Hückeswagen: Kantorin im musikalischen Endspurt

Hückeswagen: Kantorin im musikalischen Endspurt

Mit der "Musik in der Offenen Kirche" endete das Musikprojekt "Viva la Musica". Kantorin Ingrid Kammerer verlässt Hückeswagen Ende des Monats.

Der musikalische Abschied von Ingrid Kammerer wird eine Art Dreiklang: Das Chor- und Orchesterkonzert am Sonntagnachmittag in der Pauluskirche war der Auftakt ihrer Tournee, die mit der Verabschiedung samt Chorkonzert am 23. Juni weitergeht und mit dem Kinder- und Jugendkonzert am 27. Juni dann endet. Nach 25 Jahren verlassen Ingrid Kammerer und Ehemann Stefan die Schloss-Stadt, um sich im nordhessischen Korbach eine Kantorenstelle zu teilen.

"Heute fühlt sich noch gar nichts nach Abschied an", erklärte sie am Sonntag nach einem fulminanten Konzert dann aber strahlend, "dieses Konzert hätte es auf jeden Fall gegeben." Denn pünktlich zur dritten Auflage der "Musik in der Offenen Kirche" stellten die Musiker des Chorprojekts "Viva la Musica" ihre Probenarbeiten vor. Die Kantorei bekam Unterstützung von Gästen des Projekts, Solisten und Orchester steuerten Töne, Melodien und viel musikalisches Gespür bei. Und doch ließ sich die Kantorin bei der Begrüßung eine Bemerkung zu ihrem Abschied nicht nehmen. Gerade hatten der große Chor und die Instrumentalisten das Publikum in der Pauluskirche mit "Du meine Seele singe" begrüßt, da ermutigte Ingrid Kammerer Musiker und Zuhörer in Hückeswagen, weiterzumachen. "Das Singen ist eines der schönsten Dinge, die Gott uns geschenkt hat", befand sie, "und es hängt nicht von mir ab, sondern von den vielen Sängern und Musikern in unserer Gemeinde, dass es weitergeht." Und die zeigten am Sonntag dann eindrucksvoll, was sie können.

Saint-Saens, Erlebach, Händel und Bach standen auf dem Programm. Soli, starker Chorgesang und auch Raum für Organistin Inga Kuhnert, dazu Streicher, Bläser, eine Geige. Wenn die Flöten des kleinen Orchesters fröhlich in das Atemholen der Sänger musizierten, wenn sie bei "Lobsinget Gott dem Herrn" der Kantorin ein Lächeln aufs Gesicht zauberten, das fürs Erste nur dem Fotografen und ihren Sängern vorbehalten war, dann steckte die Musik an.

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Mit Händels Orgelkozert in F-Dur opus 4 Nummer 5 bekamen dann die Instrumentalisten ihren Raum: Die Orgel begann einen mal tragenden, dann heiteren Dialog mit den Streichern und Bläsern. Das Tempo zog an und Inga Kuhnert hatte zur Freude des Publikums alle Hände voll zu tun an den Tasten. Der Applaus war auf das Konzertende verschoben worden.

Mit dem großen Finale des kleinen Konzerts zeigte Kammerer dann einmal mehr ihre eigene Lust an Bach und religiöser Partitur. Sie begleitete ihre Sänger, das Orchester und die Solisten durch ein musikalisches Gebet - vom Flehen bis zum Danken. "Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut" stimmte der Chor an und wurde schnell von der berührenden Bass-Stimme Hak-Young Lees abgelöst.

Tenor Martin Logar und Heike Bader mit einer starken Alt-Stimme beteiligten sich an dem Stück in neun Versen und überließen dem Chor das letzte Wort. "Gebt unserm Gott die Ehre" schallte es noch in dem hellen Kirchenraum nach, als das Publikum endlich zum Applaus ansetzen durfte. Der dauerte Minuten und fiel am Sonntagnachmittag besonders herzlich aus.

(resa)
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