Jüchen : Nachts in die Kirche

Zum ersten Mal luden Jüchener, Korschenbroicher und Mönchengladbacher Kirchen zur "Nacht der offenen Gotteshäuser" ein. Viele Menschen nutzten das Angebot, sich auch mal in anderen Gemeinden umzusehen.

Normalerweise ist auf Kirchenbänken zu später Stunde niemand mehr zu finden, sind dann auch längst die letzten Kerzen erloschen, die Türen geschlossen. Umso mehr genießt Karin Schneider die besondere Atmosphäre in St. Jakobus. Es ist die "Nacht der offenen Gotteshäuser" — und die begann in Jüchen mit einem musikalischen Leckerbissen Die Aachen-Mönchengladbacher "Schola Carolina" sang die Komplet aus dem "Aachener Karlsoffizium" — mittelalterliche Musik, die erst vor kurzem vom musikalischen Leiter der Schola, Dr. Michael Tunger, wiederentdeckt, teil-rekonstruiert und aufführungsreif gemacht wurde.

Farbige Lampen tauchten das Kircheninnere während der Musik in stimmungsvolles Licht, von blau über rot bis gelb. "Ich habe schon einmal ähnliche Veranstaltungen erlebt, aber nie mit dieser wunderbaren Illumination", sagt die 50-Jährige aus Norddeutschland, die derzeit in Jüchen zu Besuch ist. Als gregorianische Gesänge den neugotischen Raum füllen, lehnt sie sich in ihrer Bank zurück und schließt die Augen. "Die Kombination aus dem bunten Licht und den Gesängen ist faszinierend und strahlt etwas Einzigartiges aus", sagt sie.

In Gierath gab es anderes zu erfahren: Die Martinuskirche blickt in diesem Jahr auf eine 150-jährige Geschichte zurück. Zahlreiche Mitglieder aus der eigenen und aus umliegenden Gemeinden konnten das Kirchengebäude aus ungewohnter Perspektive betrachten und begehen. Gemeindereferentin Ellen Weitz: "Unser Höhepunkt ist neben den vielen Besonderheiten, dass wir auch eine bemerkenswerte Frau der Kirche wiederentdecken: Teresa von Avila."

Alice Breuer hüllte sich in das Gewand der Ordensschwester aus dem 16. Jahrhundert, schlüpfte in ihre Rolle und berichtet in einem lebendigen Interview über das abenteuerliche Leben der für damalige Verhältnisse modernen Frau.

In Otzenrath folgten unter dem Motto "Guten Abend — gute Nacht" zahlreiche Gemeindemitglieder der Einladung von Wilhelm Junker und Ingrid Scholz in die Kapelle. Zur Einstimmung sangen sie gemeinsam Abend- und Nachtlieder, bevor Hildegard Kux eine interreligiöse Stunde einläutete. Tamilische Tänze, tamilische Trommler und ein buddhistisches sowie ein jüdisches Gebet verdeutlichten den Hintergrund: "Wir möchten einander besser kennenlernen, um fremde Religionen schätzen zu lernen. Das ist wichtig für Deutschland und für die Weltgemeinschaft", sagte Ingrid Scholz. "Besonders freue ich mich, dass wir mit dem Angebot auch Menschen aus anderen Gemeinden erreichen."

(NGZ/jul)