1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Remscheid: Wenig Regen setzt Gärtner unter Druck

Bürgermonitor in Remscheid : Wenig Regen setzt Gärtner unter Druck

Die beiden Kanister mit Regenwasser im Hinterhof eines Mehrfamilienhauses an der Ronsdorfer Straße sind mit Wasser gefüllt. Für Ulrich Döhler (65) ein seltener und erfreulicher Anblick. Mit diesem Wasser gießt er die Blumen in dem Gemeinschaftsgarten.

Das Regenwasser fließt direkt über das Regenfallrohr in die Auffangbehälter oder direkt in den Garten. Im Jahr zahlt er 153 Euro an Gebühr für Niederschlagswasser. Doch er fragt sich warum. „Die Regenrohre in diesem Gebäude sind nicht an die Kanalisation angeschlossen“, sagt Döhler. Wenn das Regenwasser nicht in einen Kanal fließt, sondern im Erdreich versickert, müsste er eigentlich kein Geld für Kanalgebühren entrichten, sagt Döhler.

In der Satzung der Technischen Betriebe für die Entwässerungsgebühren wird unterschieden zwischen Schmutzwasser und Niederschlagswasser. Dafür gibt es unterschiedliche Tarife. 2,60 Euro pro Kubikmeter verlangt die Stadt für das Schmutzwasser, das aus Bad, Küche und Keller (Waschmaschine) in den Kanal geleitet wird. Für Niederschlagswasser vom Dach zahlt der Kunde 1,38 Euro pro Quadratmeter. „Laut unserer Satzung müssen Regenrinnen an den Kanal angeschlossen sein“, sagt Frank Weber, bei den TBR zuständig für die Gebühren bei Niederschlagswasser. Es gebe Ausnahmen. Zu dem Fall an der Ronsdorfer Straße wollte er sich nicht äußern.

Ulrich Döhler freut sich über jeden Regenguss, der seine Tonnen füllt. Einen Außenwasserhahn zum Grundstück gibt es nicht. Das Bewässern des Gartens stellt für ihn mehr und mehr eine Herausforderung dar. Brauner Rasen, zusammengeknickte Sträucher und vertrocknete Baumkronen – wer will darauf blicken?

So wie Döhler geht es vielen Gartenbesitzern in Remscheid. Auf Regen ist kein Verlass mehr. Die CDU-Fraktion hat im Rat eine Anfrage gestellt, ob es möglich sei, die Bürger bei den Kosten für die Bewässerungen ihres Gartens zu entlasten?

Die Stadt bietet die Möglichkeit an, dass der Kunde auf eigene Kosten einen zweiten Zähler einbaut. Dieser Zähler darf nicht einfach auf den Wasseranschluss an der Hauswand geschraubt werden, sondern muss sich im Haus befinden. In Wuppertal ist ein einfaches Anschrauben erlaubt. Die TBR begründen die strengere Regel mit schlechten Erfahrungen. So habe man festgestellt, dass die Wasseruhr im Winter draußen abgeschraubt und mit dem Waschmaschinenanschluss verbunden wurde. Der Kunde mit dem ordnungsgemäßen Einbau eines zweiten Zählers an die Frischwasserleitung kann die verbrauchte Menge abziehen.

Frank Weber macht darauf aufmerksam, dass sich ein solcher Zähler, der alle sechs Jahre gewechselt werden muss, nur ab einer bestimmten Grundstücksgröße rechnet.

TBR-Betriebsleiter Michael Zirngiebl plädiert für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser. Schäden im Garten durch Trockenperioden könnten nicht allein mit Trinkwasser behoben werden. Es sei bereits in diesem Jahr ein erhöhter Wasserverbrauch zu verzeichnen. Die Stadt will die Eschbachtalsperre reaktivieren, weil der Druck auf die Große Dhünntalsperre größer werde. Weitere Vergünstigungen lehnen die TBR daher ab. Regentonnen wie im Garten von Ulrich Döhler scheinen ein besserer Weg zu sein.