Rheinberg: Interesse an Fernwärme ist noch gering

Rheinberg : Interesse an Fernwärme ist noch gering

Das Ziel ist eine klimafreundliche Wärmeversorgung für Rheinberg-Mitte, Annaberg und die vier Gewerbegebiete.

Die Stadtverwaltung Rheinberg bemüht sich seit 2016 darum, eine klimafreundliche Wärmeversorgung für Rheinberg-Mitte, Annaberg und die umliegenden vier Gewerbegebiete Nordring, Winterswick, Alte Landstraße, Amazon sowie Rheinberger Heide zu organisieren. Dazu wurde zunächst eine Potenzialanalyse in Auftrag gegeben.

Jetzt hatte die Stadt interessierte Bürger und Gewerbetreibende ins Rathaus geladen, um die Ergebnisse der Analyse vorzustellen. Das Interesse an dem zukunftsweisenden Projekt hielt sich allerdings in Grenzen, lediglich vier Menschen wollten sich informieren. "Wir sind schon etwas enttäuscht, dass die Resonanz so gering ist", gestand der Technische Beigeordnete Dieter Paus.

Weniger enttäuschend fielen die von Markus Parac und Hendrik Fedtke von der "energielenker Beratungs GmbH" genannten Fakten aus. Demnach besteht gerade im Innenstadtbereich um das Alte Rathaus und in den Gewerbegebieten hohes Einsparpotenzial aufgrund älterer Bausubstanz oder energiehungriger Betriebe. "Fernwärme ist ökologisch sinnvoll und leistet einen wichtigen Beitrag zur Energiewände. Sie spart Platz, weil keine Heizung nötig ist und braucht weder einen Schornstein noch einen Raum für Brennstoff. Das warme Wasser kommt direkt ins Haus", brachte Markus Parac die Vorteile auf den Punkt.

Mögliche Wärmequellen könnten Blockheiz- oder Biomassekraftwerke sein. In Letzteren wäre es laut Fedtke durchaus denkbar, den städtischen Grünschnitt in Wärmeenergie umzuwandeln. Erste strategische Gespräche mit Unternehmen, die als Abnehmer infrage kommen, seien bereits geführt worden, erklärte Jens Harnack von der Stadt. Der Experte für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Umwelt nannte als nächsten Schritt die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft, um als Kommune in Zukunft unabhängig von Stadtwerken oder Stromanbietern zu sein: "Wir haben unsere Energieversorgung selber in der Hand, wären nicht mehr abhängig von Putin und anderen."

Harnack machte aber auch deutlich, dass bei allen umweltpolitischen Aspekten der Preis eine wichtige Rolle spielt: "Am Ende muss mindestens eine schwarze Null stehen, besser wäre es noch, wenn die Fernwärme günstiger zu haben ist als herkömmliche Energieträger." Übrigens kann sich das Projekt auch für die nicht beteiligten Ortschaften von Orsoy bis Wallach lohnen, denn die Entwicklungsgesellschaft darf keine Profite erwirtschaften. "Alle Gewinne würden in den kommunalen Haushalt fließen. Somit würden alle davon profitieren und die Umwelt sowieso. Jetzt gilt es, die Politik davon zu überzeugen, dieses Konzept auch umzusetzen", sagte Jens Harnack.

(erko)
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