1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

Rheinberg: Fachfrau für ein besseres Familienklima

Rheinberg : Fachfrau für ein besseres Familienklima

Anne Bell arbeitet seit Januar als Mediatorin für Trennungen und Scheidungen in der Awo-Beratungsstelle in Rheinberg.

Als sie von dem Angebot las, musste Anne Bell nicht lange überlegen. "Das ist schon was Einzigartiges, was die Awo hier anbietet. Das gibt es nicht überall. Das hat mich absolut gelockt. Ich habe gesagt: Das ist mein Job", sagte die studierte Soziologin und Psychologin, die von Düsseldorf an den Niederrhein gekommen ist.

Seit Januar arbeitet sie in der Awo-Beratungsstelle für Paare und Familien, die in der Begegnungsstelle Reichelsiedlung an der Eschenstraße untergebracht ist, mit einer halben Stelle als Mediatorin für Trennung und Scheidung.

Damit hat die 52-jährige die Nachfolge von Cornelie Groß-Thomas angetreten, die im vergangenen Jahr in den Ruhestand getreten ist. Sie hatte das Angebot begründet und gestaltete es gut 25 Jahre lang.

Bell ist systemischer Coach, hat mehrere Zusatzausbildungen gemacht. Selbstständige Mediatorin ist sie seit 2005. "Ich arbeite auch als Mediatorin für Wirtschaft und Arbeitswelt", sagt sie. Zuvor war sie als psychologische Marktforscherin tätig und gibt heute auch Seminare zum Thema Konfliktmanagement.

"Mediation heißt Vermittlung", erläutert sie die Rolle, die sie bei Paaren einnimmt, die sich in der Trennungs- und Scheidungsphasen befinden. Deren Streitthemen einvernehmlich zu klären, das sei das Ziel. "Häufig geht es da um Elternvereinbarungen, Umgangsverein-barungen für das Kind, aber auch um die Vermögensaufteilung, also darum, alle Trennungs- und Scheidungsformen zu klären."

Da gehe es darum, die Paare anzuleiten. "Das ist da oft noch emotional, da existieren Verzweiflung und Wut, da kommen die Probleme der zerrütteten Paarbeziehung hoch. Aber sie müssen verstehen, dass sie als Elternpaar weiter ein Leben lang miteinander verbunden bleiben. Da schauen wir, was sind die Themen und was sind die Interessen." Ihre Position versteht sie als "allparteilich, so dass beide Parteien ihre Ziele erreichen können. Wichtig sei, "dass Mediation freiwillig ist, aber heißt auch, bereit zu sein, mit dem Ex-Partner zu verhandeln - und dass fair verhandelt wird". Dazu würden Spielregeln vereinbart.

"Sind Kinder im Spiel, "habe ich immer deren Perspektive im Blick. Da geht es um deren Wohlergehen", so Bell. Den Kindern helfen oft auch der Aufenthalt in den Kindergruppen für Scheidungskinder im Alter von sechs bis 13 Jahren. Die werden seit 2005 von der in der Awo-Beratungsstelle tätigen Kollegin Gisela Török betreut. Die Kinder könnten so in den 90 Minuten offen über ihre Sorgen reden, spielten, bastelten und merkten, dass es auch andere Kinder gibt, die in einer ähnlichen Situation sind, beschreibt Török. Auch arbeite sie präventiv mit Paaren oder versuche, "Beziehungen auf neue Füße zu stellen." Die 56-jährige arbeitet seit 2001 als ausgebildete Paar-, Familien, Kinder-und Jugendlichen-Therapeutin in Rheinberg. Beziehungsberatung kann auch einzeln stattfinden - zum Beispiel, wenn jemand bei einer Trennung Hilfe braucht. Es gehe aber in keinem der Fälle um eine juristische Beratung.

Das Beratungsangebot des Awo-Kreisverbands Wesel mit großer finanzieller Unterstützung der Stadt Rheinberg gilt kreisweit und darüber hinaus. Pro Jahr werden zwischen 90 und 120 Personen betreut.

(RP)