Rheinberg: Jede Menge Beifall für Rheinbergs Rabenmütter

Rheinberg: Jede Menge Beifall für Rheinbergs Rabenmütter

Die Theatergruppe, bisher für Kinderstücke bekannt, feierte mit ihrem neuen Stück "Elternsprechtag" eine gelungene, dreifache Premiere.

Es war eine gelungene Premiere, die die "Rabenmütter" mit dem Stück Elternsprechtag im Kultur-Pool des Amplonius-Gymnasiums feierten. 120 zahlende Zuschauer waren begeistert von dem szenischen Liederabend und applaudierte lange. Schließlich ist es selten, eine dreifache Premiere zu erleben. Denn Elternsprechtag wurde am Sonntagabend nicht nur uraufgeführt.

Es ist auch das erste Stück für Erwachsene, das von der Rheinberger Laiengruppe gezeigt wird, die in den letzten elf Jahren vor allem Kindermusicals um Ritter Rost auf der Bühne präsentierte. Und es ist das erste Stück, bei dem sich zu den Rabenmüttern auch Rabenväter gesellen. Einer dieser Rabenväter ist Kantinenwirt Kalle Müller, alias Wolfgang Närdemann. Er taucht schon einmal im Trainingsanzug auf, offeriert Kaffee "Toogoo" oder wirft Butterbrote ins Publikum — unter Szenenapplaus. Der andere ist Werner Gubesch, der gleich drei Rollen übernimmt, den liebestollen Mike, den abgedrehten Helmut und den biederen Anton. Das alles passiert auf einem endlosen Flur vor einer verschlossenen Tür. Vor dieser warten immer andere Mütter und Väter in immer anderen Kostümen, um an einem vereinbarten Termin im Klassenzimmer mit einem Lehrer zu sprechen.

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Doch die Tür bleibt genauso verschlossen wie bei Franz Kafkas Roman "Das Schloss". Und das Warten scheint genauso sinnlos zu sein wie in Samuel Becketts Drama "Warten auf Godot". "Das Stück ist ein Vehikel für die Lieder", stellt Beate Spira, aus deren Feder Elternsprechtag stammt und die Regie führte, den tieferen Hintergrund nicht in den Vordergrund. Denn das musicalnahe Stück ist vor allem eine Komödie, bei der sich die Gespräche zwischen den Wartenden über Glück und Unglück entwickeln, wie bei "Warten auf Godot", aber doch völlig anders, weil mit Witz und Humor.

Aus diesen Gesprächen wiederum entwickeln sich Lieder, wobei die "Rabeneltern" bekannte Melodien übernehmen, seien sie nun von Kurt Weill, den Zupfgeigenhanseln oder den Toten Hosen. Oder sie steuern eigene Lieder bei, etwa einen Rap-Song, in dem die junge Muslima Aishe, alias Silke Leveringshaus, den anderen den Klassiker Hamlet von Shakespeare erklärt. "Ist voll krasses Stück", meint sie in Jugendsprache. "Isch schwöre!" Beim Singen werden die Schauspieler von einer vierköpfigen Band unterstützt: Ludger Möllengraf an der Gitarre, Marius Lenders am Bass, Dominic Kalberg am Klavier und Henning Bangert am Schlagzeug. Im Laufe des Stückes verschwimmt die Grenze zwischen Schauspielern und Zuschauern immer mehr. Am Ende singen sie zusammen "Miteinander" von den Zupfgeigenhanseln, denn der Text des Liedes ist auf den Eintrittskarten abgedruckt. Dann ist mit dem wunderbaren Warten Schluss. Und fast Kafkaesk löst sich alles in Wohlgefallen auf.

(got)
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