Paradeplatz wird nach Anna Maria Esser benannt

Rommerskirchen : Ein Platz für die Krankenhausstifterin

Der Paradeplatz in der Ortsmitte von Nettesheim und Butzheim wird künftig „Anna-Maria-Esser-Platz“ heißen. Der Rat billigte einstimmig eine Initiative des Vereins „Heimat+Historie NE-BU 962“ um Ex-Bürgermeister Emunds.

Für Peter Emunds steht es außer Frage: „Sie ist die bedeutendste Nettesheimerin überhaupt.“ Heutzutage werden nur die wenigsten Einwohner etwas mit dem Namen von Anna Maria Esser anzufangen wissen. Dies soll sich mit der Benennung des Paradeplatzes vor dem Ehrenmal genau an der Ortsgrenze des Doppeldorfs Nettesheim-Butzheim ändern.

Dafür, dass er künftig den Namen „Anna-Maria-Esser-Platz“ tragen soll, hat sich der Rat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause einstimmig ausgesprochen. Die Initiative hierzu kam von der Interessengemeinschaft „Heimat+Historie NE-BU 962, deren Vorsitzender der frühere Bürgermeister und Gemeindedirektor Emunds ist. Seinen Vorvorgänger begrüßte Bürgermeister Martin Mertens im Rat überaus freundlich. SPD-Fraktionschef Heinz Peter Gless sprach sich nachdrücklich für den Antrag aus und das einstimmige Votum war letztlich Formsache.

Doch wer war nun Anna Maria Esser? Sie entstammte einer begüterten Familie von Landwirten, wurde am 28. Oktober 1817 geboren und starb am Neujahrstag 1903 im Alter von 85 Jahren. Der große Hof der Familie Esser, von dem sich heute keine Spur mehr findet, lag rechts vom Ehrenmal in der Ortsmitte. Anna Maria Esser trat 1889 als Stifterin eines Krankenhauses in Nettesheim auf. In dem Schenkungsvertrag legte sie den Namen des Hauses mit „Hospital Maria Hilf“ fest. Zudem bestimmte sie, dass das Kranken- und Pflegehaus in erster Linie für die Einwohner der Pfarre Nettesheim ohne Rücksicht auf deren Konfessionszugehörigkeit gedacht sei.

„Dieses Krankenhaus war eine sehr segensreiche Einrichtung für die Pfarrgemeinde Nettesheim-Butzheim sowie die Heimat am Gilbach“, sagt Peter Emunds. Ende 1968 musste der Betrieb eingestellt werden. Ab 1969 stand das Krankenhaus leer. Der damalige Landkreis Grevenbroich beabsichtigte, das Krankenhaus als Altenheim fortzuführen und entsprechend umzubauen. Statt des Umbaus kam 1973 nach mehr als einem Dreivierteljahrhundert der Abriss: Die beantragten Zuschüsse für Umbaumaßnahmen waren nicht bewilligt worden. In dem Krankenhaus sind übrigens so bekannte Rommerskirchener wie der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und TV-Star Horst Lichter zur Welt gekommen.

Die Stiftung von Anna Maria Esser, die auf dem alten Friedhof an der Pfarrkirche St. Martinus bestattet ist, gibt es übrigens noch heute. Auch das Pfarrheim von St. Martinus wurde aus ihren Mitteln erbaut. Letztmals in die politische Diskussion kam sie im Jahr 2001 bei der Standortsuche für das heutige Caritashaus St. Elisabeth. Damals trat der früher dem Rat angehörende Butzheimer Josef Ritterbach -letztlich erfolglos - dafür ein, die Stiftung dafür zu nutzen, das Seniorenhaus in Frixheim zu platzieren. Die offizielle Widmung soll im Rahmen des Schützenfests am ersten September-Wochenende erfolgen.

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