Rheinberg: Als seien es die eigenen Kinder

Rheinberg : Als seien es die eigenen Kinder

Wolfgang und Nicole A. sind Pflegeeltern zweier Kinder. Rheinbergs Jugendamt sucht und braucht mehr Paare wie sie.

Im Herzen sind es ihre eigenen Kinder, auch wenn sie nicht die leiblichen Eltern sind: 2009 haben Nicole und Wolfgang A. den kleinen Max zu sich genommen, kurz vor dessen zweiten Geburtstag. Fünf Jahre später gaben sie der zehn Monate alten Pia (beide Name geändert) ein neues Zuhause. Die Kinder verstehen sich gut, fühlen sich wohl bei ihren Pflegeeltern, die für sie Mama und Papa sind. "Am Anfang hat man Angst, dass einem die Kinder wieder weg genommen werden", gibt Wolfgang A. zu. Die Eheleute wissen auch, dass der Moment kommt, wo zuerst ihr Sohn und später die Tochter anfangen, Fragen zu stellen, ihre "richtigen" Mütter und Väter kennenlernen möchten.

Annegret Hiller und Monika Schulze vom Jugendamt, beide Diplom-Sozialarbeiterinnen und Familientherapeutinnen, sind froh, dass es Menschen wie Nicole und Wolfgang A. gibt. Denn ohne sie müssten viele Kinder in Heimen untergebracht werden, weil ihre Mütter, ihre Väter sie nicht ausreichend betreuen, versorgen und erziehen können. Krisen, Alkohol- und Drogenprobleme, schwerwiegende Erkrankungen, Unvermögen, Fehlverhalten: Es gibt viele Gründe, warum Eltern ihren Kindern kein sicheres Zuhause geben können, in dem sie geliebt werden, sich geborgen fühlen, gut ins Leben begleitet werden.

Im vergangenen Jahr musste das Jugendamt acht Kinder aus Problemfamilien holen. "Es ergeben sich immer wieder Situationen, wo wir schnell handeln müssen, wo sich die Probleme in einer Familie so zuspitzen, dass das Wohl des Kindes gefährdet ist", sagen Hiller und Schulze. In der Regel sind es junge Eltern. Die Kinder werden zunächst zu Bedarfsfamilien gebracht, wo sie so lange bleiben, bis das Jugendamt eine geeignete Dauerpflegefamilie gefunden hat für die Kinder zwischen null und acht Jahren, die meist leider schon viel erlebt haben. "In den meisten Fällen beantragt das Jugendamt den Entzug der elterlichen Sorge. Selten stellen Eltern, die sich überfordert fühlen, nicht in der Lage sehen, ihr Kind groß zu ziehen, selber einen Antrag, es in eine Pflegefamilie zu bringen", weiß Annegret Hiller aus langjähriger Arbeit im Jugendamt. Gleichwohl sei es für die Kinder sehr wichtig, den Kontakt zu den leiblichen Eltern zu halten, ergänzt Rosemarie Kaltenbach, Sozialdezernentin bei der Stadt Rheinberg. In vielen Fällen ist dies möglich, manchmal ist es für die Kinder besser, Distanz zur Herkunftsfamilie zu schaffen, sie in einer anderen Stadt in Dauerpflegefamilien zu vermitteln. "Wir Jugendämter sind gut vernetzt". Nicole und Wolfgang A. sind froh, dass sie Max und Pia haben. Sie beziehen ihre Kinder auch mit ein, wenn sie einen Anruf von der Polizei bekommen und schnell für zwei, drei Tage ein Kind in Obhut nehmen müssen. Denn die beiden sind auch "In-Obhutnahme-Familie" in Duisburg. Heißt: alle sechs bis sieben Wochen haben sie eine ganze Woche Bereitschaft, müssen jederzeit, auch nachts, mit einem Anruf rechnen.

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Rosemarie Kaltenbach, Annegret Hiller (02843 171-343, annegret.hiller@rheinberg.de) und Monika Schulze (02843 171-456, monika.schulze@rheinberg.de) wissen, dass es Zeit und Kraft, Toleranz und Offenheit, Geduld und Einfühlungsvermögen sowie Belastbarkeit braucht, um Kinder aus Problemfamilien bei sich aufzunehmen. Umso mehr würden sie sich freuen, wenn sich weitere Familien, Paare oder Lebensgemeinschaften bei ihnen melden, die Kinder vorübergehend (als Bereitschaftseltern) oder dauerhaft aufnehmen.

(jas)