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"Rockcity is Electric": Streifzug durch sechs Jahrzehnte Solinger Popkultur

„Rockcity is Electric – die Show“ : Streifzug durch sechs Jahrzehnte Solinger Popkultur

„Rockcity is Electric“ bot gute Musik, klasse Künstler, beste Unterhaltung, echte Überraschungen – und spektakuläre Premieren. Durch den Abend führte Klaus Fiehe.

Mit einer spannenden Reminiszenz an 60 Jahre Solinger Rock- und Pop-Geschichte im Stil einer großen Unterhaltungsshow hatten die Organisatoren Jens Vetter, Jens Stuhldreier und Julian Müller alles andere als zu viel versprochen. So ließ es sich auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach nicht nehmen, im Theater und Konzerthaus vorbeizuschauen. Im ordentlich gefüllten Pina-Bausch-Saal stellte sich derweil schnell gelöste Klassenfahrt-Atmosphäre ein – man kannte sich, war charmant und plauderte coronakonform.

„Schlappe sieben Stunden“, habe die Generalprobe gedauert, fand Klaus Fiehe, gleich zu Beginn seiner Moderation von „Rockcity is Electric – die Show“, den richtigen Ton. „Keine Sorge, ganz so lange wird es hier heute nicht werden.“ Und das war dann am Ende fast schon schade.

Die große Lust auf das nun folgende Programm, brachte der Moderator von „1 Live-Fiehe“ und seit über 20 Jahren sesshaft in Solingen, direkt und unvermittelt rüber. Mit einem schier unendlichen Schatz an Wissen in Sachen Rock und Pop führte er anhand vieler kleiner Anekdoten und sorgsam geführter Interviews kurzweilig und auch lehrreich durch den Abend.

  • Hermann Daun (M. / kleines Foto
    Konzert im Solinger Theater und Konzerthaus : Große Show zu Ehren 60 Jahre Solinger Rock und Pop
  • Foto: Peter Meuter / Solingen, Hauptbahnhof
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Ex-„Mods“-Sänger Coco Teuber, dienstältester Rockervokalist vor Ort, eröffnete mit einem satten Rock‘n‘Roll, gut gelaunt und bei Stimme, die Live-Gigs: „Das ist so geil hier. Das müssen wir unbedingt noch mal machen.“ Die Solinger Subkulturikone betitelte sich selbst und Hermann Daun von „Promotion“ zuletzt noch selbstironisch als „Dinosaurier“, die „längst nicht ans Aussterben denken“. Er berichtete von seiner Jugend in Solingen und wie die Zeit in England und die Begegnungen dort mit den Beatles und den Rolling Stones ihn und sein weiteres Leben prägten.

Mit dem James Brown Hit „It’s a Man’s Man’s World“, gaben Kalla Kuntze, Othmar Geisen und Hermann Daun von „Promotion Soul Concern“ ein beeindruckendes Comeback – nach über 20 Jahren gemeinsamer Bühnenabstinenz. Sie stellten kurz klar, wie jung die Alten geblieben sind. „Wir haben das ganze Bläsergesocks einfach weggelassen – und dann hätte das mit dem Erfolg eigentlich klappen sollen“, erinnerten sich Kuntze, Geisen und Daun auch an die teils denkwürdige Zusammenarbeit mit Bellaphone Records.

„Actionreporter“ Jens Stuhldreier strampelte sich zwischenzeitlich per „Live-Schalte“, stilecht auf einem Bonanza-Rad, entlang längst vergangener Solinger Spielorte legendärer Livekonzerte ab. Im besten Sinne stets bemüht – von den Lonestars über Rausch bis zu den Embryonics und noch vielen mehr – auch jene bemerkenswerten Solinger Künstler und Bands verschiedenster Sounds und Stile zu würdigen, die diesmal nicht mit live on Stage seien konnten.

Der charismatische Auftritt von „S.Y.P.H.“-Sänger Peter Braaz alias „Harry Rag“ und die Uraufführung seines „Vor-fünf-Minuten“-Lieds motivierte das Publikum dann auch vernehmlich zu Zwischen- und Begeisterungsrufen. Unterdessen spielte die Backingband aus „Mutz“ an der Leadgitarre, Suzan Köcher an der Rhythmusgitarre, Janis Rosanka am Bass und Julian Müller am Schlagzeug routiniert und unprätentiös jeden Künstler gekonnt nach vorne. Besonders berührend, der Einspieler über das Solinger Neue Deutsche Welle-Duo „Trick17“, in dem Peter Hellweg die umtriebige gemeinsame Zeit mit dem unvergessenen Thomas Kohl Revue passieren ließ.

Wie es um den Ruf Solingens als „Rock City No.1“ bestellt ist und das überhaupt zu verstehen sei, beschrieb Jens Stuhldreier im Talk: „Von the middle of nowhere ist man halt schnell in Köln und Düsseldorf“. Dass es hinter den Bergen womöglich noch die eine oder andere „Rock City“ mehr geben könnte, sei jedenfalls denkbar. „Popkultur gehört auch ins Theater. Dass das gut geht, erleben wir hier und heute“, resümierte Klaus Fiehe.