf der zweimal jährlich stattfindenden IAW Messe in Köln (Internationale Aktionswaren- und Importmesse).

Im Zug nach Hamburg denkt Stefan Grimm dann vielleicht an den
29. Dezember 1996, als er noch selbst Postenhändler war und den Feuerwerksverkauf in der Remscheider Filiale starten wollte – und im Schnee hängenblieb. Damals standen die Kunden vor dem geschlossenen Laden. Heute eröffnet ihnen GKS zu jeder Tages- und Nachtzeit ein riesiges virtuelles Feuerwerk mit tausenden von Angeboten.

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