Tour de Neuss 2019: Nils Politt ist dabei - Emanuel Buchmann auch?

Radsport : Tour-Hoffnung Buchmann steht auf Wunschliste

Wie in jedem Jahr, kämpfen die Organisatoren der Tour de Neuss auch vor der 18. Auflage des Radsportspektakels am 31. Juli um jeden Cent für den Veranstaltungsetat – und um jeden deutschen Profi, der gerade bei der Tour de France unterwegs ist. Wobei deren Zahl in unmittelbarem Zusammenhang mit der Höhe des Budgets steht.

Am Abend des 1. August 2018 war alles wunderbar: Nils Politt, schon als Jugendfahrer auf der Kaiser-Friedrich-Straße erfolgreich, hatte gerade in einem begeisternden Finish die 18. Auflage der Tour de Neuss vor André Greipel gewonnen. 25.000 Zuschauer hatten für eine Rekordkulisse, der tragische Tod des Sportlichen Leiters Andreas Kappes gerade mal 36 Stunden vor dem Rennen für Gänsehaut-Atmosphäre gesorgt.

Noch mit dem Siegerpodest auf der Bühne hatten Fahrer und Fans dem Neusser Radfahrerverein einen klaren Auftrag erteilt. Der lautete unmissverständlich: weitermachen. „Andreas hat den Radsport gelebt. Er hätte gewollt, dass sein Werk weitergeführt wird,“ brachte Altmeister Erik Zabel die Stimmung auf den Punkt.

Stephan Hilgers kann sich noch gut daran erinnern. Der Vorsitzende des Neusser Radfahrervereins kommt gerade vom „Klinkenputzen“ zurück. Für ihn und seine Mitstreiter in den vergangenen Wochen ein unerlässliches Unterfangen, um den Etat für die 18. Auflage des Radsportspektakels am 31. Juli auf die Beine zu stellen. Der ist nicht mal besonders hoch, verglichen mit den Summen, die anderswo im Sport bezahlt werden, eher lächerlich gering. „Für das, was die Top-Fahrer bei uns kriegen, käme ein Fußball-Nationalspieler nicht mal zur Autogrammstunde,“ sagt Hilgers.

Trotzdem (oder gerade deswegen) kämpft der Neusser Radfahrerverein um jeden Cent. Das ist auch nötig, denn „die Betriebs- und Organisationskosten haben sich in den vergangenen Jahren verdoppelt,“ rechnet Hilgers vor. Hat er die beisammen, steht noch kein Fahrer an der Startlinie – außer den Elite-Amateuren, die stolz darauf sind, 80 Kilometer mit ihren Idolen und Vorbildern in einem Rennen zu fahren und dafür für ein paar Euro Spritgeld Anreisen über Hunderte von Kilometern auf sich nehmen.

Für die Top-Fahrer, die direkt aus der Tour de France nach Neuss kommen, darf es schon ein bisschen mehr sein. Geld, das irgendwo her kommen muss. Eintritt für das Spektakel zu nehmen, so wie sie es am Montag nach dem großen Tour-Finale auf den Champs Elyséés in Boxmeer, direkt hinter der holländischen Grenze bei Goch, und anderen Rennen in den Niederlanden und Belgien machen, ist weder machbar noch (in Deutschland) erlaubt.

Bleiben nur Sponsoren, Mäzene, Gönner, Kumpels, Bekannte und Verwandte, die Hilgers und Co. ansprechen. Viele sind mit kleinen Beträgen dabei, manche mit großen. Das Namensrecht für das Hauptrennen hat gewechselt, gefahren wird nun um den „Großen Preis der Firma Schindler GmbH Region West“. Viele Sponsoren sind der Tour über Jahre hinweg treu geblieben, andere sind ausgestiegen oder haben ihr finanzielles Engagement stark reduziert. Insgesamt, sagt Hilgers, „wird es immer schwieriger, neue Sponsoren anzusprechen. Da braucht man schon jemand, der einem die Tür öffnet.“ Genau davon, findet der NRV-Vorsitzende, gäbe es in Neuss zu wenig, Politik und Verwaltung übten sich in vornehmer Zurückhaltung „statt uns ehrenamtlich Tätige zu unterstützen. Am Abend der Tour und am Tag danach ist das Schulterklopfen groß, aber ein Jahr später stehen wir wieder alleine da.“

Wobei die Höhe des Etats trotz eher geringer Gagenforderungen der Fahrer maßgeblich die Qualität des Feldes bestimmt. Vorjahressieger Nils Politt hat seine Startzusage für den 31. Juli schon gegeben. Mit den anderen deutschen Tour de France-Teilnehmern hält der neue Sportliche Leiter Markus Fothen Kontakt. Ganz oben auf der Wunschliste steht die neue deutsche Tour-Hoffnung Emanuel Buchmann, der vor drei Jahren Platz vier bei der Tour de Neuss belegte. Vom Termin und von der Freigabe durch sein Team (bora hansgrohe) her sei ein erneuter Start kein Problem, sagt Fothen, vor anderthalb Jahrzehnten selbst eine neue deutsche Tour-Hoffnung. „Die Frage ist, ob wir das finanziert kriegen,“ sagt Hilgers, „das Budget ist eigentlich ausgereizt.“ Fährt Buchmann wie erhofft weiter vorne mit, dürften seine Ansprüche steigen – aber auch die Hoffnung des NRV-Vorsitzenden, „dass wir dann jemand finden, der bereit ist, ein paar Euro drauf zu legen.“ Ein mühseliges Geschäft – doch das war die Tour de Neuss eigentlich immer.

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