Rheinberg: Abendmahlstisch aus der Kirchen-Kastanie

Rheinberg : Abendmahlstisch aus der Kirchen-Kastanie

Ein Teil des Symbolbaums kommt zurück in die evangelische Gemeinde Rheinberg. Dort ist in den nächsten Jahren Sparen angesagt.

"Ich bin stolz, hier Pfarrer sein zu dürfen. Beeindruckt von dem, was die Menschen jeden Tag aufs Neue in und für die Gemeinschaft leisten" — Pfarrer Udo Otten sparte in der Gemeindeversammlung nicht mit Lob für. Doch die Zukunftsperspektive ist düster. Weil das Geld fehlt. Otten: "Bis 2020 kommen auf uns Kürzungen von 20 bis 25 Prozent zu." Bereits für 2014 rechnet der der Pastor mit einem spürbaren Defizit und sprach bei einer Prognose Klartext: "2010 werden wir in der Gemeinde nicht mehr die Bereiche vorfinden, die wir heute haben."

Und da gebe so viel, quer durch alle Bereiche von der Kinderbetreuung bis zur Seniorenarbeit. Neben gottesdienst und geistlichem Leben. Dafür engagieren sich von den 3200 Gemeindegliedern bemerkenswerte 200 ehrenamtlich, "die Gemeinde trägt das alles von der Basis her."

Das Problem der Rheinberger: "Eigentlich sind wir zu klein für das, was wir machen", so Udo Otten: "In unserem Finanzierungssystem, das vom Kirchensteueraufkommen ausgeht und eng zusammenhängt mit den Menschen, die Kirchensteuern zahlen, müssten wir etwa 1500 Gemeindeglieder mehr haben um alle Bereiche so zu finanzieren, wie es annähernd nötig wäre."

Dass in der Gemeinde das Geld knapp wird, habe übrigens nichts mit Kirchenaustritten zu tun: "Die spielen bei uns eine zu vernachlässigende Größe." Statt dessen "bricht uns der demografische Wandel das Kreuz" (Otten): Auf 71 Beerdigungen kommen in diesem Jahr nur 14 Taufen. In welchen Bereichen sich die Rheinberger auf Veränderungen einstellen müssen, sei heute nicht absehbar. Aber es sei klar, dass Entscheidungen getroffen werden müssen "und ich verspreche, dass frühzeitig darüber gesprochen wird", versicherte Pfarrer Otten und erinnerte daran, dass die Gemeinde mit mancher Leistung auch gesellschaftspolitische Aufgaben erfülle. Auch hierfür sei das Geld knapp geworden: "Die Zuschüsse der Stadt Rheinberg sind nicht mehr die, die wir vor fünf Jahren bekommen haben.

Darum müsse die Gemeinde nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten suchen — die "Evangelische Stiftung Zukunft Rheinberg" sei ein solches Instrument, "von dem wir langfristig hoffen, dass es uns hilft, Gemeinde unabhängig von der Kirchensteuer zu finanzieren." Zurzeit seien rund 64 000 Euro Stiftungskapital vorhanden — "ein Anfang, um aus den Erträgen vielleicht einen Teil einer Stelle bezahlen zu können", hofft Pfarrer Otten.

Er hatte der Gemeinde aber auch eine erfreuliche Nachricht mitgebracht: Die alte Kastanie kehrt nach Rheinberg zurück — jedenfalls zum Teil. Über viele Generationen war der mächtige Baum direkt neben dem Gotteshaus das Symbol der Gemeinde. Dann wurde er krank, war letztlich nicht zu retten und musste gefällt werden. Aber eine starke Baumscheibe blieb erhalten und wurde im Sauerland fachgerecht getrocknet. Jetzt kann daraus der neue Abendmahlstisch für die Kirche gebaut werden.

(RP)
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